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07.01.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Schwere koronare Herzerkrankung

Bypass schützt besser vor tödlichen Reinfarkten

Autor:
Philipp Grätzel

Die SYNTAX-Studie ist noch immer für Publikationen gut: Wer bei schwerer KHK eine Bypass-Operation statt einer perkutanen Intervention erhält, stirbt innerhalb von fünf Jahren signifikant seltener an Herzinfarkten.


Die SYNTAX-Studie war eine randomisierte Großstudie, an der 1800 Patienten mit koronarer Dreigefäßerkrankung und/oder Stenose des linken Hauptstamms teilgenommen hatten. Die Patienten erhielten entweder eine Bypass-Operation (CABG) oder eine perkutane Intervention (PCI).

Die abschließenden 5-Jahres-Daten waren vor zwei Jahren in der Zeitschrift Lancet publiziert worden. Die Hauptaussage damals war, dass schwere kardiale oder zerebrovaskuläre Ereignisse nach CABG signifikant seltener eintraten als nach PCI (26,9% versus 37,3%), dass sich die Gesamtsterblichkeit aber nur im Trend unterschied (11,4% versus 13,7%, p=0,10).

Diese 5-Jahres-Sterblichkeit haben sich die SYNTAX-Autoren jetzt noch einmal etwas genauer angesehen. Von den 97 Todesereignissen in der CABG-Gruppe war demnach die Hälfte kardiovaskulär bedingt, in der PCI-Gruppe waren es von 123 Todesereignissen 67,5%. Daraus errechnet sich eine kardiovaskuläre Mortalität von 5,8% in der CABG-Gruppe und 9,6% in der PCI-Gruppe. Anders als bei der Gesamtmortalität ist das statistisch signifikant (p=0,008). In der Detailanalyse zeigte sich, dass die PCI ein unabhängiger Prädiktor für kardiale Todesereignisse war.

Mehr tödliche Herzinfarkte nach PCI

Getrieben wurde der Unterschied fast ausschließlich durch tödliche Myokardinfarkte, die bei den PCI-Patienten zehnmal so häufig auftraten (4,1% versus 0,4%, p<0,0001). Betroffen waren davon in erster Linie Patienten mit Diabetes sowie Patienten mit 3-Gefäßerkrankung oder hohem SYNTAX-Score.

Der SYNTAX-Score ist ein extra für diese Studie entwickelter Score, der Aussagen über die Schwere der KHK erlaubt. Patienten mit niedrigem SYNTAX-Score sind vor allem Patienten, die zwar eine Hauptstammstenose, aber keine 3-Gefäßerkrankung haben.

In einem begleitenden Editorial wird diese Auswertung von Professor William Boden vom Albany Medical College, New York kommentiert. Boden war der Initiator der COURAGE-Studie. Er betonte, dass es im Einzelfall Gründe geben könne, eine PCI der Bypassoperation vorzuziehen. Kardiologen sollten sich aber klar darüber sein, dass die verfügbare Evidenz insbesondere bei Diabetes und bei 3-Gefäßerkrankung deutlich für die Chirurgie spreche: „Die kardiovaskuläre Langzeitsterblichkeit ist signifikant geringer, und es gibt einen starken Trend bei der Gesamtmortalität“.

Nutzen einer optimalen medikamentösen Therapie

Zumindest für diabetische Patienten gebe es zudem mit der BARI-2D-Studie und der FREEDOM-Studie zwei weitere Studien mit ähnlichem Ergebnis. Boden betont auch, dass sich anhand der SYNTAX-Studie zeigen lasse, dass die Sterblichkeit von Patienten, die nach der Revaskularisation eine optimale medikamentöse Therapie mit ASS, Statinen, RAAS-Hemmstoffen und ggf. Betablockern erhalten, signifikant geringer ist. Der relative Nutzen der Arzneimitteltherapie sei dabei höher als der von CABG oder PCI. 

Literatur