Nachrichten 23.04.2020

COVID-19: Phase-III-Studie mit Antidiabetikum gestartet

Lassen sich mit Dapagliflozin schwere COVID-19-Verläufe verhindern? Das wird jetzt in einer Phase-III-Studie untersucht.   

Die Suche nach einem COVID-19-Medikament hat einen regelrechten Studien-Run ausgelöst. Innerhalb kürzester Zeit ist es gelungen, eine Vielzahl an klinischen Studien auf den Weg zu bringen, mit Medikamenten aus den unterschiedlichsten medizinischen Fachgebieten.

Jetzt verkündet das Pharmaunternehmen AstraZeneca, dass es gemeinsam mit dem Saint Luke’s Mid America Heart-Institut eine Phase-III-Studie mit dem SGLT2-Inhibitor Dapagliflozin initiiert hat: DARE-19 heißt diese randomisierte, placebokontrollierte, doppelblinde Studie.

Ziel der Studie ist es, mit dem SGLT2-Inhibitor ein systemisches Fortschreiten der Infektion und damit kardiovaskuläre, respiratorische und renale Komplikationen zu verhindern – und zwar bei Patienten, die zu den sog „Risikopatienten“ zählen, also die kardiovaskuläre, metabolische oder renale Risikofaktoren aufweisen.

Ziel: Schwere Verläufe bei Risikopatienten verhindern

„Dapagliflozin hat bewiesen, dass es protektive kardiale und renale Effekte entfaltet und die Prognose von Hochrisikopatienten mit Typ-2-Diabetes, Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion und chronischer Niereninsuffizienz verbessert“, begründet der Studienleiter Dr. Mikhail N. Kosiborod, Kardiologe am Saint Luke’s Mid America Heart-Institut, die Entscheidung für den Studienstart in einer Pressemitteilung. Kardiometabolisch vorerkrankte COVID-19-Patienten scheinen wiederum zu den Personen zu gehören, die das höchste Risiko für schwere Infektionsverläufe tragen.  

Studiendesign von DARE-19

Geplant ist der Einschluss von etwa 900 COVID-19-Patienten aus den USA und Europa, die wegen der Infektionserkrankung in eine Klinik eingewiesen werden müssen und die Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, atherosklerotische Erkrankungen, Herzinsuffizienz mit reduzierter EF, Typ-2-Diabetes oder eine Niereninsuffizienz vom Stadium III bis IV aufweisen. Die Patienten erhalten randomisiert entweder Dapagliflozin zusätzlich zur Standardtherapie oder Placebo. Primärer Effizienz-Endpunkt ist die Zeit bis zum ersten Auftreten von neuen oder sich verschlechternden Organstörungen oder der Tod jeglicher Ursache innerhalb eines 30-tägigen Follow-up.

Literatur

Pressemitteilung von AstraZeneca: AstraZeneca and Saint Luke’s Mid America Heart Institute initiate Phase III DARE-19 trial with Farxiga in COVID-19 patients, veröffentlicht am 23. April 2020.

Highlights

Reisen mit Herzinsuffizienz

Mobilität bei Herzinsuffizienz ist erstrebenswert – was aber, wenn der Patient gleich eine Fernreise plant? 

Corona, COVID-19 & Co.

Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Synkopen: Wie hoch ist das Unfallrisiko wirklich?

Fahrverbote bei Synkopen können Unfälle verhindern, sind aber auch belastend für die Betroffenen. In einer Studie wurde jetzt das Risiko von Personen mit Synkopen und das von anderen Patienten und Patientinnen der Notaufnahme verglichen.

Starke Zunahme von Herzerkrankungen in den USA erwartet

In den kommenden Jahrzehnten werde in den USA das Ausmaß an kardiovaskulären Risikofaktoren und Erkrankungen in der Bevölkerung erheblich zunehmen, prognostizieren US-Forscher. Dieser Trend wird nach ihrer Schätzung aber nicht alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen betreffen.

Nach Vorhofflimmern-Ablation: Blanking-Periode sollte kürzer sein

Unmittelbar nach Katheterablationen auftretende Vorhofflimmern-Episoden werden oft als vorübergehendes harmloses Phänomen betrachtet. Solche Frührezidive werden in der sog. „Blanking-Periode“, die in der Regel drei Monate umfasst, deshalb nicht als „echte“ Rezidive gezählt. Kardiologen halten die bisher propagierte Zeitspanne aber für zu lang.  

Aus der Kardiothek

Herzinsuffizienz: Optimal-Medikamentöse-Therapie (OMT), und ... was noch?

Medikamente sind die Eckpfeiler einer adäquaten Herzinsuffizienztherapie. Darüber hinaus gibt es zusätzliche Optionen, die für manche Patienten eine Lösung darstellen können. Anhand von Fallbeispielen erläutert Dr. med. Andreas Rieth welche das sind.

Digitale Kardiologie anno 2022 – von Zukunftsvisionen bis sinnvollem Einsatz im Alltag

Die digitale Kardiologie ist nicht nur ein Trend, sie eröffnet eine realistische Chance, die Versorgung von Patientinnen und Patienten zu verbessern. Dr. med. Philipp Breitbart gibt Tipps für den Einsatz solcher Devices im Alltag.

Muss eine moderne Herzinsuffizienztherapie geschlechtsspezifisch sein?

Medikamente wirken bei Frauen oft anders als bei Männern. Dr. med. Jana Boer erläutert, wie sich diese Unterschiede auf die pharmakologische Herzinsuffizienztherapie auswirken, und was Sie dabei beachten sollten.

Urlaub/© Nastco / Getty Images / iStock
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
kardiologie @ home/© BNK | Kardiologie.org