Nachrichten 13.04.2020

Trotz ICD gesund durch die Corona-Krise

Herzpatienten und speziell ICD-Träger sind eine Risikogruppe für Infektionen mit dem Corona-Virus. Das kann die Psyche belasten, aber es gibt Strategien, um im Gleichgewicht zu bleiben.

Bei alten und chronisch kranken Menschen ist die Gefahr, an einer COVID-19-Erkrankung zu versterben, deutlich höher als bei jüngeren Menschen bzw. nicht chronisch kranken Personen.

Für Patienten mit Herzinsuffizienz gilt das besonders, denn die haben mit der lungenentzündungsbedingten Verknappung des Sauerstoffs besonders zu kämpfen. 

Kardiologen des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz (DZHI) und Psychologen der Universität Würzburg haben im Internet jetzt Informationen zusammengetragen, die Patienten mit Herzerkrankungen und speziell Trägern von implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) dabei helfen sollen, körperlich und psychisch gesund durch die Corona-Krise zu kommen.

Konkrete Empfehlungen

Zu den konkreten Empfehlungen, die die Würzburger den ICD-Patienten geben, gehört es, den medikamentösen Therapieplan sowie, in Absprache mit der behandelnden Einrichtung, die Kontrolltermine unbedingt einzuhalten: „Das Risiko, Herzrhythmusstörungen zu erleiden, wird durch Stress oder Angst erhöht. Für Herzpatienten ist es daher wichtig, in Krisenzeiten wie diesen ganz besonders darauf zu achten, die verordneten Medikamente einzunehmen und bei neuen Beschwerden oder Unsicherheiten ihren Hausarzt oder Kardiologen zu kontaktieren“, betont DZHI-Sprecher Prof. Dr. Christoph Maack.

Umgang mit häuslicher Isolation

Psychologe Dr. Stefan Schulz empfiehlt darüber hinaus eine gewisse Tages- und Kommunikationshygiene: Tage, die komplett oder weitgehend in häuslicher Isolation verbracht werden, sollten dennoch gut strukturiert werden. Der Psychologe rät auch von exzessiver Mediennutzung ab und empfiehlt, den Fokus auf positive Kommunikation zu richten: „Halten Sie sich von Pessimisten fern, achten Sie auf positive Gesprächsinhalte, und bleiben Sie trotz Ausgangsbeschränkung in Bewegung. Gehen Sie im Wald oder Feld spazieren oder tanken Sie frische Luft im Garten.“

Anlaufpunkt im Internet

Anlaufpunkt für Corona-besorgte Herzpatienten kann die von der Universität Würzburg initiierte Webseite icd-forum.de sein, die eine Rubrik zum Corona-Virus enthält und auch Ansprechpartner für psychologische Hilfsangebote nennt. Die Seite wird auch von einer Reihe andere bayerischer Kliniken und Klinikverbünde unterstützt. Die Webseite wurde ursprünglich für die ICD-FORUM-Studie aufgesetzt, bei der Kardiologen und Psychologen gemeinsam eine Online-Intervention evaluiert haben, die darauf abzielte, das psychosoziale Wohlbefinden von ICD-Patienten zu verbessern.

118 ICD-Patienten mit Angst und Depression wurden untersucht

An der multizentrischen, randomisierten Studie hatten 118 ICD-Patienten mit Angst oder Depression teilgenommen. Die sechswöchige Online-Gruppen-Intervention mit virtuellen Selbsthilfe-Elementen, kognitiver Verhaltenstherapie und bei Bedarf Zugang zu einem geschulten Psychologen war der Standardversorgung überlegen. 

Beim primären Endpunkt, einem Komposit aus Herzangst, Depression und mentaler Lebensqualität, schnitten die Patienten in der Interventionsgruppe vor allem im Langzeitverlauf über ein Jahr besser ab, auch wenn es statistisch nur ein Trend war. 

Signifikante Vorteile gab es bei einer Reihe sekundärer Einzelendpunkte wie Angst und Depression. Auch eine solche Online-Intervention kann daher eine sinnvolle Strategie sein, Herzpatienten in Krisenzeiten wie dieser psychisch zu stabilisieren.

Literatur

Deutsches Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg. Wie ICD-Patienten die Corona-Krise überstehen. Pressemeldung vom 31. März 2020

Schulz SM et al. Efficacy of a web-based intervention for improving psychosocial well-being in patients with implantable cardioverter-defibrillators: the randomized controlled ICD-FORUM trial. Eur Heart J 2020; 11:1203-11

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