Nachrichten 02.08.2016

Infektiöse Endokarditis ist bei Ventrikelseptumdefekt nicht selten

Patienten mit kleinem, unbehandeltem Ventrikelseptumdefekt haben ein deutlich erhöhtes Risiko für infektiöse Endokarditiden. Das zeigen Daten des SWEDCON-Registers für angeborene Herzerkrankungen.

Das schwedische SWEDCON-Register ist ein umfangreiches nationales Register für angeborene Herzfehler, das derzeit rund 50.000 Patienten umfasst. Für eine jetzt in der Zeitschrift Heart publizierte Auswertung wurden 779 erwachsene Patienten mit angeborenem Ventrikelseptumdefekt (VSD) identifiziert, von denen 531 nicht interventionell behandelt worden waren, weil der Shunt nur klein und nicht hämodynamisch relevant war. Bei den übrigen 248 Patienten war der VSD in der Kindheit verschlossen worden.

Anhand des Nationalen Patientenregisters in Schweden wurde daraufhin untersucht, welche dieser Patienten über einen Zeitraum von zehn Jahren mit der Entlassdiagnose „infektiöse Endokarditis“ hospitalisiert worden waren. Dies war bei 16 Patienten der Fall, die zum Zeitpunkt der Herzklappenerkrankung zwischen 34 und 58 Jahre alt waren. 13 dieser Patienten hatten einen offenen VSD, der nie operiert worden war.

Daraus errechnet sich für Patienten mit kleinem, nicht operiertem VSD eine Endokarditis-Inzidenz von etwa zwei bis drei pro eintausend Patientenjahre. Dies seit 20 bis 30 Mal so hoch wie in der gesunden Allgemeinbevölkerung, so die Autoren.

Ein interventioneller Eingriff scheint dieses Risiko zu reduzieren. Zumindest hatte in der schwedischen Kohorte kein einziger der operierten Patienten mit isoliertem VSD eine infektiöse Endokarditis. Die drei operierten Patienten, die eine infektiöse Endokarditis entwickelten, wiesen neben dem VSD weitere (Herzklappen-)Anomalien auf: Bei zweien war im Zuge der VSD-Reparatur auch noch ein Aortenklappenersatz erfolgt, und bei einem lag eine bikuspide Aortenklappe vor.

Literatur

Berglund E et al. High incidence of infective endocarditis in adults with congenital ventricular septum defect. Heart 2016. 21. Juli 2016. Doi: 10.1136/heartjnl-2015-309133

Highlights

Jetzt wieder: Herzkongress mit wöchentlichen Vorträgen

Der DGK.Online-Kongress 2021 geht weiter: Jede Woche von 18:00–19:30 Uhr erwarten Sie spannende Live-Vorträge aus der Herz-Kreislauf-Medizin, viele davon CME-zertifiziert. Nehmen Sie teil und sammeln Sie live CME-Punkte!

Corona, COVID-19 & Co.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Myokarditis-Fälle nach COVID-19-Impfung – sollten Kardiologen beunruhigt sein?

In Israel und anderen Staaten wurden Myokarditis-Fälle bei jungen Menschen gemeldet, die mit einer COVID-19-mRNA-Vakzine geimpft worden sind. Ein Kardiologe aus Deutschland ist deshalb nicht besonders beunruhigt – wenngleich er rät, wachsam zu sein.

Metaanalyse zeigt: Das bringen Notfalltherapien bei NOAK-bezogenen Blutungen

Im Fall von schwerwiegenden Blutungen unter Antikoagulation mit NOAK kann es notwendig erscheinen, die gerinnungshemmende Wirkung rasch aufzuheben. Welche klinischen Ergebnisse mit den dafür verfügbaren Notfalltherapien erzielt werden, verdeutlicht eine neue Metaanalyse.

Neuer ESC-Kalkulator zur kardiovaskulären Risikovorhersage

Üblicherweise schätzen Ärzte hierzulande das kardiovaskuläre Risiko eines Patienten über den SCORE-Kalkulator ein. Nun hat die ESC das Modell aktualisiert – um damit eine differenziertere Risikovorhersage zu gewährleisten.

Aus der Kardiothek

Patientin mit einem thorakalen Schmerzereignis – wie lautet Ihre Diagnose?

Lävokardiografie (RAO 30°-Projektion) einer 54-jährigen Patientin nach einem thorakalen Schmerzereignis. Was ist zu sehen?

Patientin mit passagerer Hemiparese – wie lautet Ihre Diagnose?

Transthorakale Echokardiographie mit Darstellung eines apikalen 4-Kammer Blicks einer Patientin mit passagerer Hemiparese.  Was ist zu sehen?

Status quo DMP KHK/Herzinsuffizienz – was Sie wissen müssen

Die Anforderungsrichtlinie für das Disease Management Programm (DMP) wurde gerade erst aktualisiert. Dr. Martin Dürsch erklärt, was es mit den Änderungen auf sich hat und wie sich die DMP Herzinsuffizienz im Alltag umsetzen lässt.

DGK.Online 2021/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Laevokardiographie (RAO 30° Projektion)/© M. Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Transthorakale Echokardiographie/© Daniel Bittner, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
kardiologie @ home/© BNK | Kardiologie.org