Nachrichten 06.04.2021

COVID-19: Thromboserisiko nach Klinikaufenthalt offenbar nicht erhöht

SARS-CoV-2 wirkt akut prothrombotisch. Doch ist das Risiko für venöse Thromboembolien auch noch längerfristig erhöht? Neue Daten sprechen eher nicht dafür.

Wenn COVID-19-Patienten aus dem Krankenhaus entlassen werden können, ist in der Folge offenbar kein erhöhtes Thromboserisiko zu befürchten. Darauf deute eine neue Analyse aus Kalifornien hin.

Insgesamt 220.588 Daten haben Wissenschaftler um Dr. Nareg Roubinian retrospektiv ausgewertet. Die Daten stammten von Patienten, die zwischen dem 25. Februar und 31. August 2020 wegen Beschwerden auf eine SARS-CoV-2-Infektion getestet worden sind; bei 26.104 Personen (11,8%) fiel das Ergebnis des PCR-Tests positiv aus.

30-Tages-Inzidenz zwar höher bei COVID-19-Patienten

In den darauffolgenden 30 Tagen kam es bei den positiv getesteten Personen zwar signifikant häufiger zu venösen Thromboembolien (VTE) als bei den negativ getesteten (4,7 vs. 1,6 Fälle pro 1.000 getesteter Personen; p˂ 0,001). Doch solche Ereignisse traten meist schon innerhalb des Klinikaufenthaltes auf. So war die VTE-Rate bei den COVID-19-Patienten, die bereits aus dem Krankenhaus entlassen worden sind, nicht höher als die von Patienten mit negativen SARS-CoV-2-Test (1,0 vs. 1,1 Fälle pro 1.000 getesteter Personen, p=0,51).  

Aber: Erhöhtes Risiko nur während des Klinikaufenthaltes, und nicht danach

„Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die VTE-Inzidenz außerhalb der Klinik mit einer SARS-CoV-2-Infektion nicht signifikant ansteigt“, schlussfolgern die Autoren aus ihren Daten. Und dies spreche wiederum gegen einen routinemäßigen Einsatz einer ambulanten Thromboseprophylaxe außerhalb von klinischen Studien.

Doch bei der Interpretation der Daten ist Vorsicht angebracht. Denn die Patienten mit positiven SARS-CoV-2-Test haben während der Klinik womöglich eine Antikoagulation und/oder andere Medikament bekommen, die das Thromboserisiko längerfristig beeinflusst haben könnten. Sprich, vielleicht hat das intrahospitale Management oder eine aufmerksame Nachsorge der Patienten zu der niedrigen VTE-Rate beigetragen.

Die Autoren weisen darauf hin, dass das Nutzen/Risiko-Profil einer prophylaktischen Antikoagulation bei ambulanten COVID-19-Patienten derzeit noch in randomisierten Studien untersucht wird.

Literatur

Roubinian NH et al. Incidence of 30-Day Venous Thromboembolism in Adults Tested for SARS-CoV-2 Infection in an Integrated Health Care System in Northern California. JAMA Intern Med. 2021. DOI:10.1001/jamainternmed.2021.0488

Highlights

Das Live-Kongress-Angebot der DGK

Zurück aus der Sommerpause: Sichern Sie sich den Zugang zu allen zertifizierten Vorträgen von DGK.Online 2021.

Corona, COVID-19 & Co.

Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Was die Cholesterinwerte von Schwangeren über Herzinfarkte der Nachkommen verraten

Hypercholesterinämie in der Schwangerschaft könnte die kardiovaskuläre Gesundheit der Nachkommen im Erwachsenenalter beeinträchtigen. Forscher entdeckten unter anderem signifikante Korrelationen mit dem Auftreten schwerer Herzinfarkte.

Bestimmte Antibiotika könnten Herztod-Risiko von Dialysepatienten erhöhen

Dialysepflichtige Patienten sind besonders gefährdet, an einem plötzlichen Herztod zu versterben. Eine aktuelle Analyse legt nun nahe, dass bestimmte Antibiotika das Risiko erhöhen könnten. Was heißt das nun für die Praxis?

Screening von Sportlern: Wann eine Echokardiografie Sinn macht

Von den Leitlinien wird eine Echokardiografie als Screeningmethode bei Athleten bisher nicht empfohlen. Bei den DGK-Herztagen erläuterte ein Experte, warum ein zusätzlicher Einsatz dieser Methode Sinn machen kann – und wie sie sich sinnvoll implementieren lässt.

Aus der Kardiothek

Hätten Sie es erkannt?

Ausschnitt einer Ergometrie eines 40-Jährigen Patienten mit gelegentlichem thorakalem Stechen. Was ist zu sehen?

Raumforderung im rechten Vorhof – was war die Ursache?

Echokardiographie einer 65-jährigen Patientin, die sich wegen Luftnot vorstellt. Im apikalen 4-Kammerblick zeigt sich eine Raumforderung im rechten Vorhof.

Fehlbildung am Herzen – was sehen Sie im CT?

3-D Rekonstruktion einer kardialen Computertomographie. Welche kardiale Fehlbildung ist zu sehen?

DGK.Online 2021/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Kardio-Quiz September 2021/© L. Anneken, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kardio-Quiz August 2021/© F. Ammon, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Computertomographie/© S. Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlanen-Nürnberg