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28.12.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Pathogene Darmflora

Chronische Herzinsuffizienz: Welche Rolle spielt das Mikrobiom?

Autor:
Philipp Grätzel

Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz haben häufiger als herzgesunde Menschen pathogene Bakterien und Candida-Spezies in der Darmflora. Das Ausmaß der Darmbarrierestörung korreliert mit der Schwere der Herzerkrankung.

Disclaimer vorneweg: Es gibt derzeit kaum eine Erkrankung, die nicht mit Veränderungen im Mikrobiom des Magen-Darm-Trakts in Zusammenhang gebracht wird. Was dabei Korrelation und was kausaler Zusammenhang ist, das ist oft noch völlig unklar.

So ähnlich ist es auch bei einer jetzt in der Zeitschrift „JACC: Heart Failure“ publizierten italienischen Studie. 60 normalgewichtige und sich normal ernährende Patienten mit milder (NYHA I/II) bzw. schwerer (NYHA III/IV) Herzinsuffizienz sowie 20 Kontrollprobanden wurden im Hinblick auf ihre Darmflora und damit im Zusammenhang stehende Parameter wie die Permeabilität der Darmwand (IP) und die am CRP-Wert festgemachte systemische Entzündungsreaktion untersucht.

Erhöhte Permeabilität der Darmwand

Es zeigte sich zum einen, dass die Patienten mit Herzinsuffizienz im Vergleich zu den herzgesunden Kontrollprobanden signifikant mehr pathogene Mikroorganismen in der Darmflora aufwiesen. Das betraf Bakterien wie Campylobacter, Shigella, Salmonella und Yersinia enterocolica sowie auf Seiten der Pilze diverse Candida-Spezies. Die Menge der pathogenen Mikroorganismen korrelierte dabei mit der Schwere der Herzinsuffizienz.

Gleichzeitig war die mit Hilfe eines oralen Cellobiose-Tests abgeschätzte Permeabilität der Darmwand bei den herzinsuffizienten Patienten erhöht. Dies ging einher mit erhöhten CRP-Werten, und beides korrelierte erneut mit dem Schweregrad der Herzinsuffizienz sowie auf Seiten der Hämodynamik mit einem erhöhten rechtsatrialen Druck, der per Echokardiographie abgeschätzt wurde.

Eine Folge der Herzinsuffizienz?

Hinsichtlich des kausalen Zusammenhangs zwischen Darmbefund und Herzbefund halten die italienischen Autoren es für am wahrscheinlichsten, dass die Veränderungen der Darmflora Folge der Herzinsuffizienz sind. So sei denkbar, dass Veränderungen im Flüssigkeitshaushalt mikrobielle Veränderungen in der Darmwand begünstigen. Auch Darmwandischämien, herzinsuffizienzbedingte Motilitätsstörungen des Darms sowie mit der Herzinsuffizienz in Zusammenhang stehende Veränderungen des Säure-Basen-Haushalts könnten das Mikrobiom aus dem Gleichgewicht gebracht haben.

Wenn man diese Interpretation der Befunde akzeptiert, stellt sich klinisch die Frage, ob die Veränderungen der Darmflora den Verlauf der Herzinsuffizienz ungünstig beeinflussen beziehungsweise ob umgekehrt eine Ernährung, die auf eine Normalisierung der Darmflora zielt, günstige therapeutische Effekte haben könnte. All das ist bisher völlig unklar.

Literatur

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