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22.11.2016 | Chronische Herzinsuffizienz | Nachrichten

AHA 2016. Fortgeschrittene Herzinsuffizienz

Neues Linksherzunterstützungssystem verspricht weniger Pumpenthrombosen

Autor:
Veronika Schlimpert

Das Auftreten von Pumpenthrombosen nach Implantation eines Linksherzunterstützungssystems limitiert den Einsatz der Systeme bei Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz. Mit einem neuen Pumpensystem ließ sich diese Komplikation nun gänzlich verhindern.

Die Knappheit an Spenderherzen führt dazu, dass immer mehr Menschen mit terminaler Herzinsuffizienz ein linksventrikuläres Unterstützungssystem (LVAD) erhalten. Als Überbrückung bis zur Transplantation („bridge to transplant“) oder als permanente Unterstützung bei entsprechenden Kontraindikationen („destination therapy“) können diese Pumpensysteme das Überleben der Patienten verlängern und die Lebensqualität verbessern. 

Ein Wermutstropfen von derzeit auf dem Markt verfügbaren LVADs ist allerdings das vermehrte Auftreten von Pumpenthrombosen. Der dadurch erforderliche Austausch des Gerätes bringt erhebliche Komplikationen und Kosten mit sich. 

Neue Generation mit technischen Weiterentwicklungen

Um dieses Problem zu lösen, hat der Hersteller St. Jude Medical bei der Entwicklung einer neuen LVAD-Generation, dem HeartMate 3, im Vergleich zum Vorgängermodell (HeartMate II) einige Optimierungen vorgenommen. So wurde in diese Zentrifugalpumpe eine Magnetschwebetechnik integriert, durch die der Rotor in der Schwebe gehalten wird und dadurch ein Kontakt mit der Umgebung vermieden wird. Durch die ausbleibende Reibung wird die Blutverträglichkeit (Hämokompatibilität) verbessert und das Bluttrauma reduziert. Eine weitere Neuheit ist ein durch die Pumpe erzeugter artifizieller Puls, der einen Blutstau verhindern soll.

MOMENTUM 3-Studie vergleicht altes mit neuem System

Dass diese Weiterentwicklungen tatsächlich etwas gebracht haben, legt eine auf dem AHA-Kongress vorgestellte Studie namens MOMENTUM 3 nahe. In dieser von St. Jude Medical gesponserten Studie haben 294 Patienten mit terminaler Herzinsuffizienz (Klasse IIIb–IV) entweder die neue Zentrifugalpumpe oder die Vorgängerversion als „bridge-to-transplant“ oder als „destination therapy“ implantiert bekommen.

Sechs Monate nach Implantation der HeartMate 3-Pumpe war es in dieser Gruppe zu keinerlei Pumpenthrombosen gekommen, dagegen traten 18 solcher Ereignisse bei 14 Patienten mit dem HeartMate II-System auf (Hazard Ratio, HR: 0,08). 

Das Ausbleiben von Pumpenthrombosen führte letztlich dazu, dass Patienten mit der HeartMate 3-Pumpe länger ohne Komplikationen – also ohne folgenreiche Schlaganfälle oder einen erneuten Eingriff – lebten als Studienteilnehmer, die die Axialpumpe erhalten haben; den primären Endpunkt, nämlich das ereignisfreie Überleben, erreichten entsprechend 86,2% vs. 76,8% der Patienten. 

Überlegenheit des neuen LVAD gezeigt

Dieses Ergebnis beweise zum einen die Nichtunterlegenheit der neuen Pumpe gegenüber des Vorgängermodells (p für Nichtunterlegenheit <0,001), schlussfolgern die Studienautoren. Das primäre Studienziel wurde damit erreicht. Zum anderen wurde in dieser Studie mit einer Senkung des Komplikationsrisikos von 45% auch eine Überlegenheit der HeartMate 3-Pumpe gezeigt (p für Überlegenheit =0,04). 

Weniger erneute Eingriffe notwendig

Das bessere Outcome der neuen Zentrifugalpumpe lag vor allem an der geringeren Rate an Reoperationen in dieser Gruppe (0,1 vs. 7,7%). Todesfälle und Schlaganfälle mit folgenreichen Behinderungen traten hingegen nicht signifikant seltener auf, wobei nach Angaben der Studienautoren numerisch sogar mehr solcher Schlaganfälle bei den Patienten mit der Zentrifugalpumpe aufgetreten waren (6,0 vs. 3,6%).

Die Axialpumpen-Träger erlitten dagegen zahlenmäßig, aber ebenfalls nicht signifikant, häufiger eine Rechtsherzinsuffizienz. Bzgl. der Häufigkeit anderer schwerer Komplikationen wie Infektionen im Bereich der Kabelaustrittsstellen oder gastrointestinale Blutungen ließen sich keine Unterschiede zwischen beiden Gruppen feststellen. 

Als Limitation der Studie verweisen die Studienautoren um Mandeeo Mehra von der Harvard Medical School in Boston in der zeitgleich zum AHA-Kongress veröffentlichten Publikation im New England Journal of Medicine, dass Patienten wie Untersucher bzgl. des Behandlungsregimes nicht verblindet waren. Des Weiteren könnte die langjährige Erfahrung der Operateure mit dem Vorgängermodell zu vergleichsweise schlechteren Ergebnissen mit dem neuen System geführt haben. 

Ob Patienten von den neuen LVAD auch langfristig profitieren und diese Systeme möglicherweise auch für weniger schwer erkrankte Herzinsuffizienz-Patienten eine Therapieoption darstellen könnten, muss in Zukunft noch untersucht werden.  

Literatur

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