Nachrichten 20.08.2020

COVID-19: Wie groß ist die Gefahr für Menschen mit Spenderherzen?

Die Empfänger von Spenderherzen erkranken eher selten an COVID-19. Wenn es dazu kommt, dann jedoch häufig mit schwerem Verlauf, hoher Mortalität und kardiovaskulären Komplikationen, zeigt eine Umfrage unter allen deutschen Herztransplantationszentren.

Nach einer Herztransplantation sind Patienten aufgrund von Immunsuppression, hohen Komorbiditätsraten und häufigen Kontakten zu medizinischem Personal besonders gefährdet, schwer an COVID-19 zu erkranken. Bisher fehlen jedoch zuverlässige Daten.

Mediziner des Universitätsklinikums Heidelberg haben jetzt erstmals eine Umfrage unter allen Herztransplantationszentren in Deutschland durchgeführt, in der die klinischen Merkmale von an COVID-19 erkrankten Empfängern von Herztransplantaten ermittelt wurden.

88% der schwer Erkrankten verstorben

In den ersten Monaten der Pandemie wurden 21 mit SARS-CoV-2-infizierte Herztransplantationspatienten gemeldet. Acht von ihnen (38%) zeigten einen schweren Verlauf, der eine invasive Beatmung erforderte. Von diesen schwer erkrankten Patienten starben sieben (88%). Das Auftreten von rechtsventrikulärer Dysfunktion (63% vs. 8%), Arrhythmien (50% vs. 0%) und thromboembolischen Ereignissen (50% vs. 0%) ging mit einem erhöhten Sterberisiko einher. Erhöhte Werte von hochsensitivem Troponin T und B-natriuretischem Peptid (NT-proBNP) waren signifikant mit einem schweren Verlauf von COVID-19 assoziiert.

Das klinische Erscheinungsbild von COVID-19 in der Kohorte unterschied sich nicht von Patienten ohne Herztransplantation.

Typische Symptome waren:

- Atemnot (86% bzw. 18 von 21), 

- Husten (76% bzw. 16 von 21),

- Myalgie/Fatigue (76% bzw. 16 von 21), gefolgt von 

- Rhinitis (67% bzw. 14 von 21) und 

- Fieber (67% bzw. 14 von 21). 

Nur eine Person berichtete von Anosmie. Das Durchschnittsalter der Patienten lag bei 59 Jahren, 81% waren männlich. Zu den Komorbiditäten gehörten Hypertonie (71% bzw. 15 von 21), Dyslipidämie (71% bzw. 15 von 21), Diabetes (33% bzw. 7 von 21), dialysepflichtige chronische Niereninsuffizienz (29% bzw. 6 von 21) und COPD/Asthma (19% bzw. 4 von 21). Die Mehrheit erhielt ein Immunsuppressivum: 71% Calcineurininhibitoren, 86% Mycophenolatmofetil und 71% Steroide.

Sorgfältiges kardiovaskuläres Monitoring empfohlen

Insgesamt scheinen COVID-19-Infektionen unter Empfängern von Spenderherzen eher selten zu sein, da in Deutschland jährlich zwischen 250 und 350 Herztransplantationen durchgeführt werden.

Wenn sie betroffen sind, ist die Mortalitätsrate jedoch höher verglichen mit Personen ohne Transplantat, besonders, wenn invasive Beatmung notwendig ist. „Angesichts der erhöhten Mortalität möchten wir die Bedeutung der Infektionsprävention, der Hygienevorschriften und der sorgfältigen klinischen Bewertung bei dieser gefährdeten Patientenpopulation betonen“, erinnern die Studienautoren um Dr. Rasmus Rivinius vom Universitätsklinikum Heidelberg.

Erhöhte kardiale Biomarker, Arrhythmien, thromboembolische Ereignisse und RV-Dysfunktionen bei Herztransplantationspatienten mit schwerem COVID-19-Verlauf seien ein Hinweis auf die Notwendigkeit einer sorgfältigen kardiovaskulären Kontrolle, schließen die Forscher.
 

Literatur

Rivinius R et al. COVID-19 among heart transplant recipients in Germany: a multicenter survey. Clinical Research in Cardiology 2020. https://doi.org/10.1007/s00392-020-01722-w




 

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Bildnachweise
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Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
BNK-Webinar/© BNK | Kardiologie.org