Onlineartikel 02.09.2014

Colchicin nach Herzchirurgie von begrenztem Nutzen

Das Gichtmedikament Colchicin schützt Patienten nach Herzoperationen vor dem sog. Post-Pericardiotomie-Syndrom. Gegen Vorhofflimmern oder Perikardergüsse ist es – entgegen Erwartungen aus früheren Studien – wirkungslos.

Der ESC-Kongress fand 2014 in Barcelona statt.
Credit:
ESC Congress 2014

Beim ESC-Jahreskongress in Barcelona wurden zwei Studien vorgestellt, die den Nutzen von Colchicin nach Herzoperationen testeten. Zum einen war dies die sog. doppelblinde COPPS-2-Studie aus Italien, die zeitgleich in der Zeitschrift JAMA publiziert wurde (Imazio M et al. JAMA 2014; doi: 10.1001/jama2014.11026).

Diese basiert auf der 2011 publizierten ersten COPPS-Studie der gleichen Arbeitsgruppe. Damals waren Patienten ab dem dritten Tag nach einer Herzoperation mit Colchicin behandelt worden. Im Vergleich zu Kontrollen reduzierte dies die Risiken für Postkardiotomie-Syndrom, postoperatives Vorhofflimmern und postoperative Pleura- und Perikardergüsse um 40 bis 50%.

In der COPPS-2-Studie wurden diese Ergebnisse nun überprüft. Das Mitosegift wurde dieses Mal bereits 2 bis 3 Tage vor bis einen Monat nach der Herzoperation verabreicht. 360 Patienten nahmen an der Studie teil.

Reduktion des Postperikardiotomie-Syndrom-Risikos von 30 auf 20%

Primärer Endpunkt war das Auftreten eines Postperikardiotomie-Syndroms in den drei Monaten nach der Operation. Dieses erlitten 35 Patienten (19,4%) unter Colchicin-Prophylaxe und 53 Patienten (29,4%) in der Kontrollgruppe. Postoperatives Vorhofflimmern sowie seröse Ergüsse wurden hingegen nicht reduziert, im Gegensatz zur Vorgängerstudie.

Dies mag zum Teil an den Nebenwirkungen von Colchicin gelegen haben: 14,4% der Verum- und 6,7% der Placebo-Patienten berichteten gastrointestinale Beschwerden. In einer On-Treatment-Analyse deutete sich doch eine Schutzwirkung vor postoperativem Vorhofflimmern an (27 vs. 41,2%). Vor dem Hintergrund der schlechten Verträglichkeit sprach sich Studienautor Imazio dafür aus, die Prophylaxe besser erst einige Tage nach der Operation zu beginnen.

Kein Therapeutikum bei postoperativen Perikardergüssen

Die zweite Studie POPE-2 stammt aus Frankreich und wurde zeitgleich im European Heart Journal publiziert. In dieser Studie ging es um die Fragestellung, ob Colchicin bei perikardialen Effusionen therapeutisch wirksam ist, die nach einer Herzoperation auftreten. Diese Studie basiert auf der POPE-1-Studie, die in gleicher Situation den Nutzen einer NSAR-Behandlung untersuchte. Das Resultat war damals negativ.

Ebenso verhielt es sich auch mit der POPE-2-Studie: „Colchicin konnte weder das Volumen des Ergusses reduzieren noch Herzbeuteltamponaden verhindern“, berichtete Studienautor Prof. Philippe Meurin, kardiologische Klinik Les Grands Prés in Villeneuve Saint Denis. An der Studie hatten 197 Patienten mit Perikardergüssen des Grades 2 oder höher nach Kardiochirurgie teilgenommen. 6 bzw. 7 Patienten entwickelten unter Verum bzw. Placebo eine Herztamponade.

Da das Risiko dieser gefährlichen Komplikation bei etwa 10% in diesem Kollektiv liegt, empfahl Meurin ein engmaschiges Monitoring im ersten Monat nach der Operation. Dazu zählt zwei Echokardiographien pro Woche sowie eine tägliche Untersuchung.

Fazit: Colchicin ist hier ohne Wirkung, hat aber zweifellos seine Berechtigung in der Rezidivprophylaxe der Perikarditis sowie in der Prävention des Postperikardiotomie-Syndroms nach Herzchirurgie.



Literatur

Jahrestagung European Society of Cardiology (ESC) vom 30.8.-3.9.2014 in Barcelona; Abstract Nr. 889: Imazio M et al. Colchicine for Prevention of the Post-pericardiotomy Syndrome and Post-operative Atrial Fibrillation (COPPS-2 trial). Abstract Nr. 891
Meurin P et al. Colchicine for Post- operative Pericardial Effusion: The post-operative pericardial effusion (POPE-2) Study. A multicenter, double-blind, randomized trial.

Bildnachweise
Der ESC-Kongress fand 2014 in Barcelona statt./© ESC Congress 2014