Online-Artikel 01.12.2014

Bessere Operationsplanung mit 3-D-Modellen?

Die Darstellung der Anatomie komplexer vererbter Herzfehler in dreidimensionalen Modellen könnte für Herzchirurgen hilfreich bei der Beurteilung und Planung ihrer Eingriffe sein.

Vor einer Herzoperation verschafft sich der Chirurg in der Regel einen Eindruck des Organs anhand von Röntgenbildern (nach Kontrastmittelgabe), MRT und Echokardiografie. Besonders bei angeborenen Herzfehlern mit komplexen Komplikationen in der Struktur der Herzkammern reicht das aber nicht immer aus, um ein vollständiges Bild der Situation zu erhalten.
Nun hat eine amerikanische Forschergruppe aus Peoria, Illinois, USA, im Rahmen einer kleinen Studie mithilfe eines 3-Druckers auf der Basis von zweidimensionalen Bildgebungsverfahren Herzmodelle aus einem kostengünstigen Plastikmaterial produziert. Diese lieferten den Chirurgen vor der Operation von drei Patienten wichtige zusätzliche Informationen, die ihnen zu einem besseren anatomischen Verständnis der pathologischen Situation sowie einer leichteren Entscheidung für das operative Vorgehen verhalfen und sie vor unerwarteten Überraschungen bewahrten.
Die Patienten im Alter von 9 Monaten, 3 Jahren und Anfang 20, alle mit angeborenen schweren Fehlbildungen des Herzens, konnten schließlich erfolgreich operiert werden.
Im ersten Fall zeigte sich im Modell, dass der Ventrikelseptumdefekt eine zuvor verborgen gebliebene sehr viel löchrigere Struktur hatte, die eine verkürzte „cross-clamp-time“ erforderte. Im zweiten Fall konnte auf der Basis des 3-D-Modells die initial geplante Operation eines Ventrikels gleich für beide Ventrikel durchgeführt werden. Im dritten Fall verdeutlichte das Modell die Position eines Aneurysmas an der linken Koronararterie, weshalb sich der Chirurg für einen initial nicht geplanten intrakardialen Eingriff entschied.
In solchen Fällen lassen sich durch ein ergänzendes 3-D-Modell zur genaueren Vorabbeurteilung womöglich Mehrfacheingriffe reduzieren und die Lebenserwartung erhöhen.
Die Autoren wiesen aber darauf hin, dass es nur eine sehr kleine Studie war und die noch neue 3D-Technologie bisher nicht von der FDA anerkannt ist.
 

Literatur

Jahrestagung der American Heart Association (AHA) vom 15.-19.11.2014 in Chicago. Dr. Matthew Bramlet et al. Posterpräsentation zu Abstract 20614