Skip to main content
main-content

29.01.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Deutscher Herzbericht 2015

Angeborene Herzfehler: Immer mehr Säuglinge überleben

Autor:
Dr. Ulrike Fortmüller

Die Sterblichkeit von Kindern mit angeborenen Herzfehlern ist weiter gesunken. Bei Säuglingen ging sie seit 1990 sogar um 71 Prozent zurück. Grund dafür sind medizinische und technische Fortschritte.

Angeborene Herzfehler sind die häufigste angeborene Fehlbildung überhaupt. Denn jedes 100ste Baby in Deutschland kommt mit einem Herzfehler zur Welt, das sind über 6.500 Kinder im Jahr. Hospitalisiert werden deshalb überwiegend Neugeborene und Kinder im ersten Lebensjahr, erklärte Prof. Dr. Brigitte Stiller, Kinderkardiologin in Freiburg-Bad Krozingen und 1. Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie (DGPK) im Rahmen der Pressekonferenz zum Deutschen Herzbericht 2015 in Berlin.

Höhere Überlebensraten durch medizinische Fortschritte

Der Rückgang der Sterblichkeit bei angeborenen Herzfehlern ist im Vergleich zu Sterbeziffern bei anderen Herzproblemen prozentual der höchste. Denn die Sterbeziffer sank in den vergangenen 24 Jahren von 1,5 auf 0,5 und liegt jetzt für Jungen bei 0,7 und für Mädchen bei 0,5. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes starben 2013 von 21.396 stationären Fällen 491 der Betroffenen (2 Prozent), das waren 60 Prozent weniger als 1990, in der Gruppe der Säuglinge waren es sogar 71 Prozent weniger.

Grund für die niedrigeren Sterberaten sind in erster Linie die bessere Bildgebung (Echo, CRT, CT), schonendere OP-Verfahren, verbesserte Intensivmedizin, schonende Hybrideingriffe und innovative Herzkatheterinterventionen. Zum Beispiel sind mittlerweile miniaturisierte 4-French-Kathetersysteme und mitwachsende Stents verfügbar. Die Anzahl der Herzkatheterinterventionen nimmt zu und die Zeiten an der Herz-Lungen-Maschine werden kürzer.

Gute Versorgungsstruktur

Auch die gute Versorgungsstruktur hierzulande spielt eine wichtige Rolle: Es gibt in Deutschland 30 Kinderherzzentren, die invasive Behandlungen durchführen, 67 Kinderkliniken mit 77 Kinderkardiologen stehen für konservative Eingriffe und Langzeitbehandlungen zur Verfügung und 171 niedergelassene Kinderkardiologen arbeiten in eigenen Praxen.

2014 fanden bei Kindern mit angeborenen Herzfehlern in spezialisierten Kliniken 8.565 Herzkatheteruntersuchungen (davon 60 Prozent mit Intervention) statt. Die Operationszahl betrug 7.923, darunter waren 5.779 kardiale Eingriffen, von denen 82 Prozent mit Herz-Lungen-Maschine erfolgten, die anderen betrafen meist große Gefäße.

Zunehmende Zahl von Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern

Weil sich die Lebenserwartung der Kinder stark verbessert hat, gibt es immer mehr Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern (EMAH), nämlich etwa 200.000. Zur Zeit können diese Patienten 15 überregionale EMAH-Zentren und 284 zertifizierte Ärzte aufsuchen. Stiller sieht in den nächsten Jahren bei der Verbesserung der Versorgungssituation aber noch Handlungsbedarf.

Wichtig wird künftig für die Kinderkardiologie auch sein, ein Pulsoxyscreening bei Neugeborenen zu etablieren, die Qualitätssicherung der Eingriffe durch den G-BA, mehr Arzneimittelstudien und Zulassungen für Medikamente (über die Hälfte der bei Kindern eingesetzten Herzmedikamente sind dafür nicht zugelassen!), freie Arztwahl für EMAH-Patienten und genügend spezialisiertes Pflegepersonal, erklärte Stiller.

Der Herzbericht 2015 ist als PDF kostenfrei unter www.herzstiftung.de/herzbericht erhältlich. Ein gedrucktes Exemplar kann angefordert werden bei der Deutschen Herzstiftung, Tel. 069 955128-400, E-Mail presse@herzstiftung.de

Literatur

Das könnte Sie auch interessieren

07.01.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Einfache angeborene Herzfehler mit Spätfolgen?

29.01.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Große Erfolge bei Kindern mit angeborenen Herzfehlern