Skip to main content
main-content

07.05.2016 | Nachrichten

Innovativer Kontraktilitätssensor

Automatische hämodynamische CRT-Optimierung bei Herzinsuffizienz?

Autor:
PD Dr. Stefan Perings

Ein neuartiger Kontraktilitätssensor in Schrittmacherelektroden könnte zu einer Verbesserung der hämodynamischen Optimierung mittels kardialer Resynchronisationstherapie (CRT) bei Patienten mit Herzinsuffizienz beitragen.

Das meint zumindest der angesehene Elektrophysiologe Professor Josep Brugada von der Universität Barcelona. In der aktuellen Studie RESPOND-CRT hat eine Forscherteam um Brugada die Möglichkeiten einer neuen Schrittmachersonde, die mit einem sogenannten Microaccelerometer ausgestattet ist und im rechten Vorhof implantiert wird, genauer untersucht.

Die CRT ist seit vielen Jahre eine etablierte Methode zur Behandlung von Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz und breitem QRS Komplex. Dennoch profitieren nach wie vor viele dafür geeignete Patienten nicht oder nur unzureichend von der biventrikulären Schrittmacherstimulation.

Einer der Gründe hierfür ist eine suboptimale Programmierung der atrio-ventrikulären und inter-ventrikulären Stimulationszeiten. Mit Hilfe echokardiographischer Parameter können diese Zeiten optimiert werden, was im Alltag aufgrund des relativ hohen Zeitaufwandes aber nicht regelhaft erfolgt.

Sensor zur Optimierung des CRT-Systems

Mit Hilfe des neuen hämodynamischen Sensors SonRTM , welcher in der atrialen Sonde eingebettet ist und Rückschlüsse auf die myokardiale Kontraktilität zulässt, können individuell und vollautomatisiert die Stimulationszeiten des Schrittmacheraggregates angepasst werden und so die hämodynamische Optimierung durch das CRT System verbessert werden.

So weit zumindest die Theorie. In der randomisierten Studie RESPOND-CRT wurden 1039 Patienten mit ischämischer Kardiomyopathie (überwiegend NYHA Klasse III), Linksschenkelblock und hochgradig eingeschränkter linksventrikulärer Funktion (EF: ca. 29%) eingeschlossen. Bei 670 Patienten wurde eine automatisierte CRT-Programmierung mit Hilfe des SonRTM vorgenommen und 328 wurden echokardiographisch optimiert. Das Follow up betrug 12 Monate.

Die Autoren definierten einen primären Wirksamkeits- und einen Sicherheits-Endpunkt. Bezüglich der Sicherheit konnte gezeigt werden, dass sowohl nach drei Monaten (98,5%) als auch nach 12 Monaten (99,8%) die allermeisten Patienten frei von Komplikationen waren.

Studienziel wurde erreicht

Bezüglich der Wirksamkeit des Sensors konnte für 70,4 % der echokardiographisch optimierten CRT-Patienten und 75,0% der durch SonRTM automatisch optimierten CRT-Schrittmacher eine klinische Verbesserung gezeigt werden. So konnte das Studienziel der „Nicht-Unterlegenheit“ erreicht werden.

Besonders profitiert haben Patienten mit Vorhofflimmern in der Vorgeschichte sowie mit Niereninsuffizienz. Zudem konnte eine signifikante Reduktion der durch Herzinsuffizienz bedingten Hospitalisierungen unter SonRTM Programmierung gezeigt werden.

Insgesamt erscheint diese Innovation recht vielversprechend. Nicht nur wegen der tendenziellen Vorteile im Vergleich zu echokardiographisch durchgeführten Optimierung, sondern vielmehr, weil im klinischen Alltag allzu häufig CRT-Systeme nach dem Motto „fire & forget“ implantiert werden und eine sorgsame Programmierung der Stimulationszeiten im Zeitalter von DRG-Optimierung und Liegezeitenverkürzung auf der Strecke oder in den Händen der niedergelassenen Kardiologen bleibt.

Der Autor, PD Dr. Stefan Perings, ist geschäftsführender Herausgeber von „kardiologie.org". Er arbeitet als niedergelassener Kardiologe und Partner im CardioCentrum Düsseldorf sowie in der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie des Universitätsklinikums Düsseldorf. Seit 2012 ist er stellvertretender Bundesvorsitzender des Bundesverbandes Niedergelassener Kardiologen (BNK) und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.
 

Literatur
Bildnachweise