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26.09.2016 | Angiologie | Nachrichten

Effektivität bestätigt

Bauchaortenaneurysma: Flächendeckendes Screening verhindert viele Todesfälle

Autor:
Veronika Schlimpert

Allen Männern über 65 Jahren wird in Deutschland ein Bauchaortenaneurysma-Screening empfohlen. Diese Empfehlung wird nun durch die Ergebnisse einer Schwedischen Registerstudie gestützt.

Die Sterblichkeit des rupturierten Bauchaortenaneurysmas (BAA) ist hoch, sie liegt bei bis zu 80%. Dies liegt u. a daran, dass diese im Alter häufig vorkommende Erkrankung meist asymptomatisch bleibt und daher zu spät entdeckt wird. Screening-Programme sollen die Behandlung der Erkrankung früher ermöglichen und damit unnötige Todesfälle verhindern. Dass diese Maßnahme offensichtlich sehr effektiv ist, hat nun eine Schwedische Registerstudie offenbart.

Screening für alle Männer ab 65 Jahren

In Schweden wurde im Jahr 2006 ein flächendeckendes BAA-Screening-Programm für alle Männer in einem Alter über 65 Jahre etabliert. Auch in Deutschland wird mittlerweile dieselbe Strategie gefahren. In den USA hingegen wird spezifisch vorgegangen, dort wird eine solche Ultraschalluntersuchung nur für Männer mit gewissen Risiken wie Rauchen empfohlen. 

Hohe Akzeptanz in der Bevölkerung

Die Ergebnisse aus dem Schwedischen Register legen nun nahe, dass ein flächendeckendes Screening einfach, mit wenigen Kosten und kosteneffizient etabliert werden kann. Die Akzeptanz der Bevölkerung ist dabei ziemlich hoch: Immerhin haben 84% der in Schweden zwischen 2006 und 2014 eingeladenen Männern an dem Screening tatsächlich teilgenommen. 

Die Prävalenz des BAA lag bei 1,5%, jährlich wurden etwa 650 Fälle diagnostiziert. 29% der Betroffenen wurden während des mittleren Follow-ups von 4,5 Jahren offen operiert oder endovaskulär therapiert; die 30-Tages-Mortalität betrug entsprechend 1,3% und 0,3%. 

Sterblichkeit um knapp 40% reduziert

Die Sterblichkeit des BAA wurde in dieser Zeit merklich gesenkt: von 74 Fällen pro 100.000 Personen im Jahr 2000 auf 45/100.000 im Jahr 2014, was einer Reduktion von 39% entspricht. In jedem Jahr, seitdem das Screening etabliert worden war, ist die Mortalität schätzungsweise um im Mittel 4% zurückgegangen, wie eine Berechnung der Studienautoren um Anders Wanhainen von der Universität in Uppsala ergibt. 

Letztlich ließen sich durch das Screening schätzungsweise 90 Todesfälle pro Jahr in Schweden verhindern und 577 qualitätsadjustierte Lebensjahre gewinnen, bei einer Gesamtbevölkerung von 9,5 Millionen. 

NNT von 1,5

In Zahlen ausgedrückt: 667 Männer müssen gescreent, um einen vorzeitigen Todesfall aufgrund eines BAA zu verhindern. Nur drei Personen mit einem durch das Screening diagnostizierten BAA müssten behandelt werden, um zwei Todesfälle zu vermeiden (Number Needed To Treat: 1,5). 

Screening ist kosteneffizient

In einer Kosten-Nutzen- Rechnung ergeben sich dadurch Ausgaben von 7770 Euro pro qualitätsadjustiertes Lebensjahre. Die jährlichen Kosten für das Screening-Programm schätzten die schwedischen Wissenschaftler auf 12.620.000 Euro im Vergleich zu 8.140.000 Euro, die für ein spezifischeres Vorgehen anfallen würden.

Liegt der Mortalitäts-Rückgang wirklich am Screening?

Die Verbesserungen, die seit Etablierung des Screening-Programmes bzgl. der Sterblichkeit des BAA erreicht worden seien, könnten natürlich auch durch andere Faktoren bedingt sein, etwa durch einen generellen Rückgang der Prävalenz, vermehrten Einsatz endovaskulärer Verfahren, erhöhten Lebenserwartung usw., verweisen die Studienautoren in der entsprechenden Publikation in Circulation.

Allerdings habe sich in dieser Zeit die Mortalität durch ischämische Herzerkrankungen und Tumorerkrankungen kaum verändert. Und selbst bei einem Rückgang der Prävalenz auf unter 0,5% bleibe das Bauchaortenaneurysma-Screening einer Modellrechnung zufolge kosteneffektiv, schreiben sie. 

Zudem ist das perioperative Risiko sehr gering: Nur ein bis zwei aller gescreenter Männer sind den Studienautoren zufolge durch die elektive Operation verstorben.

Auf den Einwand, dass ein solches Screeningprogramm in einer Übertherapie des Bauchaortenaneurysma münden könnte, entgegen sie: „Mit einer Reparaturrate von bis zu 40% und einer NNT von 1,5 werden mindestens ein Viertel aller Patienten mit einem durch ein Screening diagnostizierten Bauchaortenaneurysmas als Konsequenz länger leben.“  

Literatur

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