Nachrichten 17.07.2018

Transsexuelle haben ein erhöhtes Thrombose-Risiko

Transfrauen haben einer Studie zufolge ein erhöhtes Risiko für Thromboembolien und Schlaganfälle. Die Studienautoren führen das auf die gegengeschlechtliche Hormontherapie zurück – wobei die sich anders auszuwirken scheint wie eine Hormonersatztherapie bei Frauen in der Menopause.

Eine Hormontherapie birgt für Transfrauen offenbar ein Thromboserisiko, wie sich in  einer großen Kohortenstudie herausgestellt hat. Doch die Auswirkungen scheinen sich anders zu äußern wie bei einer Hormonersatztherapie, die Frauen in der Menopause erhalten.

Zur Begrifflichkeit: Als Transfrauen werden Menschen bezeichnet, denen bei der Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen wurde, die sich damit aber nicht identifizieren können. Im umgekehrten Fall spricht man von Transmännern.

Risiken der Hormontherapie im Blick behalten

Wenn sich die Ergebnisse in weiteren Studien bestätigen lassen, sei es womöglich angebracht, bei Transfrauen, die eine Östrogen-Behandlung erhalten, auf die damit einhergehenden vaskulären Nebenwirkungen besonders zu achten, lautet das Fazit der US-amerikanischen Wissenschaftler. Gleichzeitig betonen sie aber, dass man bei Transgendern die Vorteile einer solchen Therapie gegen die potenziellen Risiken abwägen sollte.  Eine placebokontrollierte Studie zu dieser Problematik halten sie rein aus ethischen Gründen für nicht durchführbar.

Die US-amerikanischen Wissenschaftler haben deshalb auf elektronische Krankendaten von knapp 5.000 Transgender-Patienten zurückgegriffen (2.842 Transfrauen und 2.118 Transmänner). 

Das Risiko für venöse Thromboembolien (VTE) war bei den Transfrauen deutlich höher als für nach Alter, Herkunft, Datum und Ort der Behandlung gematchte männliche wie auch weibliche Kontrollpatienten (Hazard Ratio, HR: 1,9 bzw. 2,0). Auch das Schlaganfallrisiko war leicht erhöht (HR: 1,2 bzw. 1,9).

Anderes Risiko wie bei Hormonersatztherapie

Besonders gefährdet waren Transfrauen, bei denen eine Hormontherapie initiiert worden war (HR: 3,2 vs. Männer und 2,5 vs. Frauen). Die Studie zeige somit, dass eine gegengeschlechtliche Östrogentherapie ein Risikofaktor für VTE und wahrscheinlich auch für Schlaganfälle sei, resümieren die Studienautoren.

Das VTE-Risiko stieg aber erst zwei Jahre nach Therapiebeginn an und blieb dann für weitere fünf bis sechs Jahre erhöht. Dagegen sei ein Risikoanstieg bei Frauen, die in der Menopause Östrogene erhalten, bereits kurz nach Therapiebeginn zu beobachten und lasse mit der Zeit wieder nach, berichten Prof. Darios Getahun und Kollegen. Sie weisen darauf hin, dass das Risiko einer Hormontherapie von der Applikationsweise und Dosierung abhänge. Beispielsweise konnte in Studien mit Patientinnen in der Menopause nur für die orale Östrogengabe ein signifikant erhöhtes Thromboserisiko belegt werden, nicht aber für die transdermale/perkutane Applikation.

Für Transmänner ergab sich in dieser Analyse kein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko, wobei Herzinfarkte bei Patienten mit einer Testosteron-Therapie zumindest zahlenmäßig häufiger aufgetreten waren. Laut der Autoren wurde die statistische Signifikanz möglicherweise aufgrund der geringen Fallzahl verfehlt.

Literatur

Getahun, D, Nash R, Flanders D et al. Cross-sex Hormones and Acute Cardiovascular Events in Transgender Persons. A Cohort Study. Ann Intern Med. 2018 doi:10.7326/M17-2785