Nachrichten 09.10.2020

Hydroxychloroquin bei COVID-19 auch in randomisierter Studie wirkungslos

Das könnte das endgültige Aus für Hydroxychloroquin als COVID-19-Therapie bedeuten: Auch in einer randomisierten Studie hat das Medikament hospitalisierten COVID-19-Patienten nichts genützt – wenn überhaupt gab es Anzeichen für eine schädliche Wirkung.

Der anfängliche Hype um Hydroxychloroquin als Therapieoption gegen COVID-19 ist schon längst verflogen. Mehrere Beobachtungsstudien haben dem Malaria-Mittel in der Zwischenzeit keinerlei positive Wirkung attestieren können.

Rekrutierungsstopp wegen fehlendem Nutzen

Nun scheint auch das letzte Fünkchen Hoffnung zu schwinden: Ein aktuell im „New England Journal of Medicine“ publizierte randomisierte Studie macht erneut deutlich, dass Hydroxychloroquin den Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion nicht positiv beeinflussen kann. Aufgrund der fehlenden Effektivität der untersuchten Medikation ist die Patientenrekrutierung der RECOVERY-Studie bereits Anfang Juni gestoppt worden. Zur ähnlichen Zeit hatte auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Rekrutierungsstopp für den Hydroxychloroquin/Chloroquin-Versuchsarm der SOLIDARITY-Studie bekannt gegeben.

Bis Juni sind im Rahmen der RECOVERY-Studie 1.561 hospitalisierte COVID-19-Patienten mit Hydroxychloroquin behandelt worden, 3.155 hatten eine Standardtherapie ohne Hydroxychloroquin erhalten. In der Hydroxychloroquin-Gruppe sind 28 Tagen nach Randomisierung 27% der Patienten verstorben, in der Standard-Gruppe 25%, womit kein Unterschied bzgl. der 28-Tage Mortalität zwischen beiden Gruppen festzustellen war. Dieses Ergebnis sei in allen präspezifierten Patientensubruppen konsistent gewesen, schreiben die Studienautoren um Prof. Peter Horby von der Universität Oxford.

Geringfügig mehr kardiale Todesfälle

Tendenziell hat sich Hydroxychloroquin sogar eher negativ auf den Erkrankungsverlauf ausgewirkt. So hatten die mit Hydroxychloroquin behandelten Patienten minimal geringere Chancen, nach 28 Tagen lebend aus dem Krankenhaus entlassen werden zu können als die Patienten mit der Standardbehandlung (59,6% vs. 62,9%; relatives Risiko, RR: 0,90). Und wenn die Patienten zu Beginn noch nicht mechanisch beatmet werden mussten, war ihr Risiko, im weiteren Verlauf beatmungspflichtig zu werden oder zu versterben, unter Hydroxychloroquin etwas höher (30,7% vs. 26,9%, RR: 1,14). Numerisch kam es unter Hydroxychloroquin zu geringfügig mehr kardialen Todesfällen (0,4% mehr). Schwerwiegende Herzrhythmusstörungen waren dagegen nicht häufiger unter Hydroxychloroquin als unter der Standardtherapie.

Literatur

Horby P et al. Effect of Hydroxychloroquine in Hospitalized Patients with Covid-19, New Engl J of Med 2020; DOI: 10.1056/NEJMoa2022926

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Bildnachweise
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Kardio-MRT (CMR, Late Gadolinium Enhancement PSIR)/© Mohamed Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen