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15.08.2016 | Chronische Herzinsuffizienz | Nachrichten

Phase-II-Studie enttäuscht

Liraglutid keine Hilfe bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz

Autor:
Peter Overbeck

Die Hoffnung, durch eine Behandlung mit dem GLP-1-Agonisten Liraglutid den klinischen Status von Patienten mit fortgeschrittener systolischer Herzinsuffizienz verbessern zu können, hat sich in einer randomisierten Phase-II-Studie nicht erfüllt.

Herzinsuffizienz geht unter anderem auch mit metabolischen Veränderungen am Herzen wie myokardiale Insulinresistenz einher. Vor diesem Hintergrund haben US-Forscher in einer placebokontrollierten Studie geprüft, ob Patienten mit Herzinsuffizienz und erniedrigter Auswurffraktion, die bereits wegen akuter Dekompensation stationär behandelt werden mussten, von einer Behandlung mit dem GLP-1-Analogon Liraglutid klinisch profitieren.

Das Ergebnis enttäuschte: Weder die Mortalitätsrate noch die Rate der durch Herzinsuffizienz bedingten Wiedereinweisungen konnte im Vergleich zu Placebo reduziert werden – unabhängig davon, ob die Patienten einen Diabetes mellitus hatten oder nicht.

Studie bei 300 Patienten mit Herzinsuffizienz

Eine US-Forschergruppe um Dr. Kenneth Margulis aus Philadelphia hat für diese Phase-II-Studie 300 Patienten mit zumeist ischämisch bedingter Herzinsuffizienz und eingeschränkter linkventrikulärer Funktion (mediane Auswurffraktion: 25%) rekrutiert und auf zwei Behandlungsgruppen randomisiert: Eine Gruppe erhielt sechs Monate lang Liraglutid (auftitriert auf 1,8 mg/Tag), die andere genauso lang Placebo.

Primärer Endpunkt war ein globaler Punktescore, der die Ereignisse Tod und Wiedereinweisung wegen Herzinsuffizienz sowie die Veränderungen beim kardialen Biomarker NT-proBNP bewertete. Je höher der Punktescore, desto besser der klinische Status der Patienten.

Kein Unterschied beim primären Endpunkt

Für den primären Endpunkt ergab sich am Ende kein signifikanter Unterschied zwischen beiden Behandlungsgruppen (im Mittel 146 vs. 156 Punkte): Weder bei der Mortalitätsrate (12% vs. 11%) noch bei der Rate für Rehospitalisierungen wegen akuter Herzinsuffizienz (41% vs. 34%) zeigte sich ein Vorteil zugunsten der Liraglutid- im Vergleich zur Placebogruppe. Dies gilt ebenso mit Blick auf die Veränderungen beim Biomarker NT-proBNP.

Auch die Hoffnung, dass die Liraglutid-Therapie zumindest bei den Studienteilnehmer mit manifester Diabetes-Erkrankung von Nutzen sein würde, erfüllte sich nicht. Im Gegenteil: In dieser Subgruppe (n=178) waren die Behandlungsergebnisse sogar tendenziell schlechter als in der Placebogruppe, ohne dass die Unterschiede signifikant waren. Gleichwohl raten die Studienautoren wegen dieses Subgruppen-Ergebnisses im Fall einer Liraglutid-Therapie bei Patienten mit Diabetes und Herzinsuffizienz zur Vorsicht und engmaschigen Kontrolle.

Kein „Risikosignal“ in der LEADER-Studie

Allerdings bietet die kürzlich publizierte und weitaus größere LEADER-Studie keine Anhaltspunkte für mögliche Risiken von Liraglutid bei Patienten mit Herzinsuffizienz. Unter den mehr als 9.300 Teilnehmern – allesamt kardiovaskuläre Hochrisikopatienten mit Typ-2-Diabetes – waren auch 1.305 Patienten mit Herzinsuffizienz. Mit Blick auf Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz ergab sich in dieser Studie eine nicht signifikant relative Abnahme um 13% unter Liraglutid.

In der LEADER-Studie konnte bekanntlich das Risiko für den primären Studienendpunkt (Herztod, Myokardinfarkt , Schlaganfall) durch Liraglutid signifikant um 13% im Vergleich zu Placebo reduziert werden (Ereignisraten nach 3,8 Jahren: 13,0% vs. 14,9%). Eine signifikante relative Abnahme der kardiovaskulären Mortalität (um 22%) schlug sich dabei in einer entsprechenden Reduktion der Gesamtsterberate (um 15%) nieder.

Der Unterschied zu Empagliflozin

Die klinischen Effekte von Liraglutid, die in der LEADER-Studie erstmals nach etwa 1,5 Jahren sichtbar wurden, sind nach Ansicht von Experten vermutlich auf eine günstige Beeinflussung der Atherosklerose-Entwicklung zurückzuführen. Dies lässt – anders als im Fall des SGLT2-Hemmers Empagliflozin – eher keine kurzfristigen Effekte auf die Herzinsuffizienz-Entwicklung erwarten.

Für Empagliflozin konnte in der EMPA-REG-OUTCOME-Studie ein signifikanter Effekt auch auf durch Herzinsuffizienz bedingte Klinikeinweisungen (relative Reduktion um 35%) nachgewiesen werden. Die klinische Vorteile dieser Therapie hinsichtlich der Reduktion von kardiovaskulärer Morbidität und Mortalität traten dabei schon nach wenigen Monaten zutage. Dies lässt vermuten, dass der zugrunde liegende Wirkmechanismus eher hämodynamischer Natur ist.

Literatur

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