Nachrichten 09.03.2020

ACC sagt Herzkongress wegen Coronavirus ab – und aktualisiert ihre Empfehlungen

Jetzt doch: Der ACC-Kongress ist wegen des Coronavirus-Ausbruchs abgesagt worden. Alternativ sollen „virtuelle“ Präsentationen abgehalten werden. Darüber hinaus hat die Fachgesellschaft ihre Empfehlungen zum Umgang mit COVID-19-Patienten aktualisiert.

Einer der weltweit größten Kardiologie-Kongresse findet nun doch nicht statt. Noch vor wenigen Tagen hatte die ACC-Gesellschaft in einem Statement den regulären Ablauf der Tagung zugesichert. 

„Die American College of Cardiology hat eine schwierige und noch nie dagewesene Entscheidung getroffen, die ACC Scientific Sessions gemeinsam mit dem World Congress of Cardiology (ACC.20/WWC), die vom 28. bis 30. März 2020 in Chicago hätten stattfinden sollen, abzusagen“, heißt es in der heute publizierten Pressemitteilung der Fachgesellschaft.

„Den Ärzten ermöglichen, was sie am besten können – helfen und heilen“

Grund für die Absage sind die weltweit steigenden Fälle von Coronavirus-Infizierten (COVID-19), die immer mehr Reisewarnungen und -restriktionen in den USA und weltweit nach sich ziehen.  

„Mit einer immer weiter steigenden Zahl an ACC-Mitglieder, die an vorderster Front gegen den COVID-19-Ausbruch Vorbereitungen treffen und reagieren müssen, ist es im besten Interesse aller, das Meeting abzusagen und unseren Mitgliedern zu ermöglichen, zu tun, was sie am besten können – helfen und heilen“, wird ACC-Präsident Dr. Richard Kovacs zitiert.

Stattdessen virtuelle Präsentationen

Als Alternative zu dem klassischen lokalen Kongressgeschehen sollen virtuelle Präsentationen abgehalten werden. Wie diese aussehen werden, wird die ACC nach eigenen Angaben in den nächsten Tagen bekannt geben. Ebenso sollen die simultanen Publikationen wie geplant veröffentlicht werden.

Über ein FAQ-Dokument beantwortet die Fachgesellschaft relevante Fragen zur Reiseerstattung und andere Fragen zum Kongress.

Auch EHRA-Kongress in Wien abgesagt

Im Übrigen hat kurz nach dieser Pressemitteilung die ESC bekannt gegeben, den EHRA-Kongress (European Heart Rhythm Association) aus demselben Grund ebenfalls abzusagen. Die Tagung hätte vom 29. bis 31. März in Wien stattfinden sollen.

ACC-Update zum Management von COVID-19-Patienten

Neben der Kongressabsage hat die ACC auch ihre Empfehlungen zum Umgang mit COVID-19-Patienten aktualisiert.

Generell weist die Fachgesellschaft auf die Bedeutung des Eigenschutzes hin: „Um ihre Patienten bestmöglich versorgen zu können, schützen Sie sich zuerst!“ Masken und Handschuhe sind erforderlich, ebenso wie andere persönliche Schutzausrüstungen. Wichtig ist häufiges Händewaschen, die Dekontaminierung von Oberflächen einschließlich Stethoskope, Handys, Computer und anderer Devices.

In der Akutversorgung von Patienten mit kardialen Komplikationen rät die ACC zu folgendem:

  • Kardiologen sollten vorbereitet sein, andere Disziplinen bei der Behandlung von Patienten mit schweren Verläufen und kardialen Komplikationen zu unterstützen. Fallberichten zu Folge kommt es bei hospitalisierten COVID-19-Patienten in 16,7% der Fälle zu Herzrhythmusstörungen und bei 7,2% zu akuten Herzschädigungen. 
  • Teams aus Intensivmediziner und Kardiologen sollten die Versorgung von Patienten, die eine extrakorporale Kreislaufunterstützung mit einem venovenösen/veno-arteriellen ECMO erfordern, führend übernehmen.
  • Bei Patienten mit Herzinsuffizienz, Arrhythmien, EKG-Veränderungen oder Kardiomegalie sollte eine Echokardiografie vorgenommen werden.

Bei Patienten mit kardiovaskulären Grunderkrankungen gilt es wegen des COVID-19-Ausbruchs laut ACC folgendes zu beachten:

  • Es sollten Pläne entworfen werden, um herzkranke Patienten mit COVID-19-Symptomen schnell zu identifizieren und von anderen Patienten zu isolieren, auch im ambulanten Setting.
  • Patienten mit kardiovaskulären Grunderkrankungen haben ein höheres Infektionsrisiko und eine schlechtere Prognose (mehr dazu lesen Sie hier). 
  • Es ist deshalb sinnvoll, kardiovaskulär erkrankte Patienten über das potenzielle Risiko aufzuklären und sie zu bestärken, zusätzliche angemessene Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. 
  • Wichtig ist, dass herzkranke Patienten gegen Pneumokokken und Influenza geimpft sind, da bei COVID-19 ein erhöhtes Risiko für sekundäre Infektionen besteht. 
  • In Gegenden mit aktiven COVID-19-Ausbrüchen könnte es sinnvoll sein, bei stabilen Patienten mit  Herzerkrankungen telefonische Visiten oder Telehealth-Visiten statt routinemäßiger Einpersonen-Visiten abzuhalten, um nosokomiale COVID-19-Infektionen zu verhindern. 
  • Die Planung für notfallmäßige Telehealth-Protokolle sollte jetzt beginnen.
  • Es könnte zudem sinnvoll sein, infizierte Patienten in Abhängigkeit der Grunderkrankung (kardiovaskulär, respiratorisch, renal, onkologisch usw.) im Sinne einer Triage priorisiert zu behandeln. 
  • Ärzte sollten angesichts der aktuellen Coronavirus-Krise darauf achten, die klassischen Symptome eines Herzinfarktes nicht zu übersehen.
  • Bei Patienten mit Herzinsuffizienz oder Volumenüberlastung sollte eine reichliche Flüssigkeitsadministration wegen einer Virusinfektion mit Vorsicht eingesetzt und engmaschig überwacht werden. 
  • Generell sollten Patienten wie Ärzte auf Maßnahmen, die das Immunsystem stärken, achten, dazu gehören eine ausgewogene Ernährung, Schlaf und Stressbewältigung.

Und zu guter Letzt weist die ACC auf die Bedeutung eines entsprechenden Trainings von Ärzten und Personal hin, die wenig Erfahrung mit Pandemien und entsprechender Schutzmaßnahmen haben. Es sollten Protokolle für die Diagnose, Triage, Isolation und das Management von COVID-19-Patienten mit kardiovaskulären Komplikationen und/oder kardiovaskulär vorerkrankte Patienten mit COVID-19 entwickelt und ggf. angepasst werden, speziell auch für Patienten mit Myokardinfarkt. Besonders sollte darauf geachtet werden, dass bei akuten PCIs und CABGs nur das erforderliche Minimum an Personal anwesend ist und entsprechende Vorkehrungen zum verstärkten persönlichen Schutz und zur postprozeduralen Sterilisierung getroffen werden.

In extremen Umständen könne es erforderlich sein, dass die klinische Leitung das Nutzen-Risiko-Verhältnis einer akuten Herzinfarkt-Intervention (in Anbetracht der fehlenden Daten für den Benefit einer primären PCI bei viralbedingten Typ-2-Myokardinfarkten) gegen das Risiko einer nosokomialen Infektion abwägen müsse, macht die ACC aufmerksam.

Das gesamte Bulletin können Sie sich hier herunterladen.

Literatur

ACC-Pressemitteilung: ACC.20/WCC in Chicago is Canceled, veröfentlicht am 09.03.2020

Mullen B. ACC CLINICAL BULLETIN COVID-19 Clinical Guidance For the CV Care Team; https://www.acc.org/~/media/Non-Clinical/Files-PDFs-Excel-MS-Word-etc/2020/02/S20028-ACC-Clinical-Bulletin-Coronavirus.pdf


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