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29.05.2018 | Chronische Herzinsuffizienz | Nachrichten

Vielversprechende Studie

Splanchnikusblockade: Ein neues Therapiekonzept für die Herzinsuffizienz?

Autor:
Dr. med. Peter Stiefelhagen

Bei einer akuten kardialen Dekompensation wird ursächlich eine Volumenüberlastung angenommen. Doch dies trifft nicht für alle Patienten zu. Deshalb wird pathophysiologisch eine Volumenverschiebung von abdominell nach pulmonal diskutiert und zwar als Folge einer Splanchnikus-Überaktivität. Eine erste Studie spricht dafür, dass an dieser Hypothese etwas dran sein dürfte.

Der Nervus splanchnicus ist nicht nur für das abdominelle Schmerzempfinden, sondern auch für die Vasoregulation im Bauchraum verantwortlich. Bisher wurde die Ausschaltung dieses Nervengeflechts – operativ oder medikamentös – nur bei Patienten mit therapierefraktären tumorbedingten Abdominalschmerzen mit Erfolg durchgeführt.

Überaktivität des Nervus splanchnicus?

Angesichts seiner hämodynamischen Wirkungen hat der Nervus splanchnicus jetzt aber auch Aufmerksamkeit und Interesse bei den Kardiologen gefunden. So glaubt man, mit einer Splanchnikusblockade eine für das Herz günstige Volumenverschiebung weg von der Lunge hin in den Bauchraum erreichen zu können – ein zumindest interessanter neuer Therapieansatz für Patienten mit einer Herzinsuffizienz.

Denn trotz gewisser Fortschritte ist die chronische Herzinsuffizienz weiterhin ein Krankheitsbild, welches nicht nur die Lebensqualität stark beeinträchtigt, sondern auch die Lebenszeit deutlich verkürzt.

Als Ursache für die akute kardiale Dekompensation wird meist eine Überladung mit Flüssigkeit oder Kochsalz angenommen. Doch bei der Hälfte der Patienten ist dies nicht der Fall, sodass auch Diuretika keine Wirkung entfalten.

Somit wird diskutiert, ob eine inadäquate Volumenverschiebung aus dem Bauchraum in Richtung Herz und Lunge für die akute Verschlechterung verantwortlich sein könnte. Eine solche führt nämlich zu einem Anstieg des linksventrikulären Füllungsdrucks  mit konsekutiver Überlastung des Herzens mit der Folge einer Lungenstauung bis hin zum Lungenödem.

Es gibt Hinweise dafür, dass für diese Volumenumverteilung der Nervus splanchnicus verantwortlich sein könnte, genauer gesagt eine Überaktivität dieses Nervengeflecht, die zu einer Vasokonstriktion der abdominellen Gefäße führt. Daraus ergibt sich die Rationale für eine Splanchnikusblockade bei herzinsuffizienten Patienten.

Proof of concept belegt

Dieser zumindest interessant klingende innovative Therapieansatz wurde jetzt erstmals in einer klinischen Studie an der Duke University Hospital in Durham, North Carolina, bei Patienten mit einer akuten Herzinsuffizienz geprüft. Der Nervus splanchnicus wurde mittels einer röntgenologisch gesteuerten Injektion von Lidocain paravertebral einseitig ausgeschaltet. Die hämodynamischen Effekte des Eingriffs wurden durch einen Rechtsherzkatheter erfasst, d. h. es wurden der kapilläre Verschlussdruck als Maß für den linksventrikulären Füllungsdruck und der Pulmonalarteriendruck bestimmt.

Nach der Lidocain-Injektion kam es zu einem deutlichen Abfall aller Drucke sowohl im linken als auch rechten Herzen und auch in der Pulmonalarterie. Die hämodynamischen Effekte setzten bereits innerhalb von 15 bis 20 Minuten nach der Splanchnikusblockade ein und erreichten ihr Maximum nach 30 Minuten. Das Ausgangsniveau wurde nach 90 Minuten wieder erreicht, dies entspricht genau der Wirkdauer von Lidocain.

Verbesserung der Belastbarkeit

Vor und nach dem Eingriff wurde bei den Patienten ein 6-Minuten-Gehtest durchgeführt und auch die Beschwerden, genauer gesagt die Atemnot, wurden erfasst. Beide Parameter verbesserten sich. Statistisch signifikant war aber nur die Abnahme der Luftnot.  

„Diese ersten Ergebnisse unterstützen die Hypothese, dass die Vasokonstriktion der intraabdominellen Gefäße, also eine gesteigerte Aktivität des Nervus splanchnicus zu einer Verschlechterung der hämodynamischen Situation und somit auch der kardialen Funktion führt“,  so der Studienleiter Prof. Marat Fudim, Durham.

Jetzt gehe es darum, Medikamente zu entwickeln, mit denen man den Nervus splanchnicus nicht nur kurzfristig, sondern längerfristig oder sogar dauerhaft ausschalten könne.  Auch die Frage, ob dieses Therapiekonzept für die Therapie der chronischen Herzinsuffizienz geeignet sei, müsse im Rahmen klinischer Studien geklärt werden.

Literatur

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