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10.03.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Persistierende Symptome

Angina pectoris trotz Stent: Frauen häufiger betroffen

Autor:
Peter Overbeck

Koronarstents sollen helfen, Brustschmerzen infolge Koronarstenosen zu beseitigen. Doch nicht selten persistieren pektanginöse Beschwerden trotz Stent-Implantation. Bei Frauen kommt dies anscheinend viel häufiger vor als bei Männern.

Von den Frauen, die zuvor einen Koronarstent erhalten hatten, litten im erstem Jahr nach der Behandlung 16,3 Prozent weiterhin unter klinisch relevanten Angina-pectoris-Beschwerden, die entweder während normaler Alltagsaktivitäten oder schon in Ruhe auftraten. Bei Männer war der entsprechende Anteil mit 10,5 Prozent signifikant niedriger. Auch nach zwei Jahren zeigte sich bezüglich weiterhin bestehender Symptome ein signifikanter Unterschied zu Ungunsten von mit Koronarstents versorgten Frauen (17,2 vs. 11,1%).

Daten von 3202 Patienten analysiert

Zu diesem Ergebnis gelangten niederländische Untersucher nach einer Analyse der klinischen Daten von 3.202 Patienten mit Stent-Implantation. Die Gruppe um Dr. Clemens von Birgelen von der Universität Twente hat dafür gepoolte individuelle Patientendaten aus zwei randomisierten Studien (TWENTE, DUTCH PEERS) herangezogen, in denen jeweils ein Drug-eluting Stent (DES) modernen Typs (Everolimus- bzw. Zotarolimus-freisetzender Stent) verwendet worden war. An diesen Studien waren 871 Frauen (27,2%) beteiligt.

Die Gruppen der männlichen und weiblichen Studienteilnehmer unterschieden sich hinsichtlich vieler Variablen: Frauen waren im Schnitt älter als Männer, bei ihnen waren kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Hypertonie, Diabetes und positive Familienanamnese zudem häufiger anzutreffen als bei Männern. Doch auch nach Adjustierung für bestehende Ungleichgewichte blieb weibliches Geschlecht ein unabhängiger Prädiktor für persistierende Brustschmerzen nach Stenting.

Gleichheit bei der Rate kardiovaskulärer Ereignisse

In einem Punkt unterschieden sich beide Geschlechter jedoch nicht: Nach zwei Jahren waren die Gesamtraten für die klinischen Ereignisse Tod, Myokardinfarkt und koronare Revaskularisationen mit 14,8 Prozent (Frauen) und 14,2 Prozent (Männer) annähernd gleich.

Die Studienautoren vermuten deshalb, dass die bei Frauen vermehrt beobachteten pektanginösen Symptome größtenteils nicht auf Stenosen in epikardialen Koronararterien, sondern auf andere Mechanismen zurückzuführen sein müssen. Sie erinnern daran, dass relevante obstruktive Läsionen in epikardialen Koronararterien bei Frauen mit Koronarsklerose generell seltener gefunden werden als bei Männern mit KHK - und das, obwohl sie häufiger als Männer unter Angina pectoris leiden.

Ist mikrovaskuläre Dysfunktion der Grund?

Für von Birgelen und seine Kollegen liegt deshalb der Verdacht nahe, dass hinter den häufigeren Beschwerden vor allem eine mikrovaskuläre Dysfunktion steckt, deren Prävalenz bei Frauen höher sei als bei Männern. In ihrer Studie selbst fehlt jedoch der direkte Nachweis entsprechender Störungen bei Frauen mit persistierenden Symptomen. Somit bleibt es bei einer hypothetischen Erklärung, die noch verifiziert werden muss.

Literatur

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