Onlineartikel 21.11.2014

Bemerkenswerter Langzeit-Nutzen einer Statintherapie

Statine bieten offenbar einen bemerkenswerten kardiovaskulären Langzeitschutz. Auch zwei Jahrzehnte nach einer befristeten Therapie mit Pravastatin hat die damit erzielte Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse noch immer Bestand, wie neue Langzeitdaten der WOSCOP-Studie eindrucksvoll belegen.

Auch nach einer Beobachtungsdauer von nunmehr 20 Jahren profitierten die zuvor fünf Jahre lang mit Pravastatin behandelten Teilnehmer der WOSCOP-Studie immer noch von den klinischen Vorteilen dieser Therapie.

KHK-Mortalität auch langfristig um 27 Prozent gesenkt

Selbst nach so langer Zeit war ihr Risiko für ein tödliches KHK Ereignis immer noch signifikant um 27 Prozent niedriger als das jener Teilnehmer, die zuvor der Placebogruppe zugeteilt waren. Dieser Unterschied spiegelt sich auch in der Gesamtmortalität wider, deren Rate auch nach 20 Jahren signifikant um 13 Prozent niedriger war.
An der 1989 gestarteten und 1995 beendeten WOSCOP (West of Scotland Coronary Prevention)-Studie hatten 6595 schottische Männer (Durchschnittsalter: 55 Jahre) teilgenommen, die noch keinen Herzinfarkt in ihrer Vorgeschichte hatten.
Aufgeteilt auf zwei Gruppen erhielten sie zur Primärprävention fünf Jahre lang das Statin Pravastatin (40 mg) oder Placebo. Die initialen LDL-Cholesterinspiegel der Teilnehmer waren mit durchschnittlich 190 mg/dl sehr hoch und wurden durch Pravastatin um 26 Prozent gesenkt.

Nach Studienende gleicher Anteil an Statin-Behandlungen

Wie eine spätere Analyse von Daten aus den Praxen der betreuenden Hausärzte ergab, erhielt in der Zeit nach Ende der Studie jeweils knapp ein Drittel aller Teilnehmer der Verum- und Placebogruppe eine Behandlung mit Statinen. Mögliche Langzeitunterschiede bei den kardiovaskulären Ereignissen lassen sich somit nur auf die unterschiedlichen Cholesterinspiegel im fünfjährigen Studienzeitraum zurückführen, betonte Dr. Chris Packard aus Glasgow bei der Präsentation der Langzeitergebnisse auf dem AHA-Kongress in Chicago.
Um ein Gesamt-Follow-up für den Zeitraum zwischen 1989 und 2011 erstellen zu können, hat die WOSCOP-Studiengruppe zusätzliche Informationen aus Sterbe- und Krebsregistern sowie aus Datenbanken des National Health Service (NHS) zu Klinikaufenthalten genutzt.

Langfristig auch weniger Herzinsuffizienz

Die fünfjährige Senkung des LDL-Cholesterin hatte zur Folge, dass das Risiko für koronare Revaskularisationen (Bypass-Op, perkutane Koronarintervention) auch nach zwei Jahrzehnten noch um 19 Prozent niedriger war.
Eine Überraschung: Während in der Studie selbst kein signifikanter Unterschied bei der Herzinsuffizienz bestand, war langfristig eine signifikante Reduktion von Herzschwäche-Erkrankungen um 31 Prozent zu beobachten (96 versus 128 Fälle).
Dieser günstige Effekt scheint sich den Daten zufolge primär aus der Reduktion von Herzinfarkten als pathophysiologischem Auslöser von Herzinsuffizienz zu erklären.

Kein Unterschied bei Krebserkrankungen

Beruhigend ist die Tatsache, dass auch in der Langzeitbetrachtung kein „Signal“ für eine Begünstigung von Krebserkrankungen durch Cholesterinsenkung zu erkennen war. Die Gesamtrate aller malignen Erkrankungen betrug 24,5 (Pravastatin) und 24,7 (Placebo). Auch die Analyse von spezifischen Krebserkrankungen förderte keine Unterschiede zutage.
Auch der gesundheitsökonomische Nutzen der Statintherapie ist – gemessen an der dokumentierten Dauer aller Klinikaufenthalte der WOSCOP-Teilnehmer – offenbar beträchtlich. Anders als in klinischen Studien wurden bei der Analyse nicht nur die jeweils ersten, sondern alle Klinikaufenthalte berücksichtigt.

Kosteneinsparung bei Hospitalisierungen

Im Hinblick auf kardiovaskulär bedingte Hospitalisierung kam man bei den Teilnehmern der Pravastatin-Gruppe in zwei Jahrzehnten auf insgesamt 24.038 Krankenhaustage, im Vergleich zu 30.342 bei den zuvor mit Placebo behandelten Teilnehmern. Bei den nicht kardiovaskulär bedingten Hospitalisierungen gab es dagegen keine relevanter Unterschiede.
An den Ereigniskurven für Myokardinfarkte plus KHK-bedingte Todesfälle lässt sich ablesen, dass die Pravastatin-Therapie den Patienten im Vergleich fünf ereignisfreie Jahre mehr bescherte. Anders gesagt: Es dauerte fünf Jahre länger, bis dass die Pravastatin-Gruppe das gleiche koronare Risiko erreichte wie die Placebogruppe.

Literatur

Jahrestagung der American Heart Association (AHA) vom 15.-19.11.2014 in Chicago. Packard CJ. Lifetime Clinical and Economic Benefits of Statin-Based LDL Lowering in the 20-Year Followup of the West of Scotland Coronary Prevention Study. Vorgestellt am 18.11.2014