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21.01.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Isolierte systolische Hypertonie

Blutdruck: Große Amplitude, großes Risiko

Autor:
Philipp Grätzel

Patienten mit isolierter systolischer Hypertonie (ISH) haben nach einem kardiovaskulären Ereignis vor allem bei weiter Blutdruckamplitude ein hohes Rezidivrisiko. Bei einem Pulsdruck von unter 68 mmHg scheint ein niedriger diastolischer Blutdruck für ISH-Patienten dagegen eher unproblematisch zu sein.

Ein niedriger diastolischer Blutdruck (DBP) gilt bei Patienten mit ISH schon länger als Indikator für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko. Anhand von Daten aus der Framingham-Kohorte haben sich Wissenschaftler um Stanley S. Franklin von der Universität of California in Irvine diesen Zusammenhang jetzt etwas genauer angesehen.

Sie analysierten dafür Daten aus sechs Jahrzehnten der Framingham-Kohorte und identifizierten 791 ISH-Patienten, die nach einem ersten kardiovaskulären Ereignis mindestens ein weiteres Mal innerhalb von fünf Jahren nach dem Ereignis bei Folgeuntersuchungen im Rahmen der Studie vorstellig wurden. Bei 424 Patienten war es bis dahin zu kardiovaskulären Rezidivereignissen gekommen, 367 waren in dieser Zeit ohne Rezidiv. 

Erhöhtes Risiko bei niedrigem diastolischen Blutdruck

Nach Auswertung der DBP-Werte zeigte sich im Einklang mit den Erwartungen der Wissenschaftler, dass ISH-Patienten mit niedrigem DBP (<70mmHg) im Vergleich zu normalem DBP (70-89mmHg) eine rund fünffach erhöhte kardiovaskuläre Ereignisrate aufwiesen (HR 5,1; 95%-CI 3,8-6,9, p<0,0001).

Auch wenn die Endpunkte Koronarereignis, Schlaganfallrezidiv und Herzinsuffizienzepisode einzeln betrachtet wurden, hielt dieser statistisch signifikante Zusammenhang. 

Erhöhter Pulsdruck macht den Unterschied

Interessant wurde es, als die Patienten zusätzlich danach stratifiziert wurden, ob ihr Pulsdruck größer als 67 mmHg war oder nicht. Es waren in erster Linie die Patienten mit niedrigem DBP und gleichzeitig erhöhtem Pulsdruck auf die das erhöhte Rezidivrisiko in der Gruppe der ISH-Patienten mit niedrigem DBP zurückzuführen war.

Ihre Ereignisrate war zweieinhalb so hoch wie bei ISH-Patienten mit zwar niedrigem DBP, aber nicht stark erhöhter Pulsamplitude. Dies passe zu der Hypothese, wonach bei ISH vor allem der Pulsdruck und nicht so sehr ein niedriger DBP das kardiovaskuläre (Rezidiv-)Risiko determiniere, so die Autoren.

Kein Bezug zur antihypertensiven Therapie

Auch spricht das Ergebnis eher dagegen, dass das erhöhte kardiovaskuläre Risiko bei niedrigem DBP mit der antihypertensiven Medikation in Zusammenhang stehen könnte. Das ist unter anderem deswegen oft postuliert worden, weil es vor allem ältere ISH-Patienten sind, die einen niedrigen DBP scheinbar schlecht vertragen.

Die Tatsache, dass der Pulsdruck und nicht der „reine“ DBP der das Risiko bestimmende Faktor zu sein scheint, deutet eher auf eine atherosklerotische Ursache der erhöhten Ereignisraten als auf eine therapieinduzierte.

Untermauert wird das durch einen Vergleich von behandelten und nicht behandelten Patienten, den die Autoren der Studie ebenfalls durchführten. Der grundsätzliche Zusammenhang zwischen Pulsdruck und Ereignisrate besteht demnach unabhängig davon, ob die Patienten behandelt waren oder nicht.