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23.02.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Sitzen und Herz-Kreislauf-Risiko

Bewegungsarmut auch im Alter ein Risikofaktor

Autor:
Philipp Grätzel

Auch bei älteren, immobilen Menschen gibt es einen nachweisbaren Zusammenhang zwischen einem bewegungsarmen Lebensstil und einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko. Körperliche Bewegung ist protektiv – selbst wenn es kein Sport im engeren Sinne ist.

Die meisten Empfehlungen zur Herz-Kreislauf-Prävention durch körperliche Bewegung beziehen sich auf körperlich leistungsfähige Erwachsene. Entsprechend anspruchsvoll umzusetzen sind viele dieser Empfehlungen. Wissenschaftler der Universität Florida haben sich anhand der LIFE-Studie in einer Querschnittsanalyse angesehen, wie viel körperliche Aktivität bei alten Menschen nötig ist, um Effekte auf das Herz-Kreislauf-Risiko zu erreichen.

Die LIFE-Studie war eine randomisierte Studie mit über 1.600 Personen zwischen 70 und 89 Jahren. Die Studie untersuchte den Einfluss von körperlicher Aktivität auf muskuloskelettale Probleme im hohen Alter. Die Teilnehmer trugen einen Bewegungsmesser (Accelerometer), sodass die körperliche Aktivität gut quantifiziert werden kann.

Für die aktuelle Analyse zum Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und Herz-Kreislauf-Risiko wurden gut 1.000 Patienten ausgewertet, die das Accelerometer mindestens drei Tage lang für jeweils mindestens zehn Stunden trugen.

Auch im Alter ist viel sitzen schlecht fürs Herz

Als Parameter für das Herz-Kreislauf-Risiko wurde das 10-Jahres-Risiko für schwere Koronarereignisse herangezogen, abgeschätzt mit dem Framingham-Risiko-Score. Es wurden also nicht prospektiv kardiovaskuläre Ereignisse aufgezeichnet.

Bewegungsarme („sedentary“) Zeit wurde definiert als Zeit mit weniger als 100 Accelerometer-Signalen pro Minute. Als leichte körperliche Bewegung galten 100 bis 499 Signale. 500 und mehr Signale wurden als mittelstarke körperliche Betätigung eingestuft. Zum Vergleich: Bei intensivem Sport werden von derartigen Accelerometern 2000 und mehr Signale pro Minute aufgezeichnet. In diese Region kamen die Probanden der LIFE-Studie aber nie.

Schon leichte körperliche Aktivität günstig

Die Wissenschaftler errechneten, dass für jede Minute mehr bewegungsarme Zeit pro Tag das 10-Jahres-Koronarrisiko bei Patienten mit bekannter kardiovaskulärer Erkrankung um 0,04 % und bei Patienten ohne bekannte kardiovaskuläre Erkrankung um 0,03 % anstieg. Je mehr aktive Zeit das Accelerometer angab, desto niedriger war das Herz-Kreislauf-Risiko. Dabei machte es keinen Unterschied, ob leichte oder mittelstarke körperliche Betätigung ausgeführt wurde. Entscheidend war lediglich, dass die extrem bewegungsarme Zeit so kurz wie möglich war. 

Dieser Zusammenhang sei bei älteren, immobilen Erwachsenen so bisher noch nie gezeigt worden, betonen die Autoren. Auch wenn das Querschnittsdesign der Erhebung keine konkreten Empfehlungen zur idealen „Dosierung“ der körperlichen Aktivität im hohen Alter erlaubt, so deuten die Ergebnisse doch darauf hin, dass mit überschaubarem Aufwand auch jenseits der 70 in Sachen Herz-Kreislauf-Risiko noch einiges erreicht werden kann.

Literatur

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