Onlineartikel 05.03.2016

Antidiabetika: Auch Liraglutid reduziert kardiovaskuläre Ereignisse

Mit Liraglutid sorgt jetzt ein weiteres Antidiabetikum für Aufsehen, weil es das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse nachweislich reduziert. Diesen Nachweis hat, wie jetzt bekannt wurde, die LEADER-Studie erbracht.

Es sind sogenannte „Topline“-Ergebnisse, über die das Unternehmen Novo-Nordisk als Hersteller von Liraglutid und Sponsor der LEADER-Studie (Liraglutide Effect and Action in Diabetes: Evaluation of Cardiovascular Outcome Results - A Long Term Evaluation) die Öffentlichkeit jetzt informiert. Dementsprechend werden nur grundsätzliche, aber noch keine detaillierten Auskünfte über den Ausgang dieser großen klinischen Studie gegeben.

Primärer Studienendpunkt wurde erreicht

In der 2010 gestarteten LEADER-Studie ist die kardiovaskuläre Sicherheit des GLP-1-Analogons Liraglutid (Victoza®) bei 9340 Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes und erhöhtem kardiovaskulären Risiko über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren untersucht worden. Die Teilnehmer der Studie wurden dabei zusätzlich zu einer Standardtherapie entweder mit Liraglutid oder Placebo behandelt. Der primäre kombinierte Endpunkt setzte sich aus den Ereignissen kardiovaskulärer Tod, nicht-tödlicher Herzinfarkt und nicht-tödlicher Schlaganfall zusammen.

Die Studie hat ihren primären Studienendpunkt erreicht, indem sowohl die Nicht-Unterlegenheit als auch die Überlegenheit von Liraglutid nachgewiesen werden konnte, informiert Novo Nordisk aktuell in einer Pressemitteilung. Will heißen: Durch Behandlung mit dem GLP-1-Analogon konnte die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse statistisch signifikant im Vergleich zu Placebo reduziert werden. Darüber hinaus wird derzeit nur verraten, dass das Risiko für alle drei Komponenten des primären kombinierten Endpunkts verringert wurde. Das Sicherheitsprofil von Liraglutid in der LEADER-Studie habe dem bereits in anderen Studien gezeigten Profil entsprochen.

Die detaillierten Ergebnisse der Studie sollen bei den „76th Scientific Sessions“ der American Diabetes Association (ADA) im Juni 2016 in New Orleans präsentiert werden.

Auch Empagliflozin erfolgreich

Liraglutid ist bereits das dritte Antidiabetikum, das in jüngster Zeit protektive Effekte auf kardiovaskuläre Ereignisse offenbart hat. Im September 2015 sind die Ergebnisse der EMPA-REG-Studie bekannt geworden. Ihr Hauptergebnis: Innerhalb von drei Jahren wurde die Inzidenzrate für die Ereignisse kardiovaskulärer Tod, Myokardinfarkt und Schlaganfall (der gleiche kombinierte Endpunkt wie in LEADER) durch eine Behandlung mit dem SGLT2-Hemmer Empagliflozin additiv zur Standardtherapie signifikant reduziert - um 14 Prozent im Vergleich zu Placebo. Ausschlaggebend dafür war eine signifikante relative Abnahme der kardiovaskulären Mortalität um 38 Prozent unter dem SGLT2-Hemmer.

Die Raten für Herzinfarkte und Schlaganfälle wurden durch Empagliflozin dagegen nicht signifikant beeinflusst. In diesem Punkt scheint sich der SGLT2-Hemmer Empagliflozin vom GLP1-Analogon Liraglutid, das in der LEADER-Studie nach den ersten Informationen alle drei Komponenten des primären Studienendpunkts verringert hat, zu unterscheiden.

Comeback von Pioglitazon?

Dritter im Bunde ist der Insulin-Sensitizer und PPARγ-Aktivator Pioglitazon. In der PROACTIVE-Studie hatte dieses Antidiabetikum schon vor Jahren zumindest in einem sekundären Endpunkt positive Effekte auf makrovaskuläre Komplikationen bei Typ-2-Diabetikern erkennen lassen. Allerdings ist Pioglitazon in Deutschlang längst bedeutungslos geworden: Die Substanz kann nach einem Beschluss des G-BA seit 2011 nur noch in begründeten Ausnahmefällen zu Lasten der GKV verordnet werden.

Wird es dabei bleiben? Bei der International Stroke Conference 2016 in Los Angeles sind jüngst die Ergebnisse der randomisierten IRIS-Studie vorgestellt und simultan im New England Journal of Medicine publiziert worden. Die Studie untersuchte die Wirksamkeit von Pioglitazon im Vergleich zu Placebo in der Sekundärprävention nach Schlaganfall oder transitorischer ischämischer Attacke bei Patienten mit dokumentierter Insulinresistenz. Ergebnis: Pioglitazon verringerte signifikant die Rate erneuter Schlaganfälle oder Myokardinfarkte – allerdings auf Kosten vermehrter Knochenbrüche und Gewichtszunahmen.

Keine Risikoreduktion durch Lixisenatid

Außer Liraglutid sind diverse andere Antidiabetika aus den Wirkstoffklassen der DPP4-Hemmer und GLP-1-Analoga in den letzten in großen Endpunktstudien unter kardiovaskulären Aspekten getestet worden. Im Unterschied zu LEADER konnte jedoch in Studien wie TECOS (mit Sitagliptin), ELIXA (Lixisenatid) und SAVOR-TIMI-53 (Saxagliptin) keine Reduktion des kardiovaskulären Risikos durch die geprüften Antidiabetika nachgewiesen werden.
 

Literatur

Pressemitteilung des Unternehmens Novo Nordisk: Victoza® significantly reduces the risk of major adverse cardiovascular events in the LEADER trial, vom 4. März 2016