Nachrichten 19.08.2022

Nach COVID-19: Riskieren Ungeimpfte langfristig Herzerkrankungen?

Ungeimpfte, an COVID-19 erkrankte Personen, haben einer großen Studie zufolge auch im Jahr danach ein signifikant erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie Schlaganfälle, Herzinfarkte, Arrhythmien oder Herzinsuffizienz.

Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass bei vielen Patienten und Patientinnen mit COVID-19 verschiedene postakute Folgen auftreten können, einschließlich schwerer kardiovaskulärer Ereignisse. Ungeimpfte an COVID-19 Erkrankte haben im darauffolgenden Jahr ein signifikant gesteigertes Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen im Vergleich zu ungeimpften Personen, die sich nicht mit dem Virus infizieren, legt eine Studie nahe.

Prof. Weijie Wang von der Zhejiang Chinese Medical University in Hangzhou und sein Team berücksichtigten für die Studie internationale Teilnehmende ohne COVID-19-Impfung, die auf SARS-CoV-2 getestet worden waren. 690.892 Erwachsene mit positivem COVID-19-Test wurden genauso vielen negativ getesteten Personen gegenübergestellt. Die Nachbeobachtungszeit begann 30 Tage nach dem Test und dauerte bis zu einem Jahr. Personen mit kardiovaskulären Ereignissen vor Studienbeginn wurden ausgeschlossen.

Um 87% gesteigertes Risiko für MACE

Gegenüber den Kontrollpersonen hatten die an COVID-19-Erkrankten nach einem Jahr ein um 87% erhöhtes Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse (MACE) und ein um 55% gesteigertes Risiko für alle kardiovaskulären Ereignisse. Ihr Schlaganfallrisiko war um 62%, das für Vorhofflimmern fast um das Zweieinhalbfache erhöht. Ihr Risiko für Herzinfarkte war um knapp das Doppelte, das für ischämische Kardiomyopathien sogar fast um das Dreifache gesteigert. Dazu kam ein um mehr als das Doppelte erhöhtes Risiko für Herzinsuffizienz und Lungenembolien. Alle Ergebnisse waren signifikant.

Neben dem größeren Risiko der Personen mit COVID-19 für kardiovaskuläre Ereignisse innerhalb eines Jahres, hatten diese bei einer kardiovaskulären Erkrankung auch signifikant schlechtere Überlebenschancen als die Kontrollpersonen ohne COVID-19. Das galt sowohl für Männer als auch für Frauen. Über 65-Jährige mit COVID-19 hatten im Vergleich zu jüngeren Erkrankten ein erhöhtes Mortalitätsrisiko innerhalb der Nachbeobachtungszeit. Sensitivitätsanalysen ergaben weltweit ähnliche Ergebnisse. Die Assoziation von COVID-19 und kardiovaskulären Ereignissen schien bei stationären gegenüber ambulanten Patientinnen und Patienten stärker zu sein. 

Verschiedenen Mechanismen auf der Spur

Wang et al. zufolge scheint COVID-19 Hyperkoagulabilität zu begünstigen, die auch nach der Genesung anhalten kann, was das Risiko für thromboembolische Ereignisse erhöhen kann. Die Erkrankung könne auch einen Zytokinsturm auslösen, wobei eine Überproduktion an entzündungsfördernden Zytokinen und Chemokinen das Herz-Kreislauf-System schädige. Mit COVID-19 assoziierte Elektrolytstörungen könnten das Risiko für verschiedene Tachyarrhythmien steigern, lautet eine weitere mögliche Erklärung der Forschenden.

„Da das Ein-Jahres-Risiko für neu auftretende Herzerkrankungen bei COVID-19-Überlebenden wesentlich höher ist als ohne die Erkrankung, sollten Patientinnen und Patienten sowie medizinisches Personal mit einer COVID-19-Vorgeschichte langfristig besonders auf ihre kardiovaskuläre Gesundheit achten“, fassen Wang und sein Team zusammen.

Literatur

Wang et al. Long-term cardiovascular outcomes in COVID-19 survivors among non-vaccinated population: A retrospective cohort study from the TriNetX US collaborative networks. eClinicalMedicine, Part of THE LANCET. https://doi.org/10.1016/j.eclinm.2022.101619

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