Nachrichten 15.05.2020

Schädigt COVID-19 das Herz auch dauerhaft?

Es ist zu befürchten, dass COVID-19 das Herz auch dauerhaft schädigen kann. Bei genesenen Patienten finden sich auffällige Myokardveränderungen im MRT. 

Sicher ist mittlerweile, dass eine SARS-CoV-2-Infektion mit Herzbeteiligung einhergehen kann. Doch noch weiß keiner so recht, ob sich die Infektion auch dauerhaft auf die Herzgesundheit der Patienten auswirken kann.

Dass eine kardiale Spätmanifestation von COVID-19 möglich ist, darauf deuten nun aktuelle Daten aus Wuhan hin. Radiologen um Prof. Lu Huang haben bei 26 Patienten, die von einer SARS-CoV-2-Infektion genesen waren, wegen kardialer Beschwerden ein MRT (Standard plus T1/T2/ECV-Mapping) vorgenommen.

Myokardveränderungen erst nach der Genesung 

Die Symptomatik umfasste Brustschmerz, Palpitationen und Spannungsgefühl in der Brust, die Beschwerden traten bei allen Patienten erst nach der Klinikentlassung auf. Keiner der Patienten war vor der COVID-19-Erkrankung an einer Myokarditis oder an anderen Herzleiden erkrankt, im Mittel waren die Patienten 38 Jahre alt.

Bei 15 Patienten – also mehr als der Hälfte – ließen sich im MRT abnorme Veränderungen im Myokard feststellen wie Myokard-Ödeme, Fibrose und eine eingeschränkte Funktion des rechten Ventrikels. Als Vergleich dienten MRT-Bilder von 20 gesunden gleichaltrigen Patienten, die zu einem früheren Zeitpunkt aufgenommen worden sind.

Kardiale Spätfolgen bei leichten COVID-19-Verläufen leicht zu übersehen

Es könne sein, dass sich eine SARS-CoV-2-Infektion auch langfristig kardial manifestieren kann, schlussfolgern die Ärzte aus diesen Befunden. Huang und Kollegen halten es deshalb für sinnvoll, den kardialen Status von COVID-19-Patienten und auch den von genesenen Patienten engmaschig zu überwachen.

Und die kardialen Spätfolgen scheinen sich keinesfalls nur auf schwere COVID-19-Verläufe zu beschränken. Die meisten der Patienten in dieser Untersuchung zeigten nur moderate Verläufe, nur vier Patienten (15%) waren schwer erkrankt (allerdings benötigen 81% eine Sauerstoffgabe). Die chinesischen Ärzte befürchten deshalb, dass bei Patienten mit milden SARS-CoV-2-Infektionen eine kardiale Beteiligung leicht übersehen werden könnte.

Das waren die häufigsten Befunde

Die häufigsten MRT-Befunde (bei 58%) waren Myokard-Ödeme (Hyperintensität in T2-gewichteter Sequenz) und/oder fokales Late-Gadolinium-Enhancement (LGE). Die LGE-Narben befanden sich meist inferior oder inferolateral in basalen und mittventrikulären Segmenten (bei 60%); acht Personen wiesen fokal subepikardiale Anreicherungen und fleckförmiges intramyokardiales Signalenhancement auf, mit Beteiligung von 15 Segmenten, was typische LGE-Muster für virale Myokarditiden sind.

Zusammenfassend stellten die chinesischen Ärzte somit hauptsächlich diffuse Myokard-Ödeme und Fibrosen als (Spät)Manifestation der SARS-CoV-2-Infektion fest; teils war auch das Perikard betroffen. Bei Patienten mit auffälligen Standard-MRT-Befunden waren darüber hinaus die nativen T1/T2-Zeiten und das Extrazellulärvolumen (EZV) in den quantitativen Sequenzen signifikant im Vergleich zur Kontrollgruppe erhöht.

Bei einigen Patienten ließ sich zudem eine eingeschränkte rechtsventrikuläre Funktion nachweisen. Die linksventrikuläre Pumpfunktion (LVEF) war dagegen bei allen – bis auf eine Person – normal, weshalb Huang und Kollegen von einem frühen Stadium der Myokardbeteiligung ausgehen.

Ist wirklich das Virus schuld?

Etwas stutzig macht allerdings, dass die bei 13 Patienten in der Klinik im Kontext der COVID-19-Erkrankung gemessenen Troponinwerte (hs-cTnI) nicht besonders auffällig waren, mit Maximalwerten von 2,2 [1,9–2,6] pg/mL. Bei fünf von ihnen waren dann zu einem späteren Zeitpunkt im MRT Myokardveränderungen nachweisbar.

Fraglich ist somit, ob bei allen Patienten die Virusinfektion für die Symptomatik und die auffälligen MRT-Befunde ursächlich verantwortlich war. Ebenfalls unklar ist, ab welchem Zeitpunkt sich die Myokardveränderungen entwickelt haben. Zwischen Symptombeginn und MRT-Untersuchung vergingen im Schnitt knapp 50 Tage. Alle untersuchten Patienten hatten aufgrund ihrer COVID-19-Pneumonie antivirale Substanzen und Antibiotika eingenommen, 50% zusätzlich Kortikosteroide. 

Eine große Limitation ist, dass es sich um ein sehr kleines, sehr spezifisches Patientenkollektiv handelte (alle hatten kardiale Symptome nach Klinikentlassung). Größere Studien müssen nun zeigen, ob sich die vermeintlich kardialen Spätfolgen der SARS-CoV-2-Infektion auch bei anderen COVID-19-Genesene beobachten lassen.

Literatur

Huang L et al. Cardiac involvement in recovered COVID-19 patients identified by magnetic resonance imaging. JACC: Cardiovascular Imaging 2020, DOI: 10.1016/j.jcmg.2020.05.004

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