Nachrichten 18.08.2015

Bessere Risikofaktorkontrolle heißt besseres Outcome

Konservative KHK-Therapie bei Typ-2-Diabetes lohnt sich: Wer die Zahl der kontrollierten Risikofaktoren erhöht, verbessert Überleben und kardiovaskuläres Outcome.

Fast zeitgleich mit der im New England Journal of Medicine publizierten Untersuchung zum Zusammenhang zwischen Troponin-T-Werten, Revaskularisation und kardiovaskulärem Outcome bei Diabetes-Patienten mit stabiler Angina pectoris (AP) veröffentlicht das Journal des American College of Cardiology eine weitere Post hoc-Analyse der BARI-2D-Studie. Diesmal geht es nicht um einen Vergleich zwischen optimaler medikamentöser Therapie (OMT) und „OMT plus Revaskularisation“, sondern ausschließlich um den Nutzen der OMT.

Dazu wurde bei 2.265 auswertbaren Patienten beider Studienarme untersucht, ob und wie sich die Zahl der kontrollierten kardiovaskulären Risikofaktoren unter OMT änderte und wie das mit dem kardiovaskulären Outcome korrelierte. Berücksichtigung fanden sechs Parameter, nämlich Raucherstatus, Non-HDL-Cholesterin (Grenzwert für „kontrolliert“: <130 mg/dl), Triglyceride (<150 mg/dl), systolischer (<130 mmHg) und diastolischer (<80 mmHg) Blutdruck sowie HbA1c (<7%).

Im Mittel verbesserte sich die Zahl der kontrollierten Risikofaktoren innerhalb der fünf Studienjahre von 3,5 auf 4,2 (p<0,0001). Bei 7% der Patienten waren zu Studienbeginn und bei 15% zu Studienende alle genannten Risikofaktoren kontrolliert. Bei etwa drei von vier Patienten gelang es, bis Studienende mindestens 4 der 6 Risikofaktoren in den kontrollierten Bereich zu bringen.

Wurde die Zahl der kontrollierten Risikofaktoren zu Studienbeginn mit dem primären BARI-2D-Endpunkt, der Gesamtmortalität, korreliert, gab es keinen statistisch signifikanten Zusammenhang. Anders im Studienverlauf: Bereits nach einem Jahr gab es eine starke Korrelation sowohl mit der Gesamtmortalität als auch mit dem kardiovaskulären Komposit-Endpunkt (kardiovaskulärer Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall).

Da dabei für die Zahl der Risikofaktoren zu Studienbeginn adjustiert wurde, interpretieren die Autoren dies als direkten Effekt der studienprotokollgesteuerten OMT. Konkret hatten Patienten, bei denen im Studienverlauf 0 bis 2 Risikofaktoren unter Kontrolle gebracht wurden verglichen mit jenen, bei denen alle 6 Risikofaktoren kontrolliert werden konnten, nach einem Jahr ein zweifach erhöhtes Todesrisiko (HR 2,0; 95% CI 1,3–3,3; p=0,0031) und ein um 70% erhöhtes Risiko für kardiovaskuläres Ereignisse (HR 1,7; 95% CI 1,2–2,5; p=0,0043).

„Wenn wir Risikofaktoren aggressiver kontrollieren, senken wir Morbidität und Mortalität“, betont JACC-Herausgeber Dr. Valentin Fuster in einem Audio-Kommentar. Risikofaktorkontrolle sei damit viel wichtiger als darüber zu debattieren, ob interventionelle oder nicht interventionelle Strategien bevorzugt werden sollten. David Maron und William Boden, Lead-Autor der COURAGE-Studie, plädieren in einem begleitenden Editorial dafür, die OMT als universellen Therapiestandard bei stabiler AP anzusehen. 

Literatur

Bittner V et al. Comprehensive Cardiovascular Risk Factor Control Improves Survival: The BARI 2D Trial. J Am Coll Cardiol 2015;66(7):765-73

Maron D, Boden W. Why Optimal Medical Therapy Should Be a Universal Standard of Care. J Am Coll Cardiol 2015;66(7):774-6