Nachrichten 16.12.2020

COVID-19 „überstanden“: Wie hoch ist das Risiko für eine erneute Klinikeinweisung?

Wenn COVID-19-Patienten aus der Klinik entlassen werden, heißt das nicht zwangsläufig, dass sie auch gesund sind. Eine aktuelle Analyse deutet darauf hin, dass die Patienten gerade in der ersten Zeit gefährdet sind – offenbar mehr als bei einer Herzinsuffizienz.

In der ersten Zeit nach der Klinikentlassung scheint sich der Zustand von vermeintlich genesenen COVID-19-Patienten häufig wieder zu verschlechtern. Das zumindest könnte man aus den Ergebnissen einer aktuellen Analyse aus den USA schließen.

Situation im Vergleich zu Herzinsuffizienz-Patienten

In dieser Untersuchung musste nämlich mehr als jeder zehnte COVID-19-Patient innerhalb der ersten zehn Tage nach Entlassung erneut in ein Krankenhaus eingewiesen werden oder war in dieser Zeit verstorben. Die Rate an erneuten Hospitalisierungen oder Todesfällen war bei COVID-19-Patienten in dieser Phase sogar signifikant höher als bei Patienten, die wegen einer Herzinsuffizienz oder einer Pneumonie ohne zugrunde liegende SARS-CoV-2-Infektion stationär behandelt werden mussten (13,9% vs. 8,8% bei Herzinsuffizienz, p˂ 0,001, und 13,4% vs. 9,7% bei Pneumonie, p=0,01).

Wenig überraschend waren ältere Patienten besonders gefährdet, neben dem Alter ließ sich sonst kein weiterer Risikofaktor ausmachen.  

Fast jeder Dritte musste erneut in die Klinik

Um die Patientengruppen besser vergleichen zu können, wurden nach Alter, Geschlecht, dem Zeitpunkt der Entlassung, der Länge der Indexhospitalisierung und der Notwendigkeit einer intensivmedizinischen Behandlung passende Paare gebildet. So kam es, dass 1.430 COVID-19-Patienten mit 3.505 Herzinsuffizienz-Patienten, und 1.366 COVID-Patienten mit 1.799 Pneumonie-Patienten verglichen wurden (was die je nach Vergleich leicht unterschiedliche Prozentzahlen bei den COVID-Patienten erklärt [13,9%/13,4%]).

Auf längere Sicht kehrte sich die Situation allerdings um: So war das Risiko, in den ersten 60 Tagen erneut in eine Klinik eingewiesen zu werden oder zu versterben, für COVID-19-Patienten signifikant geringer als für Patienten mit Herzinsuffizienz oder Pneumonie (27,0% vs. 37,0%, p˂ 0,001, und 26,1% vs. 31,7%, p=0,006).

Zum Beispiel 40 Tage später: Zu diesem Zeitpunkt war die Wahrscheinlichkeit für einen COVID-19-Patienten um relativ 60% geringer, erneut in ein Krankenhaus eingewiesen werden zu müssen oder zu versterben, als für einen Patienten mit einer zurückliegenden stationären Herzinsuffizienz-Behandlung (Hazard Ratio zwischen 41 und 60 Tagen: 0,39).

Gründe für erneute Klinikeinweisungen

Was waren die Gründe dafür, dass die vermeintlich genesenen COVID-Patienten erneut stationär aufgenommen werden mussten? Die häufigste Ursache für eine Rehospitalisierung war die COVID-Erkrankung selbst mit einem Anteil von 30,2%, 8,5% hatten eine Sepsis entwickelt, 3,1% eine Pneumonie und ebenfalls 3,1% eine Herzinsuffizienz.

Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass das Risiko für eine Verschlechterung des Zustandes von COVID-Patienten besonders hoch ist in der Zeit kurz nach der Klinikentlassung, resümieren die Studienautoren um Dr. John Donnelly von der University of Michigan in Ann Arbor. Das Augenmerk sollte ihrer Ansicht nach bei der epidemiologischen Beurteilung von COVID-19 deshalb nicht nur auf der intrahospitalen Sterblichkeit liegen, weil diese das wahre Ausmaß der Krankheitslast womöglich „beträchtlich“ unterschätze.

Die Ergebnisse spiegeln allerdings nicht unbedingt die aktuelle Situation in Deutschland wider, da die dafür ausgewerteten Versichertendaten aus den USA stammen und den Zeitraum zwischen März und Juli 2020 berücksichtigen.

Literatur

Donnelly JP et al. Readmission and Death After Initial Hospital Discharge Among Patients With COVID-19 in a Large Multihospital System. JAMA 2020. DOI:10.1001/jama.2020.21465

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