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26.11.2014 | Nachrichten | Onlineartikel

Bluthochdrucktherapie

Bei Übergewicht allenfalls leichte Vorteile für ACE-Hemmer

Autor:
Dr. Robert Bublak

Ob bestimmte Substanzgruppen in der Hochdrucktherapie von übergewichtigen Patienten Vorteile besitzen, hat die Blood Pressure Lowering Treatment Trialists’ Collaboration (BPLTTC) untersucht. Auf starke Gründe für eine spezifische Anpassung der Medikation sind die Forscher nicht gestoßen.

In ihre Metaanalyse nahmen die BPLTTC-Wissenschaftler 22 Studien zur Hochdrucktherapie auf, an denen 135.715 Probanden beteiligt gewesen waren.
Primärer Endpunkt war die Häufigkeit schwerer kardiovaskulärer Ereignisse (Schlaganfall, koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz oder kardiovaskulär verursachter Tod).Insgesamt waren während der jeweiligen Studienphasen 14.353 solcher Ereignisse aufgetreten.

Korreliert Therapieeffekt mit dem BMI?

Analysiert wurde, wie sich verschiedene medikamentöse Therapieregime relativ zu bestimmten Werten des Body-Mass-Index (BMI) auf das kardiovaskuläre Risiko auswirkten. Der BMI floss dabei sowohl als kategoriale (< 25, 25–30, ≥ 30 kg/qm) wie als kontinuierliche Variable in die Berechnungen ein.
Hinsichtlich der Regime wurden sechs Vergleichsgruppen gebildet: ACE-Hemmer vs. Placebo, Kalziumantagonist vs. Placebo, intensive vs. weniger intensive Therapie, ACE-Hemmer vs. Betablocker oder Diuretikum, Kalziumantagonist vs. Betablocker oder Diuretikum, ACE-Hemmer vs. Kalziumantagonist.
Es ergaben sich keine Hinweise darauf, dass mit Blick auf den primären Endpunkt in einer der Vergleichsgruppen über die drei kategorialen BMI-Gruppen hinweg irgendwelche Unterschiede in der protektiven Wirkung aufgetreten wären.

ACE-Hemmer mit leichtem Vorteil

Es war lediglich ein leichter Vorteil beim Vergleich ACE-Hemmer vs. Kalziumantagonist festzustellen, sofern der BMI als kontinuierliche Variable betrachtet wurde. Für jede Zunahme des BMI um 5 kg/qm ging die Einnahme eines ACE-Hemmers mit einem um 7% geringeren kardiovaskulären Risiko einher (Hazard Ratio [HR] 0,93; 95%-Konfidenzintervall 0,89–0,98; p = 0,004). Ähnliches galt für den Vergleich ACE-Hemmer vs. Diuretikum (0,93, 0,89–0,98; p = 0,002).
Das Ausmaß, in dem eine Reduktion des systolischen Blutdrucks um einen bestimmten Wert das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse senkte, war ebenfalls unabhängig davon, ob die Probanden normal-, übergewichtig oder adipös waren.

Im Widerspruch zur ACCOMPLISH-Studie

Wie die BPLTTC-Forscher einräumen, stehen ihre Ergebnisse im Widerspruch zu den Resultaten einer Subanalyse der ACCOMPLISH-Studie vom vergangenen Jahr. Dort hatte sich gezeigt, dass die Kombination ACE-Hemmer-Hydrochlorothiazid bei schlanken Patienten weniger, bei adipösen aber ebenso wirksam war wie eine Kombination ACE-Hemmer-Amlodipin.
Davon ausgehend war die Empfehlung ausgesprochen worden, den BMI zu einem Schlüsselfaktor bei der Wahl der Hochdruckmedikation zu machen.
Laut BPLTTC könnte es sich bei dem ACCOMPLISH-Resultat aber um einen falsch positiven Befund handeln. Dafür sprächen etwa die relativ geringen Ereignisraten in der ACCOMPLISH-Studie, in der bei 11.482 Teilnehmern insgesamt 652 kardiovaskuläre Ereignisse beobachtet worden waren.

Literatur