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08.01.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Ärztliche Teledienste

Bundesärztekammer präzisiert Fernbehandlungsverbot

Autor:
Philipp Grätzel

Im Zusammenhang mit telemedizinischen Dienstleistungen wird oft an das Fernbehandlungsverbot der ärztlichen Berufsordnungen erinnert. Die Bundesärztekammer gibt jetzt glasklare Erläuterungen zur Auslegung dieses Verbots und bedient sich dabei auch kardiologischer Beispiele.


Bedenkenträger gibt es in der Medizin nicht weniger als anderswo. Wenn über telemedizinische Dienstleistungen diskutiert wird, seien es Telekonsultationen mit Kollegen, das Telemonitoring von Patienten oder die telemedizinische Beratung, dann dauert es in Deutschland nie lange, bis jemand das Fernbehandlungsverbot der ärztlichen Berufsordnungen ins Spiel bringt, das dergleichen angeblich nicht gestatte oder jedenfalls stark einschränke.

Auch Juristen haben wiederholt angemahnt, angesichts der zunehmenden Digitalisierung der Medizin das Fernbehandlungsverbot in der Musterberufsordnung (MBO) entweder zu überarbeiten oder zumindest unzweideutig zu erläutern. Die Bundesärztekammer (BÄK) hatte sich jetzt zu Letzterem entschlossen: Zum Jahreswechsel legte sie ein Papier vor, das anhand von sieben Beispielszenarien klarstellt, was im Rahmen der MBO geht und was nicht.

Der §7 MBO besagt, dass individuelle ärztliche Behandlungen und Beratungen nicht ausschließlich über Kommunikationsmedien durchgeführt werden dürfen, und dass auch bei telemedizinischen Verfahren gewährleistet sein muss, dass ein Arzt den Patienten unmittelbar behandelt. Der entscheidende Punkt dabei ist die Formulierung „nicht ausschließlich“, wie die BÄK jetzt verdeutlicht.

So seien Telekonsile zwischen Ärzten im Hinblick auf die MBO „kein grundsätzliches Problem“, so die BÄK. Ein Kardiologe, der bei einem seiner Patienten wegen eines angeborenen Herzfehlers einen Kinderkardiologen per Online-Konsultation zurate ziehen möchte, muss also nicht fürchten, Probleme mit der Berufsordnung zu bekommen. Für unproblematisch im Hinblick auf die MBO hält die BÄK auch die Telediagnostik, bei der sich der Arzt, der dem Patienten gegenüber sitzt, per Datenleitung diagnostische Hilfestellung von einem Experten holt. Klassisches Beispiel dafür sind Teleradiologienetzwerke, über die teilweise auch Herzkatheterfilme versandt werden.

Auch an das klassische Telemonitoring können Ärzte in Sachen Berufsordnung einen Haken machen. Die BÄK hat hier ebenfalls keine grundsätzlichen Bedenken. Dies gilt einerseits für Szenarien, bei denen ein Arzt seinen Patienten direkt überwacht, etwa beim Telemonitoring von Patienten mit Defibrillatoren oder Herzschrittmachern oder bei den digital gestützten Varianten der 24-Stunden-Blutdruckmessung.

Es gilt aber auch für kombinierte Telemonitoring-Szenarien mit arbeitsteiliger Einbindung mehrerer Ärzte. Bei diesem „Callcenter-Modell“ – klassisches kardiologisches Beispiel ist das Telemonitoring bei Herzinsuffizienz – ist der Einfluss des Zentrums groß. Da es jedoch einen patientenführenden Arzt gibt, handelt es sich auch hier nicht um eine „ausschließliche“ Fernbehandlung. 

Das einzige Szenario, dass die BÄK im Hinblick auf die MBO explizit als berufsrechtswidrig bezeichnet, ist die Telekonsultation zwischen Arzt und Patient mit Diagnosestellung und/oder Therapie bei Patienten, die dem konsultierten Arzt unbekannt sind. Eine allgemeine krankheitsbezogene Fernberatung ist dagegen mit der MBO kompatibel.

Literatur