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10.11.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Diabetiker mit kardiovaskulären Erkrankungen

Antidiabetikum Empagliflozin senkt Herzinsuffizienz-Risiko um ein Drittel

Autor:
Dr. Dirk Einecke

Einer neuen Auswertung von Daten der bahnbrechenden EMPA-REG-Studie zufolge reduziert der SGLT2-Inhibitor Empagliflozin bei kardiovaskulär erkrankten Diabetikern auch das Herzinsuffizienz-Risiko schnell, deutlich, und unabhängig davon, ob bereits eine Herzschwäche vorliegt.

Die EMPA-REG OUTCOME-Studie ist aufgrund der praktischen Konsequenzen wohl eine der bedeutendsten Untersuchungen, welche die Diabetologie in den letzten zehn Jahren hervorgebracht hat. Die im September 2015 zeitgleich auf dem europäischen Diabetologenkongress in Stockholm sowie im „New England Journal of Medicine“ publizierten Ergebnisse zeigten erstmals überzeugend, dass eine antidiabetisch wirksame Substanz kardiovaskuläre Komplikationen verhindert und die Prognose verbessert.

Effektivere Mortalitätsreduktion als unter Statinen

Im Verlauf der 3,1-jährigen Beobachtungszeit starben 5,7% der Patienten in der Empagliflozin-Gruppe und 8,3% der Patienten in der Kontrollgruppe. Dies entspricht einer relativen Risikosenkung für die Gesamtmortalität von 32%. Die Number needed to Treat, um einen Todesfall zu verhindern, liegt bei 39 im Laufe von drei Jahren. Damit ist diese Therapie noch effektiver als die Therapie von kardiovaskulären Hochrisikopatienten mit Statinen oder mit ACE-Hemmern in der 4S-Studie bzw. in der HOPE-Studie.
Somit verwundert es nicht, dass die Studie nicht nur bei den Diabetologen, sondern auch bei den Kardiologen auf großes Interesse stößt. Beim Jahreskongress der American Heart Association 2015 in Orlando stellte EMPA-REG-Studienautor Dr. Silvio E Inzucchi von der Yale University School of Medicine in New Haven neue Daten der Studie vor.

Keine Wirkung auf Herzinfarkt und Schlaganfall...

Primärer Endpunkt der Studie war die Kombination Herztod, Herzinfarkt und Schlaganfall. Dieses Risiko war durch Empagliflozin von 12,1% auf 10,5% absolut um 1,6% und relativ um 14% gesenkt worden (p= 0,04). Ausschlaggebend für den Unterschied war der härteste der drei Einzelendpunkte, die kardiovaskuläre Mortalität, die von 5,9% auf 3,7% zurückging (HR: 0,62). Keinen Einfluss hatte die Therapie hingegen auf Herzinfarkt oder Schlaganfall.

...aber auf das Herzinsuffizienz-Risiko!

Auch das Risiko für die Entwicklung einer Herzinsuffizienz wurde erheblich reduziert: Das relative Risiko für eine Krankenhauseinweisung wegen Herzinsuffizienz lag im Vergleich zur Kontrollgruppe um 35% niedriger (p=0,0017), dasjenige für Krankenhauseinweisung oder Tod aufgrund von Herzinsuffizienz um 39% (p=0,0002). Der Effekt stellte sich früh im Studienverlauf ein.
Die Studienautoren um Inzucchi gingen nun der Frage nach, ob das reduzierte Herzschwäche-Risiko für alle Patienten galt - unabhängig davon, ob bereits eine Herzschwäche vorlag oder nicht.
In der kleineren Subgruppe der Patienten, die bereits zu Studienbeginn einen Herzinsuffizienz aufwiesen, betrug das Risiko für erneute Krankenhauseinweisungen wegen Herzschwäche oder Herztod 16,2% unter Empagliflozin und 20,1% in der Kontrollgruppe, wobei der Unterschied (HR: 0,72) aufgrund der kleinen Fallzahl nicht signifikant war.

Primärpräventive Wirksamkeit

In der viel größeren Gruppe der Patienten ohne Herzinsuffizienz zu Studienbeginn wurden 4,5% (Empagliflozin) bzw. 7,1% (Kontrollen) wegen Herzinsuffizienz eingewiesen oder verstarben, eine statistisch signifikante Risikoreduktion um 37%.
Die Herzinsuffizienz-Daten überraschen. Inzucchi erinnerte daran, dass für Antidiabetika – mit Ausnahme von Metformin – bisher nicht nachgewiesen ist, dass sie kardiovaskuläre Komplikationen verhindern. Vereinzelt zeigten sie sogar ein Risikosignal, eine Herzinsuffizienz zu befördern.

Literatur

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