Nachrichten 07.06.2016

Bioresorbierbare Stents: Erste Erfolge in der PAVK-Therapie

Bioresorbierbare Stents könnten auch für die endovaskuläre Rekanalisation bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAVK) eine attraktive Option sein. 2-Jahres-Ergebnisse einer „First-in human“-Studie bei Patienten mit Läsionen in Oberschenkelarterien lassen diese Option als vielversprechend erscheinen.

Bei koronarer Herzkrankheit ist die Behandlung mit bioresorbierbaren Gefäßgerüsten, auch Scaffolds genannt, bereits auf einem guten Weg. Das Konzept, zuvor verengte oder verschlossene Arterien nach Wiedereröffnung nur für eine befristete Zeit mechanisch abzustützen, ohne dass danach ein Metallimplantat auf immer im Körper zurückbleibt, könnte auch und gerade bei Läsionen in der femoropolitealen Strombahn von Vorteil sein.

Aktuell publizierten 2-Jahres-Ergebnisse einer Studie (ESPRIT-I) von Forschern um Professor Johannes Lammer von der Universität Wien machen diesbezüglich Hoffnung. Bei allen Studienteilnehmern konnte das geprüfte Bioresorbable Vascular Scaffold (ESPRIT-BVS des Herstellers Abbott Vascular) erfolgreich implantiert werden. Dieses BVS-System hat ein Grundgerüst aus Poly-L-Lactid (PLLA), das mit einem Gemisch aus PLLA und dem daraus abgegebenen Wirkstoff Everolimus beschichtet ist.

Sichere Prozedur

Beteiligt an der Studie waren 35 Patienten mit symptomatischer PAVK, die überwiegend durch fokale, relativ kurze und allenfalls geringgradig kalzifizierte Läsionen in der A. femoralis superficialis (88,6%) sowie in der A. iliaca externa (11,4%) verursacht war.

Leichte prozedurbedingte Komplikationen wie Hämatome wurden bei drei Patienten beobachtet. Innerhalb von zwei Jahren war kein in Bezug zur BVS-Implantation stehender Todesfall zu verzeichnen, auch war bei keinem Patienten eine Amputation erforderlich. Die Rate für die binäre Restenose betrug 12,1% nach einem Jahr und 16,1% nach zwei Jahren.

Erneute Revaskularisation in 11,8% der Fälle

Verschlüsse oder Stenosen an der Zielläsionen machten innerhalb von zwei Jahren bei vier Patienten (11,8%) eine wiederholte Revaskularisation (target lesion revaskularisation, TLR) notwendig.

Der Knöchel-Arm-Index erhöhte sich von 0,75 vor der Behandlung auf 0,96 nach zwei Jahren. In dieser Zeit blieben 71% aller Teilnehmer weitgehend beschwerdefrei (Rutherford-Becker-Klasse 0), die maximale Gehstrecke verbesserte sich auf rund 450 Meter.

Limitierungen der Studie

Im Vergleich zu in früheren Studien getesteten Scaffolds ohne Drug-eluting-Eigenschaften schneide das Everolimus freisetzenden BVS-System mit diesen Ergebnisse deutlich besser ab, so die Studienautoren. Sie verschweigen allerdings nicht, dass ihre Studie durch die geringe Zahl der Teilnehmer, die zudem nur relativ kurze und gering kalzifizierte Läsionen aufwiesen, limitiert ist. Auch fehlt eine Vergleichsgruppe. Als nächstes stünden deshalb nun Untersuchungen bei Patienten mit komplexeren Läsionen und Vergleiche mit anderer Drug-eluting-Verfahren an.

Literatur

Lammer J. et al.: Bioresorbable Everolimus-Eluting Vascular Scaffold for Patients With Peripheral Artery Disease (ESPRIT I)2-Year Clinical and Imaging Results, Am Coll Cardiol Intv. 2016;9 (11):1178-1187. doi:10.1016/j.jcin.2016.02.051