Onlineartikel 10.09.2015

Apixaban: Intensivere Schulung verbessert nicht die Therapietreue

In der AEGEAN-Studie hat ein begleitendes Schulungsprogramm die Therapieadhärenz bei mit Apixaban behandelten Patienten nicht verbessert. Dafür war auch wenig Spielraum vorhanden: Denn auch ohne Extra-Schulung hielt sich ein hoher Prozentsatz an die ärztlichen Vorgaben zur Apixaban-Therapie.

Anders als bei Vitamin-K-Antagonisten bedarf es bei einer Antikoagulation mit direkten oralen Antikoagulanzien (DOAC) keines Gerinnungsmonitorings. Das erspart den Patienten zwar einerseits die Lästigkeit regelmäßiger Kontrollmessungen; deren Wegfall könnte sich aber andererseits mit Blick auf die Therapieadhärenz, also die Einhaltung der mit dem Arzt vereinbarten Therapievorgaben, potenziell ungünstig auswirken.

Einer Verschlechterung von Therapieadhärenz und Persistenz – mit letzterem ist die fortlaufende Einnahme einer ärztlich verordneten Medikation gemeint – kann möglicherweise durch ein begleitendes Schulungsprogramm vorgebeugt werden. Ob damit in puncto Therapietreue tatsächlich mehr als mit der üblichen Standardaufklärung erreichbar ist, hat eine Forschergruppe um Prof. Gilles Montalescot aus Paris am Beispiel der Apixaban-Therapie in der randomisierten kontrollierten ARGEAN-Studie geprüft. Studienleiter Montalescot hat die Ergebnisse in einer Hotline-Sitzung beim ESC-Kongress in London vorgestellt.

Erinnerungshilfen für die Tabletteneinnahme

In die Studie wurden in sieben EU-Ländern insgesamt 1.162 Patienten mit nicht valvulärem Vorhofflimmern aufgenommen, bei denen die Voraussetzungen für eine Antikoagulation mit dem zweimal täglich einzunehmenden Faktor-Xa-Hemmer Apixaban gegeben waren.

Nach Aufteilung auf zwei Gruppen wurden 583 Patienten in standardmäßiger Form über Erkrankung und verordnete Therapie aufgeklärt, während 579 darüber hinaus ein spezielles Schulungsprogramm erhielten. Darin enthalten waren eine zusätzlichen Patientenbroschüre, diverse Erinnerungshilfen für die Tabletteneinnahme sowie die Option, mit einer „virtuellen Klinik“ in Kontakt zu treten. Die Adhärenz wurde mit einem Spezialgerät gemessen, das jeden Zugriff auf den Blister registrierte.

Hohe Adhärenz in beiden Gruppen

Montalescot präsentierte in London die Ergebnisse für die ersten sechs Monate der Nachbeobachtung. In dieser Zeit lag die Adhärenz in der Gruppe mit Standardaufklärung bei 88,5 Prozent und in der Gruppe mit begleitendem Schulungsprogramm bei 88,3 Prozent. Die entsprechenden Raten für die Persistenz betrugen 90,5 Prozent und 91,1 Prozent. Die Unterschiede erwiesen sich als nicht signifikant.

Den Zahlen ist aber unschwer zu entnehmen, dass die Adhärenz- und Persistenzraten zumindest in den ersten sechs Monaten in beiden Gruppen hoch waren. Dies habe wenig Spielraum gelassen für eine weitere Verbesserung durch intensivierte Schulung der Patienten, so Montalescot.

Ob eine derart gute Therapietreue auch auf längere Sicht beibehalten werden kann, bleibt abzuwarten.

Literatur

Montalescot G. Assessment of an education and guidance program for apixaban adherence in non-valvular atrial fibrillation: The randomized AEGEAN study. Präsentiert in der Sitzung „Hotline II” beim Kongress der European Society of Cardiology (ESC) 2015, London, 29.8–2.9.2015, Abstract 2191