Nachrichten 05.05.2017

Herzinsuffizienz: Welches Training ist das Beste?

Über die optimale Trainingsform für Herzinsuffizienz-Patienten wird noch diskutiert. Wider Erwarten schnitt das hochintensive Intervalltraining (HIIT) in der SMARTEX Heart Failure-Studie nicht besser ab als ein moderates Ausdauertraining. Experten erläutern, was dieses Ergebnis für die Praxis bedeutet.  

Regelmäßiges körperliches Training ist zum festen Bestandteil der Herzinsuffizienz-Therapie geworden. Die Ergebnisse kleinerer Studien wie auch die eigenen, anekdotischen Erfahrungen weichen allerdings von der gesicherten Datenlage ab, die sich bislang im Wesentlichen auf die HF-ACTION-Studie (Heart Failure: A Controlled Trial Investigating Outcomes of Exercise Training) bezieht. Bei mehr als 2.300 medikamentös  eingestellten Patienten mit einer medianen linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF) von 25% führte hier ein strukturiertes moderates Ausdauertraining (MCT: moderate continuous training) zu einem leichten Rückgang der kardiovaskulären Ereignisrate und zu einer Verbesserung des subjektiven Gesundheitsempfindens. In der Praxis überwiegt der Eindruck einer nachhaltigen symptomatischen Besserung der Patienten.

Insbesondere sehr schwache Patienten scheinen aber durch ein hochintensives Intervalltraining (HIIT) überhaupt erst in die Lage versetzt zu werden, sich wieder körperlich zu belasten. Die Intervallbelastung – kurze intensive Belastungen (z. B. 30 s) und längere Pause (z. B. 60 s) – vermeidet einen anhaltenden Anstieg der Herzfrequenz, sodass ein Training selbst in fortgeschrittenen Krankheitsstadien möglich wird.

HIIT nicht effektiver als Ausdauertraining

Die Effektivität beider Trainingsformen – also HIIT und MCT – wurde nun in der SMARTEX Heart Failure-Studie gegenüber einer bloßen Empfehlung zur körperlichen Aktivität bei über 260 Patienten mit Herzinsuffizienz und LVEF ≤ 40% verglichen (Herzinsuffizienz: Intensives nur so gut wie moderates Bewegungstraining).

Damit hat sich die Studiengruppe um die Professoren Halle und Linke sowie Ellingsen und Prescott mit einer wahren Energieleistung um die Herzinsuffizienz-Therapie verdient gemacht. Endlich konnte – fast 30 Jahre nach Einführung Intervalltrainings – eine ausreichend große randomisierte Studie mit Herzinsuffizienzpatienten durchgeführt werden.

Wichtige Lehren aus SMARTEX-HF

Wider Erwarten haben sich die vermeintlichen Vorteile des HIIT in dieser Studie nicht bestätigt. Der Rückgang des linksventrikulären enddiastolischen Durchmessers (LVEDD) war zwar in der HIIT-Gruppe größer als in der Beratungsgruppe, gegenüber dem MCT aber nicht unterschiedlich. Ähnlich verhielt es sich mit VO2peak und LVEF. Nach zwölf Monaten gab es in den primären und sekundären Endpunkten keine Unterschiede mehr zwischen den drei Gruppen. In der Sicherheitsanalyse fand sich über zwölf Monate ein Trend zu mehr Hospitalisierungen in der HIIT- wie auch in der Beratungsgruppe im Vergleich mit MCT.

Aber: Intensive Gruppe trainierte nicht so intensiv

Wenngleich das Ergebnis „negativ“ ist, können wir wichtige Lehren daraus ableiten. Zumindest in einer Gesamtgruppe von Patienten mit schlechter LVEF bietet HIIT gegenüber MCT keinen Vorteil, es ist aber wohl auch nicht von Nachteil. Allerdings muss der Frage, warum es mit HIIT vermehrt zu Hospitalisierungen kam, sicherlich nachgegangen werden.

Bei der Interpretation der Daten muss man allerdings bedenken, dass die HIIT-Gruppe weniger intensiv trainierte als vorgesehen war, die MCT-Gruppe dagegen mehr. Diese Abweichung vom Studienprotokoll kann durchaus dazu beigetragen haben, Unterschiede zwischen den Trainingskonzepten zu verwischen. Sie sind aber nachzuvollziehen.

Stellen Sie sich einen Patienten mit einer Ruhe-Herzfrequenz von 60/min vor, der unter Betablockertherapie eine Maximalfrequenz von 100/min erreicht. Das MCT-Training beinhaltete 60 bis 70% der Maximalfrequenz, in SMARTEX (65%) also 65/min. Wie soll man eine solche Zielfrequenz bei einem MCT nicht überschreiten? Vielleicht war paradoxerweise in der Vergangenheit in kleineren Studien HIIT im Vergleich zu MCT überlegen, weil die MCT-Trainingsintensität geringer bzw. zu gering war.

Umgekehrt: Haben Sie schon einmal versucht, 90 bis 95% Ihrer Maximal-Herzfrequenz über vier Minuten aufrechtzuerhalten? Dafür müssen Sie sehr gut trainiert sein, und es ist kein Wunder, dass diese Intensität für die HIIT-Patienten in SMARTEX nicht durchzuhalten war.

HIIT bei weniger belastbaren Patienten

In künftigen Untersuchungen müsste man sich für die Differenzierung zwischen HIIT und MCT vielleicht eher an der individuellen Herzfrequenz-Reserve orientieren, also der Differenz zwischen Maximal- und Ruhefrequenz, berechnet nach der Karvonen-Formel. Andererseits wird das Intervalltraining häufig anhand der maximalen Leistung in Watt anstatt an der Herzfrequenz bemessen, ein weiterer denkbarer Ansatz für künftige Studien. Auch die Frage nach der Häufigkeit der Trainingseinheiten pro Woche lässt sich durch SMARTEX nicht beantworten.

Was können wir aus dieser gut gemachten, kontrollierten und randomisierten Studie für die Praxis ableiten? Wir haben in der Ausgestaltung des Trainings für unsere Herzinsuffizienzpatienten mehrere Optionen zur Verfügung, die individuell angepasst werden sollten. Besonders bei den sehr wenig belastbaren Patienten hat HIIT mit kurzer Belastungsdauer und adäquater Regeneration weiterhin einen wichtigen Stellenwert. Eher nicht angewandt sollte diese Trainingsform dagegen global für alle Patienten mit Herzinsuffizienz und reduzierter LVEF.

Literatur

Ellingsen O, Halle M, Conraads V, et al. High-intensity interval training in patients with heart failure with reduced ejection fraction. Circulation 2017;135:839–49

O'Connor CM, Whellan DJ, Lee KL, et al (2009) Efficacy and safety of exercise training in patients with chronic heart failure: HF-ACTION randomized controlled trial. JAMA 301:1439–50

Flynn KE, Piña IL, Whellan DJ, et al (2009) Effects of exercise training on health status in patients with chronic heart failure: HF-ACTION randomized controlled trial. JAMA 301:1451–59

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