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12.05.2015 | Nachrichten

Fitness und Vorhofflimmern

Auch der Vorhof mag keine Couch-Potatoes

Autor:
Philipp Grätzel

Wer körperlich besser drauf ist, entwickelt seltener Vorhofflimmern. Dabei gibt es eine klare Dosis-Wirkungs-Beziehung: Pro metabolischem Äquivalent (MET) sinkt das Risiko um 7 Prozent.

Das zeigt eine Analyse aus dem groß angelegten Henry Ford Exercise Testing (FIT)-Projekt, bei dem über 60.000 Erwachsene aus einer bevölkerungsgruppenübergreifenden Kohorte nach einer laufbandergometrischen Belastung im Mittel 5,4 Jahre lang nachverfolgt wurden.

Die Studie war retrospektiv angelegt und bezieht sich auf den Zeitraum 1991 bis 2009. Die Daten kommen aus den Datenbanken des Henry Ford Health System, einer großen Versorgungsorganisation im Raum Detroit.

Bei den Probanden lag zum Zeitpunkt der Indexergometrie kein Vorhofflimmern oder -flattern vor. Ebenfalls von der Analyse ausgeschlossen wurden Patienten mit Herzinsuffizienz, nicht aber Patienten mit KHK. Die Probanden wurden auf ansteigenden Belastungsstufen jeweils drei Minuten belastet. Abgebrochen wurde, wenn der Proband nicht mehr konnte oder wenn die kardiologischen Abbruchkriterien der American Heart Association erfüllt waren.

Während des Follow-up-Zeitraums wurde bei insgesamt 4.616 Patienten Vorhofflimmern neu diagnostiziert. Dies wurde dann mit der MET-Belastung in statistische Beziehung gesetzt, wobei hinsichtlich in einem mehrstufigen Modell für Alter, Geschlecht, Rasse, kardiovaskuläre Komorbiditäten sowie weiter Komorbiditäten und diverse Medikamente adjustiert wurde. Es gab außerdem Subgruppenanalysen für Patienten mit eingeschränkter EF und für Patienten mit KHK.

Bessere Fitness, seltener Vorhofflimmern

Im Ergebnis lag die Rate an neu diagnostiziertem Vorhofflimmern bei einer Belastbarkeit von unter 6 MET bei 18,8%. Zwischen 6 und 9 MET waren es 9,5%, bei 10 bis 11 MET 5,0% und bei über 11 MET 3,7%. In der multivariaten Analyse errechnet sich daraus eine Risikoverringerung für Vorhofflimmern von 7% pro MET (HR 0,93; 95% CI 0,92-0,94, p<0,001).

Der Zusammenhang galt auch bei KHK und bei eingeschränkter EF, und insgesamt war er ausgeprägter bei adipösen Probanden. Diese hatten vor allem dann ein deutlich erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern, wenn sie wenig fit waren. Je fitter die adipösen Probanden waren, umso ähnlicher war ihr Risiko dem der normalgewichtigen Probanden.

Objektivierte Fitness

In Summe ist dieses Ergebnis nicht überraschend. Es war in Studien, in denen die körperliche Aktivität per Selbstauskunft erhoben wurde, so auch schon beschrieben worden. Allerdings habe es noch keine derart umfangreiche Analyse gegeben, die auf objektiv gemessener Fitness basierte, betonen die Autoren.

In einem begleitenden Editorial warnen Dr. Advay G. Bhatt und Professor Kevin M. Monahahn von der Boston University School of Medicine davor, die Ergebnisse dieser Studie zu stark zu verallgemeinern. Insbesondere sollte „mehr Fitness“ nicht pauschal mit „mehr Sport“ gleichgesetzt werden.

So sei bekannt, dass Vorhofflimmern bei Ausdauersportlern auf Hochleistungsniveau eher häufiger vorkommt als bei Nicht-Leistungssportlern. Der Zusammenhang zwischen Sport, Fitness und atrialem Remodelling sei daher komplexer, als die relativ klaren Studienergebnisse vermuten ließen.

Literatur

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