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08.04.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

TAVI

Aortenklappen im Vergleich

Autor:
Dr. med. Birgid Gonska, Universitätsklinikum Ulm

Die neuere Herzklappe Edwards Sapien 3 hat gegenüber der CoreValve-Herzklappe der ersten Generation Vorteile. Eine aktuelle Vergleichsstudie zeigt, dass damit mehr erfolgreiche Klappenimplantationen gelingen und weniger paravalvuläre Klappeninsuffizienzen entstehen.

Wir verglichen die postinterventionellen Ergebnisse nach der transfemoralen Implantation der neuen ballonexpandierenden Herzklappe Edwards Sapien 3 (ES3) bei den ersten 100 Patienten mit den letzten 100 Patienten, die mit einer Herzklappe der ersten Generation (CoreValve) transfemoral versorgt wurden. Die Edwards Sapien 3 verfügt über ein „Outer Skirt“ auf der ventrikulären Seite mit dem Ziel, paravalvuläre Insuffizienzen zu reduzieren.

Die Auswertung war fokussiert auf den periprozeduralen Verlauf insbesondere im Hinblick auf das Auftreten einer paravalvulären Aortenklappeninsuffizienz, der Notwendigkeit einer Schrittmacherimplantation sowie der Rate erfolgreicher Implantationen definiert nach den internationalen VARC-II-Kriterien (keine prozedurale Mortalität, korrekte Position und regelrechte Funktion der Herzklappe).

Die klinischen Basisdaten der beiden Gruppen waren fast identisch. Das Alter der Patienten betrug 80,7 ± 5,9 Jahre (CoreValve-Gruppe) versus 81,7 ± 6,4 Jahre (ES3-Gruppe), der Anteil weiblicher Patienten war 49% versus 51%.

Die Aortenklappenöffnungsfläche war mit 0,78 ± 0,2 cm2 versus 0,77 ± 0,22 cm2, ermittelt in der Echokardiografie, vergleichbar. In der Computertomografie waren folgende Parameter statistisch nicht unterschiedlich: Die Fläche des Aortenanulus (CoreValve 508 ± 89 mm2 vs. ES3 484 ± 96 mm2), der Durchmesser des Anulus bestimmt aus der Anulusfläche (25,3 ± 2,2 mm vs. 24,7 ± 2,4 mm), der aus dem Umfang bestimmte Durchmesser (26,0 ± 2,3 mm vs. 25,4 ± 2,5 mm). Die Fläche des LVOT war in der CoreValve-Gruppe mit 516 ± 121 mm2 vs. 481±101 mm2 in der ES3-Gruppe signifikant größer (p = 0,032).

Mehr erfolgreiche Implantationen mit Edwards Sapien 3

Eine stark verkalkte Aortenklappe (Grad IV nach Rosenhek) zeigte sich bei 85 CoreValve- versus 88 ES3-Patienten (p = 0,53). Die folgenden CoreValve-Klappen wurden eingesetzt: 23 mm in 2%, 26 mm in 17%, 29 mm in 75%, 31 mm in 6% der Patienten. Bei der ES3 wurden Klappen der Größe 23 mm in 29%, 26 mm in 50% und 29 mm in 21% der Pateinten implantiert.

Die Häufigkeit einer postinterventionellen Ballonnachdilatation war mit 11% versus 0% signifikant häufiger bei der CoreValve- versus der ES3-Herzklappe (p < 0,01). Der Anteil der Patienten, bei denen eine nach VARC II-Kriterien erfolgreiche Aortenklappenimplantation gelang, war in der ES3-Population mit 94% signifikant höher als in der CoreValve-Population mit 73% (p < 0,01).

Paravalvuläre Insuffizienz häufiger bei CoreValve

Schwerwiegende Komplikationen wie eine Annulusruptur, eine Obstruktion der Koronarostien oder periprozeduraler Tod wurden in beiden Gruppen nicht beobachtet. Im postinterventionellen Verlauf verstarb ein Patient in der CoreValve-Gruppe. Das Auftreten eines postprozeduralen Schlaganfalls/TIA oder eines anderen neurologischen Ereignisses war ein beiden Gruppen vergleichbar (2% vs. 1%).

Eine mittelgradige oder hochgradige paravalvuläre Insuffizienz lag signifikant häufiger mit der CoreValve- als mit der ES3-Herzklappe vor (19% vs. 1%, p < 0,01). Im Hinblick auf eine leichtgradige paravalvuläre Insuffizienz ergab sich kein relevanter Unterschied (41% vs. 31%). Es zeigte sich eine statistisch signifikant niedrige Notwendigkeit einer postinterventionellen Schrittmacherimplantation in der ES3-Gruppe mit 15% im Vergleich zur CoreValve-Gruppe mit 31% (p < 0,01).

Literatur