Nachrichten 13.05.2022

Wettkampfsport nach COVID-19: Wie hoch ist das Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse?

Bei Wettkampfsportlern ist eine Herzbeteiligung infolge einer SARS-CoV-2-Infektion durchaus möglich. Die Gefahr für ein dauerhaftes Karriereende ist aber sehr gering, wie neue Registerdaten nahelegen. Die Sorge vor kardialen Spätkomplikationen scheint ebenfalls unbegründet.

Sportlerinnen und Sportler haben nach einer SARS-CoV-2-Infektion offenbar nur ein geringes Risiko für kardiale Spätkomplikationen, selbst wenn sie in der (sub)akuten Phase nach der Infektion eine Herzbeteiligung aufweisen. Das jedenfalls suggerieren die Ergebnisse einer großen prospektiven Registerstudie (ORCCA), im Rahmen derer 3.685 College-Athletinnen und -Athleten nach ihrer COVID-19-Erkrankung über ein Jahr nachverfolgt wurden.

„Unsere Daten schließen eine wichtige Wissenslücke und legen nahe, dass das Risiko für ein klinisch relevantes Herz-Kreislauf-Ereignis im kommenden Jahr gering ist“, fassen die Autorinnen und Autoren ihre Ergebnisse in Circulation zusammen.

3.685 College-Athleten nach COVID-Erkrankung über 1 Jahr nachverfolgt

Für die Studie sind 3.685 mit SARS-CoV-2 infizierte College-Athleten von 45 unterschiedlichen US-Universitäten über ein Jahr lang nachbeobachtet worden (33% Frauen, mittleres Alter: 20 Jahre). Bei fast allen Sportlerinnen und Sportlern wurde im Anschluss an die Infektion eine kardiovaskuläre Untersuchung mit einem EKG, Troponin-Test, einer transthorakaler Echokardiografie (TTE) oder einer Kardio-MRT vorgenommen (97,0%). 

Bei 21 Personen – also bei 0,6% – konnten die Untersucher Hinweise auf eine myoperikardiale Beteiligung feststellen, bei zweien lag ein definitiver und bei neun Sportlern ein wahrscheinlicher Befund vor. Allen betroffenen Athletinnen und Athleten wurde ein vorübergehendes Sportverbot ausgesprochen.

Von diesen Personen konnten fast alle nach einer median 86-tägigen Sportpause erfolgreich zu ihrem Wettkampfsport zurückkehren. Nur einer entschied sich trotz medizinischer Freigabe gegen einen „return to sport“.

Bei den meisten bildete sich die Herzbeteiligung wieder zurück

Auffällige MRT-Befunde hatten zu diesem Zeitpunkt nur noch wenige Sportler. Bei den meisten hatte sich die Herzbeteiligung im Verlauf vollständig oder partiell zurückgebildet. So waren bei sieben der zehn Athleten, bei denen vor dem Return-to-Sport ein erneutes MRT vorgenommen wurde, keine Auffälligkeiten mehr in der Bildgebung zu sehen. Bei einer Person hat sich der initial erhöhte T2-Wert wieder normalisiert, das Late Gadolinium Enhancement (LGE) blieb aber bestehen. Nur zwei Athleten hatten persistierende Befunde mit erhöhtem T2 und auffälligem T1/T2/LGE.

Keine lebensbedrohlichen kardialen Ereignisse, die mit COVID in Verbindung stehen

Beruhigend ist außerdem, dass keiner der Athleten mit initialer Herzbeteiligung während des durchschnittlichen Follow-up von 1,12 Jahren ein kardiovaskuläres Ereignis erlitt. Insgesamt passierten zwar zwei solcher Ereignisse, davon betroffenen waren aber Sportler, bei denen sich nach der Infektion keine Herzbeteiligung nachweisen ließ. In einem Fall erlitt ein Sportler einen plötzlichen Herztod. Dieser Vorfall konnte auf eine angeborene strukturelle Herzerkrankung zurückgeführt werden. Ein weiterer Athlet entwickelte in den ersten zwei Wochen nach der SARS-CoV-2-Infektion erstmalig Vorhofflimmern. In diesem Falle ist der Zusammenhang mit der Infektion unklar, denn Auffälligkeiten in der kardialen Bildgebung ließen sich bei der betroffenen Person nicht feststellen. Der Athlet erhielt im Anschluss an die Diagnose eine elektrische Kardioversion und hatte seither keine weitere Vorhofflimmern-Episode mehr.

„Wir haben eine einzige kardiovaskuläre Komplikation dokumentiert, die möglicherweise mit der SARS-CoV-2-Infektion in Verbindung gebracht werden kann (Vorhofflimmern), ansonsten gab es keine Vorfälle von lebensbedrohlichen Arrhythmien, Herzinsuffizienz oder plötzlichem Herztod, die mit der Infektion im Zusammenhang stehen“, schlussfolgern die Autoren um Dr. Bradley Petek aus Boston aus ihren Daten.

Implikationen für die Praxis

Welche Implikationen ergeben sich daraus für die Praxis? Die US-Kardiologen empfehlen eine Kardio-MRT-Untersuchung nur dann, wenn Athleten nach einer SARS-CoV-2-Infektion Beschwerden haben, die auf eine Myokarditis hindeuten, und dazu noch abnormale Befunde in der initialen Diagnostik (EKG. Troponin, TEE, Stress-Test, auffälliges Rhythmusmonitoring) aufweisen, oder falls Beschwerden persistieren. Ihre Empfehlungen decken sich damit mit denen eines kürzlich publizierten Konsensuspapiers der ACC. Ein vorübergehendes Sportverbot im Falle einer nachgewiesenen SARS-CoV-2-Infektion erachten Petek und Kollegen weiterhin für sinnvoll, denn in dem Register haben alle betroffenen Sportlerinnen und Sportlern eine solche Restriktion eingehalten, was zu den günstigen Ergebnissen beigetragen haben könnte. Trotz dieser beruhigenden Ergebnisse sei es essenziell, die langfristigen kardiovaskulären Implikationen von mit SARS-CoV-2 infizierten Athletinnen und Athleten weiter zu überwachen, so die US-Kardiologen.

Literatur

Petek B et al. Cardiovascular Outcomes in Collegiate Athletes After SARS-CoV-2 Infection: 1-Year Follow-Up From the Outcomes Registry for Cardiac Conditions in Athletes. Circulation 2022; DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.121.058272

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