Nachrichten 30.07.2019

Krebsrisiko bei angeborenen Herzfehlern deutlich erhöht

Kinder, die mit einem Herzfehler auf die Welt kommen, entwickeln bis zu ihrem 40. Lebensjahr mehr als doppelt so häufig Tumore als herzgesunde Gleichaltrige. Besonders gefährdet sind Patienten mit konotrunkalen Defekten.

Patienten mit angeborenen Herzkrankheiten erkranken im Laufe ihres Lebens deutlich häufiger an Krebs. Lange Zeit nahm man an, dass die Hauptursache die wiederholte Strahlenbelastung in jungen Jahren ist. Diskutiert wurde neben einer gewissen genetischen Prädisposition auch die erhöhte Stressbelastung, der diese Kinder und Jugendlichen ausgesetzt sind.

In einer prospektiven schwedischen Registerstudie wurden knapp 22.000 Menschen mit kongenitalen Herzfehlern in drei Jahrgangs-Kohorten eingeteilt. Diese bestanden aus Schweden der Geburtsjahrgänge 1970 bis 1979, 1980 bis 1989 und 1990 bis 1993. Jeder dieser Patienten wurde mit rund zehn - bezüglich Alter und Geschlecht gematchten -Kontrollpersonen ohne Herzfehler verglichen.

Im Alter von 41 hat jeder 50. einen Tumor entwickelt

Das Durchschnittsalter lag zum Zeitpunkt der Auswertung bei rund 27 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt hatten 0,9 Prozent der Kontrollpersonen einen Tumor entwickelt. Bei den Teilnehmern mit Herzfehlern lag der Prozentsatz mit 2 Prozent mehr als doppelt so hoch. Im Alter von 41 Jahren war unter den Teilnehmern der ältesten Kohorte bereits bei jedem 50. Teilnehmer mit Herzfehler ein Tumor diagnostiziert worden. Die Hazard Ratio für Krebs betrug im Vergleich zu den Kontrollen 2,24 (95% CI, 2,01 bis 2,48).

Dieses Risiko erhöhte sich mit jeder nachfolgenden Geburtskohorte auf eine HR von 3,37 (95% CI, 2,60 bis 4,35) unter den von 1990 bis 1993 Geborenen. Zwischen Männern und Frauen bestand diesbezüglich kein Unterschied. Das höchste Tumorrisiko wiesen Patienten mit Herzfehlern im Bereich des rechten oder linken Ausflusstraktes sowie der großen Arterien, also mit konotrunkalen Defekten auf.

Strahlenbelastung nur eine von mehreren Ursachen

Die Autoren gehen davon aus, dass die Exposition gegenüber ionisierenden Strahlen nur eine unter mehreren Erklärungen für das gehäufte Auftreten von Tumoren ist. Sie erklären sich das erhöhte Tumorrisiko mit der geringeren körperlichen Aktivität von Menschen mit Herzfehlern, ihrer damit verbundenen schlechteren Muskelfunktion und geringeren Sauerstoffaufnahme.

Die American Cancer Society betont, dass neben einer gesunden Ernährung auch körperliche Aktivität einen hohen protektiven Effekt auf die Entwicklung von Tumoren hat. Eine Studie von Keum et al. kommt zudem zu dem Schluss, dass mangelnde Bewegung vor allem die Rate an Tumoren im Verdauungstrakt erhöht. Interessanterweise tritt Krebs bei den Patienten mit angeborenen Herzfehlern vor in diesem Bereich gehäuft auf.

Motivierung zu gesundem Lebensstil mit ausreichend Bewegung

Was die unterschiedlichen Inzidenzraten in den drei Geburtskohorten betrifft, vermuten die Autoren, dass die älteren Teilnehmer der Jahrgänge 1070 bis 1979 vermutlich aufgrund ihrer Herzprobleme und früherer schlechterer medizinischer Bedingungen nicht lange genug gelebt haben, um einen Tumor zu entwickeln. Von denjenigen mit Herzfehlern, die ab 1990 geboren wurden, erreichten 96 Prozent das Erwachsenenalter.

Um hier klare Aussagen treffen zu können sind weitere Studie nötig. Bis definitiv feststeht, warum junge Menschen mit angeborenen Herzfehlern häufiger Tumore entwickeln, sollten neben einer zurückhaltenden Strahlenexposition die Betroffenen zu einem gesunden Lebensstil mit gesunder Ernährung und ausreichend Bewegung motiviert werden.

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Bildnachweise
DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt
Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018/© DGK 2018
Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018/© DGK