Onlineartikel 21.11.2014

Angiotensin-Neprilysin-Inhibitor bremst Herzschwächeprogression

Eine kombinierte Angiotensin- und Neprilysin-Hemmung verbessert bei systolischer Herzinsuffizienz nicht nur die Überlebensaussichten. Sie verzögert auch die Progression der Herzerkrankung.

In der medikamentösen Therapie der systolischen Herzinsuffizienz deutet sich eine wesentliche Verbesserung an. Bisher waren ACE-Hemmer, Betablocker, Aldosteron-Antagonisten und – bei hoher Herzfrequenz – Ivabradin die Medikamente, die jedes für sich einen prognostischen Nutzen nachweisen konnte.

Deutlicher prognostischer Vorteil

Die anlässlich ESC-Jahreskongress 2014 erstpublizierte PARADIGM-HF-Studie hatte ergeben, dass die Kombination des Neprilysin-Inhibitors Sacubitril mit Valsartan („LCZ696“) dem ACE-Hemmer Enalapril überlegen ist: Sie reduzierte das relative Risiko für kardiovaskulär bedingte Todesfälle plus Krankenhauseinweisungen wegen Herzinsuffizienz (primärer Endpunkt) gegenüber dem ACE-Hemmer um 20% (21,8 vs. 26,5%).
Auch das relative Sterberisiko wurde signifikant um 16% gesenkt (711 vs. 835 Fälle, 17 vs. 19,8%). Aufgrund der deutlich besseren Wirksamkeit der Kombination war die Studie nach einer medianen Behandlungszeit von 27 Monaten vorzeitig abgebrochen worden.

Weniger Symptome, bessere Lebensqualität

Der Glasgower Kardiologe Prof. John McMurray stellte jetzt bei der Jahrestagung der American Heart Association 2014 in Chicago neue Studienanalysen zur Krankheitsprogression vor, die zeitgleich in der Zeitschrift Circulation publiziert wurden. 

Er präsentierte Daten zur Symptomatik der Herzschwäche, die bei den überlebenden Patienten mit Hilfe des „Kansas City Cardiomyopathy Questionnaire“ (KCCQ) regelmäßig erhoben wurden. Diese zeigten in allen Parametern, von der körperlichen Einschränkung über die Beschwerdelast bis zur Lebensqualität, einen signifikanten Vorteil für das neue Medikament.

Reduziertes Risiko für einer Verschlechterung der Herzerkrankung

Patienten der LCZ696-Gruppe mussten signifikant seltener als jene der Enalapril-Gruppe ihre Herzmedikation intensivieren (RR: 16%), sie wurden seltener in Notambulanzen vorstellig (RR: 30%), seltener hospitalisiert (RR: 23%) und im Krankenhaus seltener Intensivmedizin-pflichtig (RR: 18%). Die Implantation ventrikulärer Assistenzsysteme blieb den Patienten der LCZ696-Gruppe häufiger erspart als jenen der Enalapril-Gruppe. Für Biomarker, welche auf Wandstress und Myokardschäden hinweisen, wurden in der LCZ696-Gruppe ebenfalls signifikant niedrigere Werte gemessen, berichtete McMurray.
Im „Prospective Comparison of ARNI with ACEI to Determine Impact on Global Mortality and morbidity in Heart Failure“ war LCZ696 mit 400 mg/d und Enalapril mit 20 mg/d dosiert worden. Die Studie hatte bei 8399 Patienten mit systolischer Herzschwäche (EF im Schnitt bei 29%) die beiden Medikamente, zusätzlich zu einer optimalen Standardtherapie, verglichen. Die Verträglichkeit des neuen Medikamentes war gut, aufgrund von Nebenwirkungen wurde die Therapie seltener abgebrochen als diejenige mit Enalapril.  

Literatur

Jahrestagung der American Heart Association (AHA) vom 15.-19.11.2014 in Chicago.

Packer M et al. Angiotensin Receptor Neprilysin Inhibition Compared With Enalapril on the Risk of Clinical Progression in Surviving Patients With Heart Failure. Circulation. 2014 Nov 17. doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.114.013748