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18.01.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Cholesterinsenkung

Statin-Therapie: Frauen profitieren so gut wie Männer

Autor:
Peter Overbeck

Eine Senkung erhöhter LDL-Cholesterinspiegel mit Statinen reduziert die Inzidenz von kardiovaskulären Ereignissen – und zwar bei Männern und Frauen gleichermaßen. Das belegen Ergebnisse der bislang größten und qualitativ besten Metaanalyse zu dieser Frage.

Darüber, dass die Lipidsenkung mit Statinen eine der wirksamsten Maßnahme zur Verhinderung von Herzinfarkt und Schlaganfall ist, herrscht weitgehend Einigkeit. In der Frage, in welchem Maß speziell Frauen im Vergleich zu Männern von dieser Therapie profitieren, gibt es hingegen – vor allem mit Blick auf die Primärprävention – noch keine endgültige Klarheit.

Frauen in Studien unterrepräsentiert

Tatsache ist, dass Frauen in den wichtigen Statin-Studien stets unterrepräsentiert waren. Einzelne Studien können somit kaum Aufschluss über den geschlechtsspezifischen Nutzen dieser Therapie geben.

Antworten erhoffte man sich deshalb von der Auswertung aggregierter Studiendaten in Metaanalysen. Allerdings haben auch derartige Analysen noch nicht zu einer definitiven Klärung geführt.

Mangels Zugang zu den individuellen Patientendaten basierten die bisher publizierten Metaanalysen allein auf publizierten Studienergebnissen.

Metaanalyse basiert auf 27 Studien

Jetzt hat ein internationales Forschernetzwerk – die Cholesterol Treatment Trialists‘ (CTT) Collaboration – eine neue Metaanalyse vorgelegt. Darin eingeflossen sind Daten aus 27 klinischen Statin-Studien mit insgesamt 174.149 beteiligten Patienten, darunter 46.657 Frauen (27 Prozent).

In 22 Studien war jeweils ein Statin mit Kontrollen verglichen worden, in fünf Studien eine intensive mit einer weniger intensiven standardmäßigen Statin-Therapie.

Damit ist die Metanalyse dieser Forschergruppe, die schon wiederholt die Datenlage zur Statin-Therapie metaanalytisch aufgearbeitet und dokumentiert hat, nicht nur die bislang größte zur Frage des geschlechtsspezifischen Nutzens.

Erstmals Zugang zu individuellen Patientendaten

Erstmals hatten ihre Autoren auch Zugang zu den individuellen Patientendaten aller Studien. Das ermöglichte es ihnen unter anderem, das individuelle Ausgangsrisiko der Studienteilnehmer bei der Analyse zu berücksichtigen. Frauen hatten in diesen Studien generell ein niedrigeres Risiko als Männer.

Signifikante Risikoreduktion bei Männern und Frauen

Insgesamt senkte eine Statin-Therapie das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse pro LDL-Senkung um 1 mmol/l (39 mg/dl) um 21 Prozent. Dabei war die relative Risikoreduktion bei gleichem Ausgangsrisiko mit 16 Prozent bei Frauen und 22 Prozent bei Männern jeweils signifikant und in etwa vergleichbar, wenn auch bei Frauen etwas geringer.

Die Behandlung mit Statinen senkte die Inzidenz von schweren Koronarereignissen (Herzinfarkt, Koronartod) um 24 Prozent und die von revaskularisierenden Eingriffen (per Herzkatheter oder Bypass-Op) ebenfalls um 24 Prozent. Auch hier gab es keine auffälligen Unterschiede zwischen beiden Geschlechtern. Gleiches gilt für die Reduktion von Schlaganfällen, deren Inzidenz pro mmol/l LDL-Senkung um 15 Prozent abnahm.

Eine entsprechende Senkung des LDL-Cholesterins ging auch mit einer signifikanten Reduktion der Gesamtsterberate einher, und zwar um 9 Prozent bei Frauen und um 10 Prozent bei Männern.

Schätzungen der CTT-Gruppe zufolge lassen sich durch eine Behandlung von 1000 Patienten mit Statinen über fünf Jahre pro mmol/l LDL-Senkung insgesamt 43 schwere vaskuläre Ereignisse verhindern. 

Gleichheit auch in der Primärprävention

Die neue Metaanalyse bildet nach Ansicht ihrer Autoren eine gute Basis, um auch den Nutzen der Statine in der Primärprävention bei Männern und Frauen ohne kardiovaskuläre Ereignisse in Vorgeschichte zuverlässig abzuschätzen. Auch hier profitierten beide Geschlechter von der Therapie.

Bei Personen, deren 5-Jahres-Risiko für ein schweres vaskuläres Ereignis unter 10 Prozent lag, reduzierten Statine pro mmol/l LDL-Senkung das Risiko um 35 Prozent (Männer) und um 26 Prozent (Frauen).

Absolut betrachtet fällt die Risikoreduktion hier aber bescheidener aus: Danach verhindert eine fünfjährige Behandlung von 1000 Patienten mit Statinen bei entsprechender LDL-Senkung neun Ereignisse bei Frauen und zwölf Ereignisse bei Männern.

Literatur