Skip to main content
main-content

20.02.2018 | Akutes Koronarsyndrom | Nachrichten

Optimale Sekundärprävention

Nach Herzinfarkt: Mit diesen 7 Regeln verbessern Sie Ihre Prognose

Autor:
Veronika Schlimpert

Nach einem Herzinfarkt wird den Patienten zu Änderungen ihres Lebensstils geraten. Einer aktuellen Studie zufolge ist die Prognose tatsächlich besser, wenn man auf sieben Faktoren achtet.  

Ein optimaler Blutdruck, niedriger Cholesterin- und Glukosespiegel, körperliche Bewegung, ausgewogene Ernährung, Nikotinverzicht und kein Übergewicht – mit diesen sieben Lebensstilfaktoren lässt sich nicht nur das Herzinfarkt-Risiko beträchtlich senken. Wie eine aktuelle Analyse gezeigt hat, können die Patienten auch ihre Prognose verbessern, wenn ein solches Ereignis bereits eingetreten ist.  

Frühere Studien mit intuitiv widersprüchlichen Ergebnissen

Die Einhaltung dieses optimalen Lebensstilpakets – the „Life’s Simple 7“ – wird von er US-amerikanischen Kardiologie-Gesellschaft wird zur kardiovaskulären Primärprävention empfohlen. Intuitiv würden die meisten Experten wohl zustimmen, dass ein durch diese Faktoren zum Ausdruck kommender guter Gesundheitszustand auch in der kardiovaskulären Sekundärprävention von Nutzen ist.

Seltsamerweise haben einige Untersuchungen in der Vergangenheit aber genau das Gegenteil gezeigt. Hier hatten jene Herzinfarkt-Patienten, die bei Aufnahme in die Klinik viele traditionelle Risikofaktoren aufwiesen, eine niedrigere intrahospitalen Sterblichkeit. Das Manko solcher retrospektiver Analysen ist allerdings, dass gewisse Störfaktoren das Ergebnis verfälschen können. So kann es beispielsweise sein, dass die Diagnose bei Vorhandensein typischer kardiovaskulärer Risikofaktoren früher gestellt wird und die Nachsorge gründlicher erfolgt, was letztlich  in einer kurzfristig besseren Prognose resultiert.

Prospektive Daten der ARIC-Studie

Dr. Yejin Mok und Kollegen aus Baltimore haben deshalb die von 1.277 Patienten prospektiv erhobenen Daten der ARIC-Studie (Atherosclerosis Risk in Communities) ausgewertet. Alle Patienten hatten einen Herzinfarkt im mittleren Erwachsenenalter (im Mittel 69 Jahre) erlitten. Die Erfassung der kardiovaskulären Risikofaktoren erfolgte bei deren Entlassung aus der Klinik.

Die beste Prognose im weiteren Verlauf hatten jene Teilnehmer, bei denen die sieben propagierten Lebensstilfaktoren am ehesten dem Ideal entsprachen. Ein „Life’s Simple 7“-Score von ≥ 10 (2 Punkte für idealen, 1 Punkt für mittleren und 0 Punkte für schlechten Wert) ging mit einem 43% geringerem Risiko einher, während des 3,3-jährigen Beobachtungszeitraumes einen erneuten Herzinfarkt, eine Herzinsuffizienz oder einen Schlaganfall zu erleiden  oder an einer kardiovaskulären Ursache oder anderen Gründen zu versterben, als bei einem Score ≤ 3. Bei einem Score von 7 bis 9 war das Risiko um 22% geringer.

Diese Assoziation sei weitestgehend unabhängig von der Schwere des Herzinfarktes  und dem Zugang zur Gesundheitsversorgung, berichten die Autoren. Den entscheidenden positiven Einfluss auf die Prognose hatten demnach der Verzicht auf Zigaretten, ein idealer BMI, ein niedriger Blutdruck und Nüchternblutzucker.

Gute Prognose in Primär- und Sekundärprävention

Nicht überraschend war bei einem guten Abschneiden im „Life’s Simple 7“-Score auch das Risiko für den ersten Herzinfarkt deutlich geringer. In diese Primäranalyse der ARIC-Studie sind Daten von 13.079 Patienten  eingegangen.

Die Autoren sind daher der Ansicht, dass die Befolgung dieser sieben Lebensstilfaktoren eine effektive Maßnahme zur kardiovaskulären Primär- und Sekundärprävention in der Bevölkerung darstellen könnte.

Literatur

Zurzeit meistgelesene Artikel

Highlights

18.04.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

Was gibt's Neues bei der Herzinsuffizienz?

Kürzere Krankenhaus-Verweildauern hält Prof. Michael Böhm bei Herzinsuffizienz-Patienten für gefährlich. Die Gründe für seine Bedenken und was es sonst noch Neues in der Therapie der Herzschwäche gibt, erfahren Sie in diesem Video. 

29.06.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Highlights | Video

Update Endokarditis – was die Leitlinien sagen

Alles Wichtige zur Endokarditis – von Beschwerden, Komplikationen bis hin zur Therapie und den neuesten Leitlinien-Empfehlungen – erfahren Sie von Prof. Stefan Frantz.

Aus der Kardiothek

12.07.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

Neue medikamentöse Therapien für die Herzinsuffizienz

Wie Sie ARNI bei Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz korrekt einsetzen, erfahren Sie in diesem Video. Prof. Michael Böhm gibt einen Überblick über alle neue medikamentösen Therapiemöglichkeiten der Herzinsuffizienz mit reduzierter Auswurffraktion.

12.07.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

Interventionelle Therapie der Herzinsuffizienz: Was gibt's Neues?

Für die Herzinsuffizienz werden immer mehr interventionelle Therapieansätze entwickelt. Was heute bereits auf dem Markt ist und was in Zukunft möglich sein wird, darüber berichtet PD Dr. Philipp Raake. 

09.07.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

Neuer Therapieansatz für die diastolische Herzinsuffizienz (HFpEF)

Bisher gibt es keine Therapie, mit der sich eine Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion (HFpEF) spezifisch behandeln lässt. Doch es gibt Hoffnung. Prof. Gerd Hasenfuß stellt ein neues interatriales Shunt-Device (IASD) vor. 

Interventioneller Verschluss eines Atriumseptumdefekts

Vortrag Prof. Dr. Horst Sievert Jahrestagung DGK 2018

Bei einem 56-jährigen Patienten wird zufällig ein Atriumseptumdefekt festgestellt.  Prof. Horst Sievert und sein Team vom St. Katharinen-Krankenhaus in Frankfurt entscheiden sich für einen interventionellen Verschluss. Sie finden dabei ein weiteres Loch. Was ist zu tun? Für welches Device sich das Team entscheidet und wie sie genau vorgehen, erfahren Sie in diesem Video. 

29-jähriger Patient mit wiederkehrender Rhythmusstörung

Anspruchsvolle Katheterablation einer links gelegenen Leitungsbahn

Live Case 2017 Stents und mehr - AGIK trifft EACPI

Ein 29-jähriger Patient mit Wolff-Parkinson-White-Syndrom leidet an erneuten supraventrikulären Tachykardien. Die erste Katheterablation war schon anspruchsvoll. Prof. Helmut Pürerfellner,  Dr. Livio Bertagnolli und Dr. Philipp Sommer aus Leipzig machen sich auf die  Suche nach der Leitungsbahn.

Suche nach dem Ursprungsort

Mit 3D-Mapping-Systemen zur erfolgreichen VES-Ablation – 4 Fälle aus der Praxis

DGK 2017 LIVE-in-the-box_VES-Ablation mit 3D-Mapping

Mithilfe von 3D-Mapping-Systemen kann der Ursprungsort ventrikulärer Extrasystolen (VES) lokalisiert werden. PD Dr. Rudolfo Ventura aus Bremen stellt 4 spannende Fälle aus der Praxis vor, und zeigt, wie das 3D-Mapping selbst bei anfänglichen Schwierigkeiten zur erfolgreichen Ablation verhelfen kann.

Bildnachweise