Nachrichten 12.02.2020

Coronavirus: Herzpatienten trifft es besonders heftig

Das Coronavirus überträgt sich von Mensch zu Mensch, mal mit glimpflichem Verlauf, mal mit tödlichem Ausgang. Chinesische Forscher untersuchten jetzt, welche Patienten intensivmedizinisch betreut werden mussten – auch kardiovaskuläre Vorerkrankungen spielten eine Rolle.

Seit Dezember breitet sich das Coronavirus ausgehend von der chinesischen Millionenstadt Wuhan weltweit aus. In China gab es bis Ende Januar 2020 fast 10.000 Fälle, international wurden Infizierte in 24 Ländern auf fünf Kontinenten gemeldet. In Deutschland sind bisher 14 infizierte Patienten bekannt. 

In schweren Fällen kann die Infektion zu Organfunktionsstörungen und zum Tod führen. Derzeit gibt es keine spezifischen Therapien oder Impfstoffe dagegen.

Das Forscherteam um Dr. Dawei Wang von der Universität Wuhan in China analysierte in einer aktuellen Studie Daten von allen 138 Patienten, die im Januar 2020 in das zugehörige Universitätsklinikum eingeliefert wurden. Sie untersuchten die klinischen Merkmale der Patienten und verglichen schwerwiegende Fälle, die auf der Intensivstation behandelt wurden, mit weniger ernsten Fällen. Dabei berücksichtigten sie epidemiologische, demografische, klinische, labortechnische, radiologische und Behandlungsdaten.

Müdigkeit und Fieber sind typische Erstsymptome

26% der Patienten mussten auf der Intensivstation betreut werden und 4,3% starben. Bei 41% der Teilnehmer vermuteten die Forscher, dass sie sich im Krankenhaus mit dem Virus infiziert hatten. Bis Anfang Februar wurden 34,1% der Patienten entlassen, ihr Klinikaufenthalt betrug durchschnittlich 10 Tage. Die übrigen Überlebenden (61,6%) mussten weiterhin im Krankenhaus bleiben. Das Durchschnittsalter lag bei 56 Jahren, 54,3% waren Männer.

Die häufigsten Symptome zu Beginn der Erkrankung waren Fieber (98,6%), Müdigkeit (69,6%), trockener Husten (59,4%), Myalgie (34,8%) und Dyspnoe (31,2%). Seltener waren Kopfschmerzen, Schwindel, Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen. Die Intensivpatienten berichteten im Vergleich zu den anderen häufiger über Rachenschmerzen, Atemnot, Schwindel, Bauchschmerzen und Anorexie.

Kardiovaskuläre Begleiterkrankungen am häufigsten

46,4% der infizierten Patienten hatten Begleiterkrankungen, am häufigsten kardiovaskuläre: 31,2% hatten Hypertonie, 14,5% Herz-Kreislauf-Erkrankungen, 10,1% Diabetes und 7,2% maligne hämatologische Erkrankungen. Die Patienten, die auf der Intensivstation behandelt werden mussten, waren signifikant älter, im Durchschnitt 66 Jahre gegenüber 51 Jahren. 

Im Vergleich zu den Patienten, die keine intensivmedizinische Betreuung benötigten, hatten sie häufiger Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck (58,3% vs. 21,6%), Diabetes (22,2% vs. 5,9%), Herz-Kreislauf-Erkrankungen (25,0% vs. 10,8%) und zerebrovaskuläre Erkrankungen (16,7% vs. 1,0%).

Das sind potenzielle Risikofaktoren für schweren Verlauf

Das höhere Alter und die größere Anzahl an Komorbitäten der Intensivpatienten deuten darauf hin, dass dies Risikofaktoren für einen schweren Krankheitsverlauf sein können. Der Anteil der Männer und Frauen, die intensivmedizinisch betreut werden mussten, war ähnlich hoch. Das steht im Gegensatz zu einer kürzlich veröffentlichten Studie, die darauf hinwies, dass Männer möglicherweise öfter betroffen sein könnten. Eine mögliche Erklärung dafür ist nach Ansicht von Wang und Kollegen, dass in diesen Studien jene Patienten berücksichtigt wurden, die sich auf dem Markt in Wuhan angesteckt hatten, wo die Epidemie begonnen hatte. Das Virus war dort vermutlich von illegal verkauften Wildtieren auf Menschen übertragen worden, und es hatten vor allem Männer dort gearbeitet.

Literatur

Wang D et al. Clinical Characteristics of 138 Hospitalized Patients With 2019 Novel Coronavirus–Infected Pneumonia in Wuhan, China. JAMA 2020. https://doi.org/10.1001/jama.2020.1585

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Bildnachweise
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Kardio-MRT (CMR, Late Gadolinium Enhancement PSIR)/© Mohamed Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen