Nachrichten 29.05.2017

Transradialer Zugang bei Koronarintervention schonender für die Nieren

Der transradiale Gefäßzugang für perkutane Herzkatheter-Eingriffe bei akutem Koronarsyndrom scheint auch für die Nieren schonender zu sein: Akute Nierenschädigungen  treten seltener auf als bei Koronarinterventionen via transfemoralem Zugang, belegen aktuelle Ergebnisse der AKI-MATRIX-Studie.

Als zu bevorzugender vaskulärer Zugang für die  perkutane Koronarintervention (PCI) wird inzwischen die Arteria radialis empfohlen.  Berufen wird sich dabei vor allem auf die Ergebnisse der 2015 veröffentlichten MATRIX-Studie, in der bei rund 8.400 Patienten mit akutem Koronarsyndrom (ACS: NSTEMI und STEMI) klinische Vorteile der transradialen gegenüber der transfemoralen PCI zutage traten, darunter eine Reduktion von Gesamtmortalität und von schweren Blutungen.

Eine Acute Kidney Injury (AKI)-MATRIX benannte MATRIX-Substudie  offenbart nun einen weiteren Vorteil.  Danach ist bei einer PCI via  Arteria radialis signifikant seltener mit einer akuten Nierenschädigung zu rechnen als bei transfemoralem Zugang. Dr. Bernardo Cortese  aus Mailand hat die simultan im „Journal of the American College of Cardiology“ publizierten Ergebnisse beim Kongress EuroPCR 2017 in Paris vorgestellt.

Relative Risikoreduktion um 13%

Kriterium für eine akute renale Schädigung war in AKI-MATRIX ein absoluter (> 0.5 mg/dl) oder relativer (> 25%) Anstieg des Serumkreatinin-Spiegels.  Die Inzidenz entsprechender Serumkreatinin-Veränderungen war in der Gruppe mit transradialem Zugang signifikant um 13% niedriger als in der Gruppe mit PCI via Arteria femoralis   (15.4% vs. 17.4%; Odds Ratio 0.87; p = 0.018).

Signifikant reduziert wurden dabei sowohl  die relativen (>25%) Anstiege  (15.4% vs. 17.3%; OR, 0.87; p = 0.0195) als auch die absoluten Anstiege (> 0.5 mg/dl) der Serumkreatinin-Konzentrationen (4.3% vs. 5.4%; OR, 0.77; p = 0.0131). Im Hinblick auf erforderliche Nierenersatztherapien (Dialyse) gab es bei insgesamt niedriger Inzidenz einen Trend zugunsten des transradialen Zugangs (0,15% vs. 0,34%; p = 0,0814).

Zu bedenken ist, dass die an der Studie beteiligten interventionellen Kardiologen allesamt über sehr viel Erfahrung in der transradialen Punktionstechnik verfügten und diesen Zugangsweg in der Praxis vorwiegend nutzten. Ob der Umstand, dass sie diese Technik sehr gut und die transfemorale Punktion möglicherweise schlechter beherrschten, die Ergebnisse beeinflusst haben könnte, soll nun in einer weiteren Untersuchung geklärt werden, berichtete Cortese.

Niedrigeres Blutungsrisiko als Erklärung?

Eine mögliche Erklärung für die relative Abnahme von renalen Komplikationen könnte nach Ansicht von Cortese die niedrigere Inzidenz von hämodynamisch relevanten Blutungen nach transradialer PCI sein. Eine weitere Hypothese lautet, dass der Zugang über die Armarterie mit einem geringeren Risiko für embolisch bedingte Nierenschäden einhergehen könnte.

In der MATRIX-Hauptstudie (Minimizing Adverse Haemorrhagic Events by Transradial Access Site and Systemic Implementation of AngioX: Radial vs. Femoral Clinical Trial) waren transradialer und transfemoraler Gefäßzugang bei 8404 Patienten mit ACS verglichen worden.

Einer von zwei co-primären Studienendpunkten war die Gesamtrate der Ereignisse Tod, Myokardinfarkt und Schlaganfall nach 30 Tagen (MACE : Major Adverse Cardiac Events). Hier gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen transradialer und transfemoraler PCI (8,8% vs. 10,3%).

Der zweite co-primäre Endpunkt (NACE: Net Adverse Clinical Events) enthielt außer den Komponenten des ersten Endpunkts auch noch schwere Blutungen als Ereignisse. In diesem Fall war die Ereignisrate nach 30 Tagen in der Gruppe mit transradialem Zugang signifikant um 17 Prozent niedriger als in der Vergleichsgruppe (9,8% vs. 11,7%).  Die Analyse der Einzelkomponenten ergab eine signifikante Reduktion der Gesamtsterberate (1,6% versus 2,2%) sowie eine signifikante Reduktion von schweren Blutungen (1,6% vs. 2,3%) bei Katheterisierung via Armarterie.

Literatur

 

Vorgestellt in der Sitzung “PCI: procedural techniques and clinical outcomes”, Kongress EuroPCR 2017, 16.-19. Mai 2017, Paris

Andò G, et al. Acute kidney injury after radial or femoral access for invasive acute coronary syndrome management: AKI-MATRIX. J Am Coll Cardiol. 2017; DOI: 10.1016/j.jacc.2017.02.070.

Valgimigli M. et al.: Radial versus femoral access in patients with acute coronary syndromes undergoing invasive management: a randomised multicentre trial, The Lancet 2015, DOI: http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(15)60292-6| 

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Bildnachweise
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Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
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