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27.02.2018 | Akutes Koronarsyndrom | Nachrichten

Gefahren einer Schmerz-Therapie

Wie sicher ist das Schmerzmittel Morphin bei Herzinfarkt-Patienten?

Autor:
Veronika Schlimpert

Morphin wird bei Herzinfarkt-Patienten zur Behandlung der akuten Schmerzen eingesetzt. Doch kamen Zweifel auf, ob das Schmerzmittel hier wirklich sicher ist. Wissenschaftler geben nun Entwarnung – und betonen die Notwendigkeit einer adäquaten Schmerzbehandlung.

Morphin kann bei Patienten mit ST-Hebungs-Infarkt (STEMI) offenbar halbwegs beruhigt eingesetzt werden. In einer Post-hoc-Analyse der CIRCUS-Studie ging das Schmerzmittel jedenfalls mit keiner schlechteren Prognose einher.

Ohne eindeutige Belege für ein Sicherheitsrisiko sollte Morphin bei STEMI-Patienten deshalb ohne Einschränkungen zum Einsatz kommen, resümieren die französischen Studienautoren um Dr. Mickael Bonin.

Zweifel an Sicherheit des Schmerzmittels

Morphin ist bei Herzinfarkt-Patienten das am häufigsten verwendete Analgetikum zur Linderung der akuten Schmerzen. Allerdings gibt es Hinweise, dass das Schmerzmittel die Aufnahme und Wirkung der Plättchenhemmer Clopidogrel, Ticagrelor und Prasugrel beeinträchtigen könnte. In dem CRUSADE-Register ging der Einsatz des Schmerzmittels bei NSTEMI-Patienten sogar mit einem erhöhten Sterberisiko und einer schlechteren Prognose einher.

Aufgrund dieser Sicherheitsbedenken wurde die i.v.-Gabe von Opioden in den aktuellen ESC- und AHA-Leitlinien von einer ursprünglichen Klasse I- auf eine Klasse IIa-Empfehlung  herabgestuft.

In der aktuellen Analyse von Bonin und Kollegen ließ sich eine entsprechende Gefährdung durch Morphin nicht bestätigen. Von den 696 in der CIRCUS-Studie eingeschlossenen STEMI-Patienten hatte mehr als die Hälfte (57,1%) vor der perkutanen Koronarintervention ein Morphin bekommen.

Morphin bei STEMI-Patienten unbedenklich

Eine schlechtere Prognose hatten diese Patienten deshalb nicht, obwohl sie tendenziell eher kränker waren als die Teilnehmer, bei denen keine Schmerzmittel verwendet worden war.  Schwere kardiovaskuläre Ereignisse wie erneute Infarkte, unstabile Angina, kardiogener Schock oder Schlaganfälle sowie kardiovaskulär bedingte Todesfälle (MACE) traten ähnlich häufig auf (26,2 vs. 22,0%). Das Sterberisiko war nicht erhöht (5,3 vs. 5,8%).

Somit scheine von Morphin kein Sicherheitsrisiko bei STEMI-Patienten auszugehen, resümieren Bonin und Kollegen. Definitiv besiegeln möchten sie die Sicherheit des Analgetikums in dieser Indikation trotzdem nicht. So ging der Einsatz des Schmerzmittels in der aktuellen Analyse bei Betrachtung der einzelnen Endpunkte mit einem tendenziellen, aber nicht signifikanten Anstieg erneuter Herzinfarkte und der Herzinsuffizienz-Rate  einher. Endgültig Sicherheit könne nur hier nur eine placebokontrollierte Studie geben, deren Durchführung aufgrund ethischer Bedenken unmöglich sei.

Es gibt keine wirkliche Alternativen

Im gleichen Zuge machen die Autoren deutlich, dass es bei der Schmerzbehandlung von Herzinfarkt-Patienten derzeit keine wirkliche Alternative zu Morphin gebe. Der einzige neue Ansatz, der momentan untersucht werde, sei die Behandlung mit einem Gasgemisch aus Lachgas und Sauerstoff  (MEOPA) in Kombination mit Paracetamol. Ob sich damit die Schmerzen der Infarktpatienten genauso wirksam behandeln lassen wie mit Morphin, wird   derzeit in der SCADOLII-Studie untersucht.

Als „nicht akzeptabel“ bezeichnen die französischen Wissenschaftler, dass in der CIRCUS-Studie 42,7% der Patienten überhaupt kein Schmerzmittel erhalten haben. Das bedeute, dass die Schmerzen vieler Patienten wahrscheinlich nicht adäquat behandelt worden seien. Die Schmerzbehandlung sollte in der medizinischen Versorgung jeglicher Patienten eine hohe Priorität einnehmen, betonen Bonin und Kollegen.

Literatur

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