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30.03.2017 | Chronische Herzinsuffizienz | Nachrichten

In deutschen Praxen

Eisenmangel bei Herzinsuffizienz häufig übersehen

Autor:
Veronika Schlimpert

In deutschen Kardiologie-Praxen werden Eisenmangel und Anämien bei Herzinsuffizienz-Patienten offensichtlich häufig übersehen, wie eine Registerstudie nun offenlegt. Die Studienautoren plädieren daher dafür, den Eisenstatus in der ambulanten Versorgung von Herzinsuffizienz-Patienten routinemäßig zu bestimmen.

Eisenmangel ist eine häufige Begleiterkrankung der Herzinsuffizienz, die die Belastbarkeit der Patienten weiter eingeschränkt und deren Prognose verschlechtert. Umso bedenklicher ist es, dass in kardiologischen Praxen in Deutschland ein Eisenmangel bei Herzinsuffizienz-Patienten offenbar häufig unerkannt bleibt. Auf dieses Defizit machen Wissenschaftler um Dr. Stephan von Hähling, Universität in Göttingen, nach Auswertung des PRep-Registers (Prävalenz des Eisenmangels bei Patienten mit Herzinsuffizienz) aufmerksam.

Eisenmangel bei fast der Hälfte der Patienten unerkannt

Demnach lag bei fast der Hälfte (42,5%) der insgesamt 1.198 in dem Register eingeschlossenen Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz (aus 42 kardiologischen Praxen) ein Eisenmangel vor; definiert als Ferritinwert < 100 µg/l oder Ferritinwert von 100 bis 300 µg/l bei einer Transferinsättigung < 20%. Bei allen diesen Patienten war die Erkrankung im Vorfeld nicht bekannt. Eine Anämie ließ sich bei 18,9% der Patienten feststellen. Diese Erkrankung war vor Studieneinschluss gerade mal bei 4,8% der Patienten diagnostiziert und wurde bei keinem einzigen durch eine Bluttransfusion oder Erythropoietin-Gabe behandelt.

„Trotz der hohen Prävalenz war der Eisenmangel somit bei allen PreEP-Teilnehmer unbekannt und die vorhandene Anämie blieb häufig unbeachtet“, lautet das Fazit der Studienautoren.

Nur jeder zweite Anämie-Patient hat auch Eisenmangel

Interessanterweise sei die Überschneidung zwischen beiden Populationen geringer gewesen, als man hätte erwarten können. So litt nur jeder zweite Anämie-Patienten gleichzeitig an einem Eisenmangel. Ein Eisenmangel gehe allerdings auch unabhängig von dem Vorhandensein einer Anämie mit einer geringeren körperlichen Belastbarkeit einher, machen die Wissenschaftler deutlich.

So fiel die maximale Belastbarkeit in der Spiroergometrie bei Patienten mit Eisenmangel – selbst nach Adjustierung auf eine Anämie – signifikant geringer aus als bei denjenigen ohne Defizite in der Eisenversorgung. Im 6-Minuten-Gehtest zeigte sich allerdings kein entsprechender Zusammenhang Nach Ansicht von von Hähling und Kollegen unterstreicht dieser Zusammenhang die Bedeutung des Eisenmangels als Komorbidität für die betroffenen Patienten. Auch das Vorliegen einer Anämie erwies sich als unabhängiger  Risikofaktor für eine eingeschränkte körperliche Belastbarkeit.

Leitlinien auch in ambulanter Versorgung umsetzen

Die Kardiologen plädieren daher dafür, die gültigen ESC-Leitlinien bzgl. einer Eisensubstitution auch in der ambulanten Versorgung umzusetzen. Darin wird eine solche Therapie für symptomatische Patienten mit chronisch stabiler Herzinsuffizienz und eingeschränkter Auswurffraktion empfohlen, die an einem Eisenmangel und einer Anämie leiden, aber auch für Patienten, bei denen nur ein Eisenmangel vorliegt. 

Eisenstatus routinemäßig bestimmen

Darüber hinaus wird in den Leitlinien eine regelmäßige  Bestimmung der Blutwerte nahegelegt, um reversible/behandelbare Ursachen der Herzinsuffizienz und Komorbiditäten – wie eben einen Eisenmangel – erfassen zu können. „Die Ergebnisse des PrEP-Registers liefern nun erstmals starke Argumente, die dafür sprechen,  Eisenmangel und Anämien bei Herzinsuffizienz-Patienten auch in kardiologischen Praxen zu diagnostizieren und zu behandeln“, schlussfolgern die Autoren. Daher scheine es sinnvoll, hier auch die in der ambulanten Versorgung tätigen Kardiologen  einzubeziehen. Konkret bedeutet das, den Eisenstatus im ambulanten Setting routinemäßig zu bestimmen und ggf. eine Eisensupplementation als Therapie einzusetzen.

Literatur