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05.04.2017 | Chronische Herzinsuffizienz | Nachrichten

Im Vergleich zu Herzinfarkt und Schlaganfall

Deutsche wissen noch zu wenig über Herzinsuffizienz

Autor:
Veronika Schlimpert

Die Deutschen wissen immer noch zu wenig über Symptome und Therapie der Herzinsuffizienz, bemängeln Wissenschaftler nach Auswertung einer Umfrage. Gerade für ältere Menschen fordern sie deshalb, altersgerechte Programme zu etablieren.

Herzinsuffizienz ist der häufigste Grund, warum Menschen in Deutschland ins Krankenhaus eingewiesen werden müssen. Die Schwere dieser Erkrankung ist vielen Deutschen allerdings nicht bewusst. So wissen deutlich mehr Menschen über die Symptome von Herzinfarkt und Schlaganfall Bescheid als über die der Herzinsuffizienz. Um das Bewusstsein in der Bevölkerung dahingehend zu stärken, wurden deshalb in den letzten Jahren spezielle Aufklärungskampagnen ins Leben gerufen.

Nur 40% konnten die 3 Hauptsymptome benennen

Doch diese Bemühungen scheinen bisher nicht den erwünschten Erfolg erbracht zu haben, wie die bis dato größte Befragung der Bevölkerung zu dieser Thematik verdeutlicht. Die Fragen wurden vom Deutschen Kompetenznetz Herzinsuffizienz entwickelt und in den Jahren 2007, 2012 und 2015 an jeweils 2.531, 359 und 171 Personen gestellt. Demnach wussten gerade einmal 40% der Befragten über alle drei  Hauptsymptome der Herzinsuffizienz – also Atemnot, Beinödeme und eingeschränkte Belastbarkeit – Bescheid.

Obwohl 34% der Befragten direkt oder indirekt von einer Herzinsuffizienz betroffen waren, sei das Wissen über Schwere und Prognose der Erkrankung gering gewesen, berichten die Studienautoren um Christine Zelenak von der Charité Universität Berlin.

So war gerade einmal einem Viertel aller Befragten klar, dass die Prognose einer Herzinsuffizienz so schlecht ist wie die einer Krebserkrankung. 30% dachten, die Erkrankung könne durch eine Operation geheilt werden, 19% nahmen an, dass eine Heilung zumindest nach einer einmonatigen Behandlung eintreten würde. Der generelle Kenntnisstand hat sich über den Befragungszeitraum kaum verändert.

Kenntnisstand immer noch nicht zufriedenstellend

„Die aktuelle Studie zeigt, dass das generelle Bewusstsein für die Herzinsuffizienz seit 2007 nicht zugenommen hat und sich immer noch nicht auf einem zufriedenstellenden Niveau befindet“, fassen die Studienautoren zusammen.  

Generell wussten 68% der Teilnehmer, dass es sich bei der Herzinsuffizienz um eine „Schwäche des Herzens“ handelt. Die Tatsache, dass die Herzschwäche eine der häufigsten Erkrankungen überhaupt ist, war 67% bewusst. Zum Vergleich: Die Ergebnisse der 2002 durchgeführten SHAPE-Studie mit 912 Befragten aus Deutschland fielen nahezu identisch aus. Allerdings konnten damals nur 3% der Befragten die drei Hauptsymptome der Erkrankung benennen, womit zumindest hier ein Wissenszuwachs zu verzeichnen ist.

Aber: Nicht repräsentative Umfrage

Allerdings weisen Zelenak und Kollegen darauf hin, dass in dieser Studie überdurchschnittlich viele Personen einen Universitätsabschluss hatten (31%), in einem Gesundheitsberuf tätig waren (17%) und direkt oder indirekt von der Erkrankung betroffen waren (34%). Dies mag der Tatsache geschuldet sein, dass die Umfrage  im Jahr 2007 am „Gesundheitstag“ in verschiedenen deutschen Städten sowie in der „Langen Nacht der Wissenschaften“ in Berlin 2012 und 2015 stattgefunden hat. Der Prozentsatz von 39% erscheine damit immer noch gering, da man davon ausgehen könne, dass sich die Befragten eher für Gesundheitsthemen interessierten als der Durchschnittsbürger. Somit ist diese Befragung nicht repräsentativ für die deutsche Allgemeinbevölkerung. Zudem ist die Zahl der 2015 befragten Personen deutlich geringer als die der vorherigen Jahre.

Mehr Aufklärungsarbeit nötig

Trotz dieser Limitationen verdeutlicht die Analyse nach Ansicht der Studienautoren, dass mehr Aufklärungsarbeit erforderlich ist und etablierte Maßnahmen auf ihre Effektivität hin geprüft werden sollten. Künftige Aufklärungskampagnen sollten alle verfügbaren Medien auf eine altersgerechte Art und Weise nutzen. So ergab die aktuelle Umfrage, dass über 65-Jährige ihre Informationen überwiegend über TV/Radio, Printmedien und über ihren Hausarzt beziehen (je 69%), während Jüngere sich mittlerweile bevorzugt über das Internet informieren (51%).

Für ältere Menschen sollten spezielle Programme, beispielsweise zum Lebensstil und den Beschwerden der Erkrankung von Krankenkassen, Krankenhäusern oder Volkshochschulen angeboten werden. Hausärzten sollte es dann auch möglich sein, solche Kurse zu verschreiben, betonen die Studienautoren. Denn das Wissen über die Erkrankung sei essenziell, um Beschwerden früher erkennen und somit eine Therapie und entsprechende Lebensstiländerungen rechtzeitig in die Wege leiten zu können.

Literatur