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12.05.2017 | Chronische Herzinsuffizienz | Nachrichten

In Studie belegt

Herzinsuffizienz wirklich so tödlich wie Krebs

Autor:
Veronika Schlimpert

Herzinsuffizienz-Patienten haben eine schlechtere Prognose als Männer mit Prostata- oder Blasenkarzinomen. Trotz Fortschritte in der Therapie ist die Erkrankung damit immer noch so tödlich wie einige Krebserkrankungen.

Herzinsuffizienz ist so tödlich wie Krebs. Den Besuchern gängiger Kardiologen-Kongresse mag dieser Vergleich durchaus bekannt vorkommen, viele Kommentatoren machen ihn sich zu Nutze, um die Bedeutsamkeit der Erkrankung hervorzuheben.

Einen Beleg für die Richtigkeit dieser Aussage liefert nun eine Untersuchung aus Schottland. Demnach ist die Prognose der Herzschwäche  in der heutigen Zeit teilweise sogar noch schlechter als die von Krebserkrankungen.

In älteren Studien aus den 90iger Jahren wurden die Mortalitätsraten beider Erkrankungen bereits verglichen, mit einem ähnlich schlechten Ausgang für die Herzinsuffizienz wie für einige verbreitete Krebserkrankungen. Da in diesen Studien der Erkrankungsverlauf aber erst ab der ersten Klinikeinweisung  verfolgt wurde, könnte die Prognose für die Herzinsuffizienz-Patienten schlechter ausgefallen sein, als sie in Wirklichkeit ist. Denn häufig kommen Herzinsuffizienz-Patienten aufgrund von akuten Komplikationen erstmals ins Krankenhaus, sie sind also zu diesem Zeitpunkt oft schon sehr krank. Bei Krebspatienten dagegen ist eine diagnostische Untersuchung oder die Evaluierung des Tumorstaging ein häufiger Grund für die erste Klinikeinweisung.

Darüber hinaus wurden in dem letzten Jahrzehnt bedeutsame Fortschritte in der Therapie beider Erkrankungen gemacht.

Aussage stimmt auch heute noch

Wissenschaftler um Mamas Mamas von der Universität Keele wollten sich deshalb ein Bild von der heutigen Situation verschaffen. Dafür haben sie die Fünfjahres-Überlebensraten der vier häufigsten Krebserkrankungen und die entsprechende Rate für die Herzinsuffizienz ab dem Zeitpunkt der ersten Diagnosestellung miteinander verglichen; insgesamt 56.658 Patienten aus einem Datensatz der schottischen Primärversorgung von 2002 bis 2011 gingen in ihre Analyse ein.  

Mit einer Fünfjahres-Überlebensrate von 55,8% war die Prognose für Männer mit Herzinsuffizienz signifikant schlechter als für an Prostata- oder Blasenkrebs erkrankte Patienten (68,3 und 57,3%). Adjustiert auf Komorbiditäten und andere Einflussfaktoren war das Sterberisiko für die Krebspatienten um 39 und 12% geringer.

Auch die Überlebenschance von Frauen mit Brustkrebs war höher als die von Herzinsuffizienz-Patientinnen (49,5 vs. 77,7%). Ihr Sterberisiko war um 45% niedriger.

Dagegen war die Prognose für Männer mit Darm- und Lungenkrebs und Frauen mit Lungen-, Darm- und Eierstockkrebs schlechter als die für Patienten bzw. Patientinnen mit Herzinsuffizienz. 

Auffallend ist auch die hohe Komorbidität bei Patienten mit Herzinsuffizienz. Im Prinzip jeder (97%) litt unter mindestens einer weiteren Erkrankung, wohingegen bei etwa einem Drittel der Krebspatienten keine Begleiterkrankung dokumentiert war. Nach Ansicht der Studienautoren könnte ein besseres Management solcher Begleiterkrankungen die Überlebensraten oder zumindest die Lebensqualität der Patienten mit Herzinsuffizienz weiter verbessern.

Literatur