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19.12.2014 | Nachrichten | Onlineartikel

Folgen einer Exposition

Bisphenol A: Dosengetränke treiben den Blutdruck hoch

Autor:
Dr. Christine Starostzik

Wer Dosengetränke konsumiert, muss mit einem akuten Blutdruckanstieg rechnen, so eine koreanische Studie, die den Einfluss von Bisphenol A (BPA) untersuchte, das in Getränke- und Konservendosen enthalten ist. Die BPA-Konzentrationen im Urin von Dosentrinkern lagen weit über denen von Probanden, die das Getränk aus Glasflaschen erhielten.

Bisphenol A ist nahezu ubiquitär vorhanden. Die chemische Verbindung findet sich in Plastikflaschen, Behältern für Lebensmittel, Zahnfüllungen, und auch Dosen sind mit BPA-haltigen Substanzen beschichtet.

Immer wieder ergeben sich allerdings Hinweise auf mögliche Gesundheitsgefährdungen. So wurde eine Exposition unter anderem mit kardiovaskulären Erkrankungen in Zusammenhang gebracht. Frühere Studien lieferten bereits Hinweise auf den möglichen Einfluss von BPH auf Blutdruck und Herzfrequenzvariabilität (HRV).

In einer randomisierten Crossover-Studie haben Sanghyuk Bae und Yun-Chul Hong von der Seoul National University nun untersucht, welchen Effekt der Getränkekonsum aus mit BPA-haltigen Materialien ausgekleideten Dosen auf Blutdruck und HRV hat.

Insgesamt 60 Probanden ab 60 Jahren erhielten an drei Versuchstagen im Abstand von mindestens einer Woche jeweils zwei Portionen Sojamilch des gleichen Herstellers entweder aus zwei Glasflaschen, zwei Dosen oder aus einer Glasflasche und einer Dose. Vor dem Getränkekonsum blieben die 56 Frauen und 4 Männer, die zum Teil an Hypertonie oder Diabetes litten, mindestens acht Stunden nüchtern. Zwei Stunden nach jeder Verköstigung wurden die BPA-Werte im Urin, der Blutdruck und die HRV bestimmt.

Akuter Anstieg des systolischen Wertes

Die BPA-Konzentrationen in den Getränken lagen im Mittel bei 0,31 µg/l bei der Sojamilch aus der Glasflasche und bei 8,22 µg/l bei der Milch aus der Dose.

Entsprechende Unterschiede zeigten sich bei den Messungen im Probandenurin: Nach dem Konsum von zwei Getränken aus der Dose stieg der BPA-Wert im Urin im Vergleich zu Probanden, die zwei Getränke aus der Flasche erhalten hatten, fast um das 17-Fache.

Den systolischen Blutdruck trieben zwei Dosengetränke, unter Berücksichtigung tageszeitlicher Schwankungen, um etwa 4,5 mmHg mehr in die Höhe als die Sojamilch aus dem Glas. Keine Auswirkungen hatte BPA auf die Herzfrequenzvariabilität.

Der akute Blutdruckanstieg müsse nicht notwendigerweise auf eine langfristige Erhöhung hinweisen, so Bae und Hong, dem Befund sollte aber in künftigen Längsschnittstudien weiter nachgegangen werden.

Für Deutschland und die EU ist in der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 geregelt, wie hoch die Menge an Bisphenol A sein darf, die beispielsweise aus einer Kunststoffverpackung in ein Lebensmittel übergeht. Derzeit erstellt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ein neues Gutachten über Grenzwerte und Gefährdungspotenzial, das bisher nur als Entwurf vorliegt. In diesem empfahl die EFSA im Dezember 2014, wegen „möglicher schädlicher Wirkungen für Leber und Nieren sowie Auswirkungen auf die Brustdrüsen“ die aktuelle tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI-Wert) von 50 µg/kg Körpergewicht auf 5 µg/kg herabzusetzen. 

Literatur

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