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01.04.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

GABI-Register

Bioresorbierbare Scaffolds: Thrombosen vor allem in den ersten Tagen

Autor:
Philipp Grätzel

Eine erste Auswertung des deutsch-österreichischen GABI-Registers gibt Informationen über die Sicherheit bioresorbierbarer Scaffolds unter den Bedingungen der realen Versorgung.

An dem deutsch-österreichischen GABI-Register beteiligen sich insgesamt 93 Zentren. Die bisher nicht publizierte, erste Auswertung des Registers wurde von Prof. Christian Hamm vom Herzzentrum Bad Nauheim in der Hotline-Session der 82. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim präsentiert. Sie bezieht sich auf das 30-Tages-Follow-up bei insgesamt 2.226 Patienten, die an einem der teilnehmenden Zentren ein bioresorbierbares Scaffold erhalten hatten.

Weite Indikationsstellung

Bei dem Register handelt es sich um ein so genanntes All-Comer-Register: Die Zentren sind angehalten, alle Patienten, die ein Scaffold erhalten, in das Register einzuschließen. Die Daten zeigen, dass die Indikationen für das Scaffold relativ weit gestellt wurden. So wurde fast die Hälfte der Patienten als akutes Koronarsyndrom deklariert, davon ein Drittel als ST-Hebungsinfarkt.

Der Einsatz der Scaffolds ging quer durch alle Arten und Lokalisationen von Läsionen sowie alle Komplexitätsgrade, mit einem gewissen Schwerpunkt auf B1-Läsionen, die bei knapp 37 % der Patienten vorlagen. Eine (empfohlene) Prädilatation erfolgte bei 91,5 % der Patienten, eine (ebenfalls empfohlene) Postdilatation bei 68,1 %.

Prozedur zu fast 100 % erfolgreich

Bei nahezu jedem Patienten sei die Implantation des bioresorbierbaren Scaffolds erfolgreich verlaufen, so Hamm. Die prozedurale Erfolgsrate im GABI-Register beträgt 99,0 %. Im 30-Tage-Follow-up betrug die Rate der Patienten mit Target-Vessel-Failure (TVF) 1,2 %. TVF war definiert als kardiovaskulärer Tod sowie Myokardinfarkt oder Revaskularisation im Zielgefäß. Eine Scaffoldthrombose trat bei 1,0 % der Patienten auf, und schwere unerwünschte kardiovaskuläre Ereignisse aller Art (MACE) gab es bei 1,8 % der Patienten.

Thrombosen treten meist in der ersten Woche auf

„Das ist für eine All-Comer-Population ein akzeptables Ergebnis“, betonte Hamm. Die Raten lägen in einer ähnlichen Größenordnung bzw. sogar etwas niedriger als im GHOST-EU-Register, das die Scaffolds auf europäischer Ebene evaluierte. Im Licht anderer Berichte über akute Thrombosen bei Scaffolds haben sich die Kardiologen diese Ereignisse noch etwas genauer angesehen. Es zeigte sich, dass mit einer Ausnahme alle definitiv bestätigten Thrombosen in den ersten sieben Tagen auftraten. „Wenn es zu einer Scaffoldthrombose kommt, dann in der ersten Woche. Danach ist es sehr unwahrscheinlich“, so Hamm.

Es wurde auch versucht, bei den Scaffoldthrombosen eine Art Muster ausfindig zu machen, um jene Patienten besser zu charakterisieren, bei denen das Risiko einer Thrombose erhöht ist. Das gelang allerdings nicht: „Es gab keine Regel. Thrombosen traten unter Clopidogrel, Prasugrel und Ticagrelor auf, es waren Patienten mit und ohne Dilatation dabei, und es war auch unabhängig vom Gefäßdiameter.“ Auch eine intravaskuläre Bildgebung schützte nicht konsequent vor Thrombosen. Allerdings war der Anteil der Patienten, bei denen eine solche Bildgebung durchgeführt wurde, gering. 

Literatur

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