Nachrichten 21.07.2021

So lässt sich die Überlebensrate von Patienten mit Herzfehlern steigern

Deutschland verfügt über eine gut etablierte, spezialisierte Versorgung für Menschen mit angeborenen Herzfehlern. Doch bei vielen Patienten kommt diese gar nicht erst an, zeigt eine große Analyse.

Die Lebenserwartung von Patienten mit angeborenen Herzfehlern nimmt zu. Trotz Behandlungen im Kindesalter leiden viele weiterhin an Komplikationen und benötigen lebenslang eine spezialisierte kardiologische Versorgung. Es gibt jedoch noch wenig Daten dazu, wie diese in der Praxis funktioniert. Ein Forscherteam vom Universitätsklinikum Münster fand jetzt heraus, dass eine bessere Anbindung dieser Patienten an die Versorgungsstrukturen die Morbiditäts- und Mortalitätsraten verringern könnte.

Für die Studie nutzten die Forscher um Prof. Gerhard-Paul Diller Daten einer der größten deutschen Krankenkassen. Dort waren mehr als 24.000 Erwachsene unter 70 Jahren mit angeborenen Herzfehlern versichert. Bei diesen sog. EMAH-Patienten ermittelten die Mediziner, ob sie ausschließlich vom ihrem Hausarzt betreut wurden oder zusätzlich kardiologische Nachsorge erhielten. Anschließend untersuchten sie mögliche Zusammenhänge zwischen Versorgungsgrad und Prognose der Betroffenen. Diese waren im Schnitt 43 Jahre alt und zu 55% weiblich.

Geringere Sterberate bei kardiologischer Betreuung

Nur rund 50% der Patienten wurden während der dreijährigen Nachbeobachtungszeit kardiologisch nachuntersucht. 49% wurden lediglich von ihrem Hausarzt betreut und 1% hatte keinen Kontakt zu beiden Ärzten. Die Berechnungen der Forscher um Diller ergaben, dass die Personen mit kardiologischer Nachsorge verglichen mit den nur hausärztlich betreuten ein signifikant um 19% niedrigeres Sterberisiko hatten. Zudem war ihr Risiko für schwere Ereignisse signifikant um 15% geringer. Nach drei Jahren beobachtete das Forscherteam eine absolute Risikodifferenz von 0,9% für die Mortalität bei Patienten mit mittelschweren oder schweren komplexen Läsionen in kardiologischer Nachsorge im Vergleich zu denjenigen, die von Hausärzten versorgt wurden.

Obwohl die Leitlinien eine regelmäßige kardiologische Nachsorge für erwachsene Patienten mit angeborenen Herzfehlern klar empfehlen, zeigt die Studie, dass nur rund die Hälfte von ihnen sie auch erhält. „Erschreckenderweise standen fast alle Patienten während des Studienzeitraums in Kontakt mit ihrem Hausarzt, was darauf hindeutet, dass Möglichkeiten für eine Überweisung zum Kardiologen bestanden, aber verpasst wurden“, geben Diller und Kollegen zu bedenken. Es sei allerdings auch nicht auszuschließen, dass einige Personen den Rat ihres Hausarztes ignorierten.

Experten plädieren für mehr Aufklärung

Dass die kardiologische Versorgung dieser Patienten tatsächlich mit einem signifikanten Überlebensvorteil und einer geringeren Rate schwerer Komplikationen assoziiert gewesen sei, verstärke den Handlungsbedarf, so die Mediziner um Diller. Es seien weitere Anstrengungen notwendig, um Hausärzte und Patienten auf eine angemessene Behandlung durch Spezialisten aufmerksam zu machen.

Literatur

Diller G et al. Lack of specialist care is associated with increased morbidity and mortality in adult congenital heart disease: a population-based study. European heart Journal 2021. https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehab422

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