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05.01.2018 | Akutes Koronarsyndrom | Nachrichten

EKG-Anzeichen ernst nehmen

Stumme Infarkte erhöhen Risiko für Herzschwäche

Autor:
Veronika Schlimpert

EKG-Zeichen für einen Herzinfarkt sind offenbar immer ernst zu nehmen, auch wenn ein akuter Myokardinfarkt zunächst ausgeschlossen werden kann. Einer aktuellen Studie zufolge ist das Risiko für die Patienten, eine Herzinsuffizienz zu entwickeln, deutlich erhöht.

Auch nach sog. stummen Herzinfarkten besteht die Gefahr, dass sich im weiteren Verlauf eine Herzschwäche entwickelt.  Eine entsprechende Assoziation hat sich in einer Analyse von 9.242 Teilnehmern der ARIC-Studie (Atherosclerosis Risk in Communities) gezeigt.

EKG-Anzeichen nicht harmlos

Von einem stummen Herzinfarkt spricht man, wenn im Elektrokardiogramm (EKG) Anzeichen für einen Herzinfarkt zu sehen sind, wie pathologische Veränderungen der Q-Zacke/QS-Komplexes oder kleinere Q- oder QS-Veränderungen plus ST- bzw. T-Wellen-Anomalien, die Diagnose eines manifesten Herzinfarktes aufgrund fehlender Angina-Beschwerden oder anderer klinischer Manifestationen und nach entsprechender Enzymdiagnostik aber ausgeschlossen werden kann. In der Allgemeinbevölkerung liegt die Prävalenz solcher stillen Myokardinfarkten bei 0,3 bis 4,8%.

Doch trotz des Ausbleibens von akuten Beschwerden sind solche EKG-Veränderungen offenbar nicht harmlos. In der aktuellen Analyse waren stumme Myokardinfarkte mit einem um 35% erhöhten Risiko für eine Herzinsuffizienz assoziiert, unabhängig von anderen typischen Risikofaktoren für das Nachlassen der Pumpfunktion.

Generelles Screening?

Die Analyse liefere Hinweise, dass entsprechende EKG-Anzeichen einen neuen Risikofaktor darstellen, der in der klinischen Routine untergehen könnte, führen die Studienautoren um Dr. Wagas Qureshi von der Wake Forest School of Medicine in Winston Salem im „Journal of the American Collage“ aus. Ob dies allerdings ein generelles Screening rechtfertig, müsse erst in weiteren Studien mit Kosten-Nutzen-Analysen evaluiert werden.

Insgesamt waren bei den 9.242 anfangs gesunden Teilnehmern in dem mittleren Beobachtungszeitraum von 13 Jahren 4.305 stumme Infarkte und 331 manifeste Myokardinfarkte aufgetreten. Letztere waren  nicht überraschend  mit einem noch deutlich höheren Risiko für eine Herzschwäche assoziiert als die stummen Infarkte (Hazard Ratio: 2,85).

Logische Erklärung

Dass auch stumme Herzinfarkte die Entwicklung einer Herzschwäche begünstigen können, erscheint pathophysiologisch durchaus einleuchtend, auch wenn durch diese Studie keine Kausalität belegt werden kann. Wie die Studienautoren erläutern, spiegeln EKG-Infarktzeichen ischämische Zustände im Myokard wider und könnten sich langfristig in einer Herzinsuffizienz manifestieren. „Daher ist es möglich, dass stumme Infarkte eine mildere Form des manifesten Herzinfarktes oder die frühen Veränderungen vor der Entwicklung eines Myokardinfarktes bzw. einer Herzinsuffizienz darstellen.“ Oder die Infarktgröße im Falle einer akuten Manifestation sei einfach größer, was das dann deutlich höhere Risiko für eine Herzschwäche erkläre.

Zu klären gilt nun, ob dann auch bei von stummen Infarkten betroffenen Patienten eine Therapie, wie sie bei manifesten Myokardinfarkten zum Einsatz kommt, einen Nutzen bringt.

Literatur

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